Logbuch
GÜNSTLISCHE INDELLI GÄNZ.
Heute Morgen noch gescherzt über KI, dann zum Abendbrot dies, ich zitiere den TAGESSPIEGEL, der die Nase immer hochträgt:
„Nach dem mehrfachen Verfassen von Meinungsartikeln mit Künstlicher Intelligenz hat die Tagesspiegel-Chefredaktion den Editor-at-Large Stephan-Andreas Casdorff aufgefordert, alle publizistischen Aktivitäten für den Tagesspiegel bis auf Weiteres ruhen zu lassen.“
Selbst auf dieser Ebene Opfer der „anthropomorphen Paradoxie“ (ein Kocks-Wort). Die generative KI ist ein sehr großes Archiv mit ausgeprägter Wahrscheinlichkeitsrechnung; sie simuliert Repetitives. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Abgeschmackter Kack.
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IN NAMEN DER ROSE.
Ich fahre zweimal in der Woche an den DREI GLEICHEN vorbei, drei Burgen in Thüringen, und sehe in der Ferne die vierte, auf der Martin Luther die deutsche Sprache erfand; unzweifelhaft die größte Kulturleistung meines Vaterlands, Grundfeste der Aufklärung. Keine Region hat kulturell mehr für uns geleistet als die zwischen Wittenberg und Jena. Wer das leugnet, ist ein Idiot. Oder KI.
Der thüringische CDU-Politiker und amtierende Ministerpräsident sieht sich einer Unfreundlichkeit der Universität Chemnitz ausgesetzt; die Hochschule zu Karl-Marx-Stadt hat ihm einen von ihr erteilten Doktortitel wieder entzogen, da die Dissertation unsauberes Arbeiten zeigt. Zu gut Deutsch: Es gibt verdeckte Diebstähle geistigen Eigentums, was unter Akademikern verpönt. Ach ja, peinlicher Plagiatskram.
Nun stellt sich der Gol aus Gol-Morx-Stodt (in Sachsen ortsübliche Lautung) einer Kritik, dass seine NAMENSARTIKEL in der überregionalen Presse wie persönliche ANSPRACHEN zu politisch herausragenden Ereignissen auch nicht aus seiner Feder stammen, sondern einer Büroroutine seiner Staatskanzlei entflohen, die dazu den Automaten namens KI nutzt („günstlische Indelli Gänz“). Ist die allseitige Polemik dazu berechtigt? In der Politik ist es doch mehr als üblich, dass der Apparat Reden schreibt; er wünscht es geradezu, dass Amtsinhaber nicht losplappern, sondern sagen, was ihre Beamten nach ausführlicher interner Abstimmung für sie freigeben. Die Reden schreibt das Haus. Es gilt erst danach das gesprochene Wort. So ist die Routine.
Vielleicht zeigt sich im Lamento über Mario V. aus Frankfurt und Hamburg auch Wessi-Spott, was für eine Nachwende-Generation reichlich abgeschmackt daherkäme. Weimar war schon kulturelle Metropole, als sie in Bayern noch auf den Bäumen gesessen haben, und Chemnitz konnte mit Horch (lat.: AUDI) schon High-Tech, da in Niedersachsen noch Ochsenkarren von dürren Kühen gezogen wurden. Nein, der Spott über KI hat andere Ursachen.
Man hat uns die ausufernde Intelligenz der Datenmonster als Zukunftsvision verkauft. Aufklärung Zwei Punkt Null. Und nun sehen wir, dass hier lediglich die zeitliche Verfügbarkeit des Archivs verkürzt worden ist. Der Rechner plagiiert schneller. Das ist alles. Was den tintenklecksenden Mönch ein halbes Leben kostete, das macht der Automat in Bruchteilen von Sekunden. Er ist halt wahnsinnig schnell im Abschreiben. Mehr ist nicht. Geist und Geschmack fehlen gänzlich. Siehe Mario.
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ARBEITSVERWEIGERER.
Auf der Suche nach einer qualifizierten Bürokraft haben wir im Radius von 50 km insgesamt 2000 Anzeigen des Arbeitsamtes durchgesehen und deren Service wertgeschätzt. Modern und klug, Kompliment an Andrea Nahles.
Zweitausend suchen also bei uns in der näheren Gegend Arbeit dieser Art. Alle passen formal ins Profil. Davon haben wir 28 konkret und nett angeschrieben und den Job angeboten. Davon haben 26 überhaupt nicht geantwortet, gar nicht. Mit zweien geredet und jetzt eine Kollegin eingestellt. Herzlich willkommen.
Der Sozialstaat fördert das falsche Verhalten. Das ist vor allem für die so in das Prekariat gelockten Faulenzer ein Fehler schlicht fundamentaler Art. Wir hospitalisieren eine Unart des Lebens im nationalen Maßstab.
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Nicht in meinem Namen
Wieder sind Kinder die Opfer, es zerreißt mir das Herz, und wieder steigt der Ölpreis. Das gefällt mir nicht, insbesondere die Kombination. In meiner Jugend hatte ich dafür eine spontane politische Erklärung, aus der ich nun im Mannesalter aber herausgewachsen bin.
Man kann nicht wissen, ob dieser Krieg berechtigt ist, weil die Wahrheit immer das erste Opfer der Angreifer ist. Denn immer sind Angriffskriege Notwehr; das erklärt notorisch der sogenannte Kriegsgrund. Er liebt Kinder als Opfer. In der gesamten Menschheitsgeschichte wird immer nur zurückgeschossen.
Beim vorigen Krieg des vorigen amerikanischen Präsidenten waren die Kriegsgründe, das wissen wir nun, schlicht erlogen. Das hat mich nicht überrascht, weil ich vom „casus belli“ nichts anderes erwarte. Mit dieser Skepsis läuft man allerdings auch Gefahr, ein wirkliches Verbrechen an der Menschlichkeit tatenlos hinzunehmen.
Die Kriegsbeteiligung der Briten beim vorigen Tyrannenmord hatte mein Berufskollege Alaistair C. befördert, indem er angebliche Geheimdienstinformationen aufgebauscht hatte (im Jargon der Propaganda: „to sex it up“). Und Joschka Fischer hat bei einem anderen Notwehrfall einen veritablen Holocaust in der Interventionszone gesehen.
Wer lügt, wer sagt die Wahrheit? Nun, der Propagandist lügt. Aber sagt deshalb der Politiker die Wahrheit? Ich weiß es nicht. Und ich misstraue den Allzu-Gewissen, den Ideologen, die ihren Furor immer auf Knopfdruck für das Gute abzurufen wissen, weil sie die Welt in ihre Seite und die Achse des Bösen zu teilen verstehen, aus dem Ärmel.
Während jede Kriegspropaganda auf eine ultimative Entscheidung dringt, bleibe ich unentschlossen. Ich bin nicht überzeugt. Dieser Satz der damaligen Regierung Schröder/Fischer gehört zu dem Klügsten, was ich in der Politik kenne. Und solange ich Zweifel habe, gilt: Nicht in meinem Namen.
Quelle: starke-meinungen.de