Logbuch

MUTTER NATUR.

Gespräch auf Facebook mit einem Freund über die Frage, ob irgendwelche Naturvölker nicht im Recht sind, wenn sie einem Fluss oder einem Wald eigene Rechte zubilligen. Eine Frage der Rechtssystematik. Er ist Jurist (ein genialer Strafverteidiger), ich nicht. Ich bin nicht überzeugt. Denn ich nenne das die ANTROPOMORHISIERUNG der Natur. Passiert im Kleinen mit Haustieren. Pussy als Freundin. Im Großen bei Naturreligionen. Der Regenwald als Paradies.

Also, den Wind oder Sturm, den kann man als Gottesatem verstehen. Oder als Thermik, bewegte Luft. Er hat für mich kein RECHT SUI GENERIS. Die Römer setzten unter die Eichen, die sie pflanzten, schnellwachsende Laubbäume, um die Eichen zu zwingen, sich gerade in die Lüfte zu erheben. Sie brauchten lange gerade Stämme für ihren Schiffsbau. Das wurden die Kiele der Flotte der Weltmacht.

Man lernt, dass WALD nichts anderes ist als der KAMPF UM LICHT, in dem der verdorrt, der ihn verliert. So wie jener im Mittelmeer den Piraten unterliegt, der die schlechteren Schiffe hat. Halt, stop. Jetzt habe ich mich selbst in einen SOZIALDARWINISMUS argumentiert. Das sollte nicht sein, oder?

Die menschliche Gesellschaft ist eben nicht darwinistisch, sollte es nicht sein. Weil die Natur, das ist das Recht des Stärkeren, eben SURVIVAL OF THE FITTEST. Aber auch das ist strittig. Vielen ist sie heute ein Schoß. Der Schoß von MUTTER NATUR. Ich zögere da. Denn IDYLLE, das ist ein Werk der Philosophie. Sie liegt in den Augen des Betrachters. Also doch Naturreligion? Die Debatte ist abschließend nicht geführt. I am not convinced, wie schon Joschka Fischer einst sagte.

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FÜRSORGE.

Nach der Entmündigung aus Gründen des Seuchenschutzes soll nun die fürsorgliche Lenkung in den Klimaschutz kommen. Karl Lauterbach läuft sich schon warm. Fürsorglich? In mir rumort es und es wird grundsätzlich. 

Von der Fürsorge leben zu müssen, das war früher zwar keine Schmach, aber auch kein besonderer Stolz. Weil es erwartet wurde, dass man in Lohn und Brot stehen konnte. Und auf seine Erwerbstätigkeit mit Selbstbewusstsein schauen. Arbeit adelt. SÖLDNERSTOLZ. So bin ich erzogen. Bei uns war man fleißig. Und im Herzen ANTIAUTORITÄR. Man ließ sich nur ungern etwas sagen. Punkt.

Einen selbstverständlichen Anspruch auf Schutz haben Kinder. Man kann das Brutpflege nennen. Es ist aber mehr. Wir zeigen in der Fürsorge gegenüber Kindern unser MORALISCHE Grundausstattung. Deshalb gefällt mir der Begriff der Schutzbefohlenen. Ein moralischer Imperativ. Punkt.

Wenn ich aber, lieber VATER STAAT, meinen Unterhalt verdiene und erwachsen bin, dann hast Du Dein Recht verloren. Das gilt für den autoritären Vater, der mit einer Tracht Prügel droht, wie für den permissiven, der das Taschengeld kürzen will. Selbst mahnende Worte sind überflüssig. Ich meine, Stubenarrest haben wir alle ja jetzt lange genug gehabt.

Was für den PATER FAMILIAS gilt, gilt für Muttis gleichermaßen. Auch ein MATRIARCHAT ist Ausdruck einer autoritären Gesellschaft, die ich nicht will. EMANZIPATION heißt „aus der Hand nehmen“, aus der Hand der elterlichen Fürsorge, in die eigene. Nicht der Staat ernährt mich, sondern ich ihn. Meine Pubertät ist abgeschlossen. Selbst der Schulpflicht unterliege ich nicht mehr. Did I make myself clear?

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NACHRUHM.

Er war nur tausend Tage im Amt und ist doch der berühmteste amerikanische Präsident geworden. JFK, der katholische Ire John F. Kennedy. Ich bin ein Berliner. Lese gerade eine Besprechung des Tausendsten Buchs über ihn, in dem ein Historiker aufzeichnet, wie schmal die Bilanz dessen ist, was er wirklich zu Wege gebracht hat. JFK ist eine Legende des Nachruhms.

Helmut Kohl sagt man nach, dass er in die GESCHICHTSBÜCHER wollte; sein Abgang war eher schmählich. Gemeuchelt von Angela Merkel. Ob zu deren Ende der Himmel weint und die Engel singen, das haben wir noch nicht gehört. Ich habe Zweifel.

Wer wirklich etwas lernen will über Politik, der sollte nicht den Mythen des Erfolgs glauben, sondern sich die Gescheiterten ansehen. Jene Fälle, in denen noch nicht die PR die Geschichtsschreibung übernommen hat. NACHRUHM ist keine verlässliche Quelle.

Vollständig gescheitert ist der Versuch der saarländischen Ministerpräsidentin Annegret Kamp-Karrenbauer die Nachfolgerin von Angela Merkel zu werden. Jede einzelne Aktion ging in die Hose. Jede. Das ist lehrreich. 

Und ich glaube, man sah ihr das an, wie sie in zu großen Schuhen zu laufen versuchte. Und stolperte und stolperte… So wie man Martin Schulz, oder hieß der Scholz, dem ehemaligen Granden des EU-Parlaments ansah, dass er als Kanzlerkandidat nur chargierte. Er ist schon vergessen, die Saarländerin wird es bald sein. Tragödien im Kleinen.

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AGIL WIE VERGIL.

Es plaudern Insider immer in einer Fachsprache, was den Laien ärgern mag, aber einfach der Fachlichkeit dient. Man will einer eindeutigen Bezeichnungsfunktion dienen. Denomination genannt. Wenn der Mediziner „Krebs“ sagen würde, könnte es ja auch ein anderes Krustentier sein, Hummer oder Garnele. Er meint aber „Cancer“ und trägt nur ein „Ca“ im Krankenblatt ein. Es geht dabei eher nicht um sein Abendessen.

Für den Chemiker ist es ganz elementar, die Elemente sauber auseinanderzuhalten. Obwohl, da geht’s schon los, mein Herr Vater war Chemiker; er hätte nicht verstanden, warum es moralisch verwerflichen Kohlenwasserstoff gibt und ethisch erhabenen. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte. Soziologisch dient die Fachsprache der Distanzierung des Laien; der Ärger ist also gewollt. Quod licet iovi non licet bovi. Was für Jupiter gilt, gilt nicht für den Ochsen.

Ich hätte das mit dem Rindvieh und Gottvater (Jupiter ist der römische Zeus) auch gleich deutsch sagen können. Aber wie der weißbekittelte Onkel Doktor mit dem Krustentier fröne ich der Latinitas. Wessen Bildungsbiographie nicht vergönnt war, Latein zu lernen, dem bleibt ja noch Dinglisch. Der freundliche Inder spricht bei diesem Jargon vom Tauben-Englischen, warum auch immer.

Ich höre im eigentlich immer unsäglich woken Deutschlandfunk einen Personalchef einer Aktiengesellschaft sagen, dass man sich bemühe, die „Mitarbeitenden zu Leadership zu enabeln“. Der Enabler ist ein Ermöglicher; na gut. Die Mitarbeitenden sind Männlein wie Weiblein wie Hermaphroditen in abhängiger Beschäftigung; auch noch verstanden. Aber LEADER, das ist ja wohl der Führer. Nachfragen erlaubt.

Lassen wir mal Braunau (Geburtsort von Herrn Schicklgruber jun.) außen vor. Und billigen zu, dass Verantwortungsbewusstsein und Eigeninitiative zu fördern sind, aber tatsächlich alle in der Mannschaft zu Offizieren machen zu wollen, das ist organisatorisch herausfordernd. Aber man will sich dazu committen. Na dann. Wenn das committet ist.

Es kann nicht ganz einfach sein, einen ohnehin trägen Teil der Verwaltung (Lähmschicht, Kissenpuper) von der Anwesenheitspflicht zu befreien (Home Office genannt, was eigentlich zu Deutsch Innenministerium heißt) und so selbst die Kommunikation auf dem gemeinsamen Gang in die Kantine („Mahlzeit!“) zu unterbinden und damit Produktivität zu steigern. Das war falsch. Jetzt klebt es an denen, die es verbockt haben. Da muss man Geschnatter in Dinglisch über Agilität (sic) hinnehmen. Wie wäre es mit „AGIL mit VERGIL“?