Logbuch
HITLER TAGEBÜCHER.
Über den STERN und seinen Ankauf der gefälschten Tagebücher Adolf Hitlers ist so viel geplappert worden, dass man keine Lust hat, das mit weiteren Anmerkungen noch zu adeln.
Jüngst entblödet sich das RESCHKE-TV sogar noch, darauf hinzuweisen, dass der Fälscher Kujau aus sumpfig braunem Kontext stammte. Ist das wahr? Ich kenne die Herren alle persönlich, die das im Hamburger Flaggschiff des Journalismus seinerzeit vergeigt haben; einer saß kürzlich noch in Charlottenburg im „Tavola Calda“, der Felix, inzwischen ein älterer Herr. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.
Einer meiner langjährigen Freunde von Facebook macht mich gestern auf einen anderen Fall paradigmatischer Fälschung aufmerksam. Er ist dem Nordamerikanischen zugeneigt und erinnert an einen 50 Jahre alten Fall, der alles hatte. Möglich wurde er damals durch den Trivialmythos des HOWARD HUGHES, der als berühmter Milliardär den Rückzug aus der Öffentlichkeit probte und daran irre wurde. Wundert nicht.
Hier ist alles: ein großes industrielles Erbe, Fliegerei, Hollywood, Las Vegas, italienische und jüdische Mafia, Vitalismus, Watergate mit Nixon und ein Journalist namens CLIFFORD IRVING. Der verkaufte einem Verlag die AUTOBIOGRAFIE des Eremiten Howard Hughes samt gefälschter Briefe, und zwar auf der Basis von Interviews, die es nie gegeben hatte, aber spektakuläre Einzahlungen auf Schweizer Konten… Alles drin.
Das scheint mir hierzulande als AUSNAHME behandelt, so wie der Fall RELOTIUS beim SPIEGEL. Oder als amerikanischer Exotismus. Auch die Diss von Doll zu „Fälschung und Fake“ (gestern etwas harsch getadelt) kennt es nicht. Will das mal jemand nachholen?
Ernsthafte Anmerkung: Erst wenn man die intellektuelle Kraft hat, in der Ausnahme die REGEL zu sehen, kann das Systematische im Exemplarischen erkannt werden. Tjo, die Ausnahme und die Regel.
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FAKE NEWS.
Lese das 500seitige Werk von Martin Doll zu „Fälschung und Fake“, ein faktenreiches Werk zum Täuschen, leider eher geschwätzig, im theoretischen Ansatz schmalbrüstig. Er geht das Thema etymologisch an, von den Wortbedeutungen her. Das ist zu dünn.
Die neuere Debatte um „fake news“ beginnt nämlich historisch wie sozial an einem bestimmten Ort, bei der Empörung der alten „gate keeper“, den Journalisten, darüber, was Hans und Franz in den Social Media alles verbreiten können, ohne dass das noch ihrer Kontrolle unterliegt. Es geht im Hintergrund um den Machtverlust einer Profession. Es geht um journalistische Larmoyanz.
Denn „fake“ ist nicht „false“ (soviel Englisch sollte sein) und es geht nicht um unerwünschte Meinungen, sondern um NACHRICHTEN, genauer „gefälschte Nachrichten“ (nicht nur um „falsche“). Das setzt vorsätzliches Handeln voraus. Man unterscheide begrifflich (!) zwischen einem falschen Lächeln, dem vorgetäuschten Orgasmus und dem gefälschten Pass. Drei Welten.
Zunächst zum Extrem: Das Paradigma der Propaganda-Lüge ist der CASUS BELLI, der Kriegsgrund. Er muss so gewichtig sein, dass ich freudig einwillige, dass meine Kinder die Kinder anderer Leute töten und dabei selbst umkommen, um mir ihre Kinder als Waisen zu übergeben. Dazu muss einiges an Empörendem aufgeboten werden. Da ist nicht jeder so schnell dabei wie die Bellizisten unserer Tage. Oft ist er erlogen, der Kriegsgrund, immer Propaganda.
Etwas anderes ist die ENTE. So nannten Journalisten früher eine Falschmeldung. Wo das Wort herkommt? Von einer Randbemerkung des Redigierens; so was gab es, als es noch Redakteure in Redaktionen gab (haben die Verleger abgeschafft). Wenn etwas noch nicht überprüft war (aber geprüft werden sollte), so notierte man am Rand: „n t“ für „non testatum“, „nicht geprüft“. Aus diesem „n t“ wurde die Ente.
Die Profession solcher Sorgfalt war beleidigt über das aufkommende Querdenkertum, wo das Falsche kein Unfall mehr war, sondern das Fälschen eine Leidenschaft wurde. Nicht nur für die Hohen Priester, sprich Privileg der Verleger, sondern Hobby des breiten Volks. Das ging denen zu weit.
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NÖTIGUNG NÖTIG.
Die Klimakleba haben den politischen Status des Clowns erreicht und ihre Sache ad absurdum geführt. Auch ein Klima der Nötigung hat nicht mehr Zustimmung gebracht.
Vor dem Rathaus Zehlendorf hat mich am Freitag, also noch vor der gerade gescheiterten Volksabstimmung, ein Aktivist angesprochen, um mich zum Plebiszit zu bewegen. Er ist fünfzig, arbeitet in der Kommunalverwaltung, gehört der Partei der Grünen an und will mit mir über E-Fuels reden. Ich rieche wohl liberal; dafür hat er eine Nase. Neben ihm ein Liegefahrrad, das stromlinienförmig mit Kohlefaser umkleidet ist und eine Bauhöhe von 80 cm hat, so hoch wie ein LKW-Reifen.
Ich spreche ihn auf den baulichen und energetischen Zustand des Rathauses an, das sich im Vorkriegsstandard befindet, wo er arbeitet. Ob er sich da nicht mal ankleben wolle. Das findet er polemisch, zudem sei er im Home Office. Neben dem Zyniker im Staatsdienst eine junge Frau, die ihm bewundernd zuhört. Der Berufsjugendliche rechnet mich, bekennt er zu ihrer Begeisterung, der 911-Fraktion zu; ich nehme das hin und gehe weiter.
Gelernt habe ich, dass ich, weil ich nicht freiwillig den Grünen folge, eben genötigt werden müsse, weil wir einen Notstand haben, der Sondermaßnahmen gegen Leugner rechtfertige. Insbesondere gegen 911er. Ich habe nicht mehr die Kraft, darauf noch einzugehen.
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Grosse Politik stellt die Wahrheitsfrage nicht, nie!
Fassungslos stehe ich vor dem Schmierentheater, das der Bundesinnenminister in albernen Posen und Possen abliefert, um uns glauben zu machen, er habe dem US-amerikanischen Staatsapparat mal so richtig den Kopf gewaschen. Da versichert dieser unbeholfen wirkende Christlich-Soziale mit der Frisur, es ginge auch in der ganz großen Politik alles mit rechten Dingen zu. Ich will nicht darüber reden, ob er recht hat. Die Enthüllungen um die Spionageprogramme erregen mich nämlich nicht, weil ich nie etwas anderes angenommen habe und weil sie mein Verhalten nicht verändern werden. Ich will darüber reden, wo politische Naivität endet.
Politik kann nicht nur ein sehr schmutziges Geschäft sein, sondern auch ein tödliches. Es jährt sich gerade jetzt zum zehnten Mal der Tod von David Kelly. Man fand ihn in der Nähe seines Hauses am Feldrand mit geöffnetem Puls; sein Gartenmesser lag neben ihm, aber nur wenig Blut am vermeintlichen Tatort. Die Umstände seines Selbstmordes, so er von eigener Hand gefallen ist, bleiben bis heute unklar. Aber man kann klar sagen, was ihn umgebracht hat. Er war eine ehrliche Haut, die in die große Politik geriet. Er wusste die Wahrheit, als die Macht nur noch die Lüge wollte. Es ging ihm um die Sache, als es anderen nur noch um die Macht ging.
Wir sind kurz vor (oder nach?) der amerikanischen Invasion in den Irak, der sich die Engländer anschließen wollen. Die amerikanischen Geheimdienst (ja, der jetzt gerühmte allmächtige) hatte festgestellt, dass der irakische Diktator Saddam Hussein über Massenvernichtungswaffen verfügt und plane, sie einzusetzen. Diese Bedrohung sollte als „casus belli“ einen präventiven Krieg rechtfertigen. Klarer Fall von Staatsnotwehr. Wenn ich mich recht erinnere, waren Gerd Schröder und Joschka Fischer „nicht überzeugt“, was ihren Platz in der Weltgeschichte sichert. Tony Blair, der britische Premierminister, war überzeugt, sagte er.
Mein Kollege Alastair Campbell, ein gelernter Journalist und dann Spin Doctor von großer Leidenschaft, hatte das Motto ausgegeben, dass das vorhandene Geheimdienstmaterial noch mal „aufge-sext“ werden müsse, bevor man es in die Medien gebe. In diesem Kontext trifft sich der Wissenschaftler Kelly, ein Experte für Massenvernichtungswaffen, im Charing Cross Hotel mit einem BBC-Reporter. Es handelt sich um Andrew Gilligan, den gut beleumundeten Militärexperten des bestens Senders der Welt. In der Absteige hinter’m Bahnhof führt Dr. Kelly ein Gespräch „unter drei“. Das ist ein professionelles Versprechen von Journalisten, die ihre Informanten zur Leichtfertigkeit verleiten soll. Man werde die Quelle nicht zitieren, lautet das Versprechen.
Ich kriege die zeitliche Folge nicht mehr zusammen, ob das nun vor oder nach Kriegsbeginn war. Jedenfalls ging es um die Frage, ob der Geheimdienst vorsätzlich gelogen oder die Wahrheit gesagt hatte und folglich der Irakkrieg ein Verbrechen sei oder nicht. Kelly wusste, dass die Kriegsgründe gelogen waren. Es gab im Irak keine „weapons of mass destruction“. Darüber hat er die BBC unter Drei informiert, als Staatsbürger. Solche Helden nennen wir Whistleblower; sie stellen die Wahrheitspflicht über ihren Arbeitsvertrag und werden von den Medien, denen sie was stecken, geschützt. Deshalb sind sie die Helden der Zivilgesellschaft. In der Theorie.
Zunächst zu den Neuigkeiten. Als Dr. Kelly, der von der BBC als Quelle verratene Experte, der wußte, dass die Regierung lügt, ermordet aufgefunden wurde, was machten dann Tony Blair, der aufrechte Sozialdemokrat, und Alastair Campbell, das Genie des Spin? Sie setzten mit Lord Hutton (Oberhaus) an der Spitze eine Untersuchungskommission ein, die die Umstände des Todes klären sollte. Die Hutton-Kommission gilt in der PR als eine der klügsten Maßnahmen an der Krisenfront, inzwischen ein Schulbuchbeispiel.
Seit gestern (ich bin in London und war im richtigen Club) weiß ich, wieviel Zeit verstrichen ist zwischen dem Auffinden der Leiche und dem Auftrag an Lord Hutten. Drei Stunden. Eine Untersuchungskommission einzusetzen, ginge bei uns vielleicht in drei Monaten. Dre Stunden: Das ist ad hoc. So schnell ist nur, wer mit Täterwissen ausgestattet ist, oder jener, der von einer sehr grundsätzlichen Skepsis getrieben wird. Wenn dies keine Täterhandschrift ist (was ich nicht glaube), so ist es die Signatur der Zynik der Macht.
Es hat im Fall Kelly keine amtliche Leichenschau gegeben. Niemand ist der Frage nachgegangen, wie man mit einem Gartenmesser und einigen Tropfen Blut zu Tode kommen kann. Nach wie vor bestehen Zweifel, ob der Fundort der Leiche der Tatort war. Alles nicht wichtig. Es ging um mehr. Es ging um die Frage, ob Labour das Land in einen illegalen Krieg getrieben hatte. Des halb sagt der Spin Doctor: Wenn wir nicht an die Fakten glauben können, dann müssen halt die Fakten dran glauben.
David Kelly wurde in den Tod getrieben. Er ist das Opfer seiner politischen Naivität. Tony Blair ist gefragt worden, ob er im Fall Kelly Blut an den Händen habe. Man hätte auch den Journalisten Andrew Gilligan und den Regierungssprecher Alastair Campbell fragen können. Ich kann und will die Frage nicht entscheiden. Aber die Trauer über dieses böse Drama um einen Whistleblower, die hehre BBC und die viel gelobte PR-Arbeit von New Labour schlägt bei mir in Wut um, wenn ich den amtierenden Bundesinnenminister über seinen Spritztour in die USA dampfplaudern höre.
Quelle: starke-meinungen.de