Logbuch
HALBWISSEN.
Wenn man keine Ahnung hat, aber doch klug sein möchte. Als schlau erscheinen. Ich lese auf einer Weihnachtskarte folgenden Spruch: „Ich kann, weil ich will, was ich muss.“ (Kant). Hmmm. Das ist ganz eindeutig nicht von Kant, das steht nicht bei Kant, es ist nicht mal von Schiller, dem Sentenzenkönig aus Weimar. Allenfalls: ICH KANN, WEIL ICH SOLL. Darin liegt aber zweierlei, ein Urzustand und der danach, nach der Überwindung. HEGEL schreibt irgendwo von der „Schranke“, die darin liege. Genau. Es kostet Überwindung. Ich war nie sportlich, aber ich höre, dort spricht man von einem „inneren Schweinehund.“ Den soll man überwinden sollen können. Das gefällt mir. Nicht weil moralisch, sondern weil vernünftig. Weil, sich zu was zwingen, das kann ein moralischer Impuls sein. Paaah. Oder ein Ausdruck von VERNUNFT. Und Vernunft „muss“ man nicht, Vernunft „kann“ man. Das, lieber Weihnachtskartenschreiber, meint VERNUNFTBEGABT. Da gibt es dann größere Begabungen und kleinere. Trotzdem Dank für die Karte. War ja nett gemeint. Aber, wenn man doof ist, gibt man einen aus; man hält aber keine Vorträge. Zwei Kommafehler waren auch noch drin. Das muss im NEUEN JAHR besser werden, lieber J. E. aus G.
Mal so unter Freunden gesagt.
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Auf Netflix kommt jetzt eine Serie mit Dialogen in Latein, sagt gerade SWR 3, den ich in der Sauna höre (nur dort). Der Moderator wünscht in der Abmoderation EIN FROHES NEUES und kann es auch, verkündet er stolz, in Latein: „anus novus.“ Na dann.
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NEKROLOG.
So, liebes Jahr 2020, jetzt musst Du also gehen. Kein Wort zum Abschied. Keins.
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WACHSTUM.
Der MYTHOS MERKEL besteht auch darin, dass sie als eher schlichtes Gemüt trotzdem ausgezeichnet rechnen kann. Kopfrechnen. Also, höhere Mathematik, das ist ihr Ding. Sie kann vorrechnen, was die Seuche so anrichtet, wenn sie exponentiell wächst. Die Journalisten waren baff, weil die „chatting classes“ eher in Religion und Kunst gute Noten hatten als in Mathe oder Physik. Ich bin da vorsichtiger, weil ich MALTHUS gelesen habe, der genau daran genial gescheitert ist. Am Kopfrechnen, respektive Köpfezählen. Wir sind im 18. Jahrhundert und dem englischen Nationalökonom fällt ein mathematisches Axiom auf: Die Bevölkerung wächst geometrisch, das Nahrungsangebot aber nur arithmetisch. Zu Deutsch: Es wird mehr geschnackselt als die Weizenernte wächst. Die Folge: Überbevölkerung. Ha! Zu hohe Fertilität. Was den unsäglichen Rechtspopulisten Thilo Sarrazin ja auch umtreibt; ihn bei einer Teilbevölkerung. MALTHUS bei allen, jedenfalls allen Armen. Kurzum, der Tisch der Natur sei nicht für alle gedeckt, fand Malthus, und war froh, dass es ein Korrektiv gegen diese Überbevölkerung gebe, eigentlich zwei: KRIEGE & SEUCHEN. So hätte, teuflischer Gedanke, die Pandemie auch ihr … Uhhh, wie böse. Der Bärtige aus Trier hatte seine satirischen Freude an dem bösen Mathematiker. Ich weiß, worin die Malthus-Mathematik irrte. Und mich beeindruckt Merkel nur bedingt mit ihrer Mathematik. Man kann nämlich richtig rechnen und doch ganz falsch liegen. Es gibt Fakten erster und zweiter Ordnung; aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.