Logbuch

EINE POSSE DER KORRUPTION.

Krokodilstränen weint das EU-Parlament. Man simuliert einen äußeren Feind, der gerade angreife. Es geht aber um die eigene Bestechlichkeit. Strukturell verlogen.

Nicht alle vierzehn Vizepräsidenten des Parlaments sind korrupt. Das glaube ich nicht. Es gelingt nur wenigen, an Säcke voller Bargeld zu gelangen. Und manche nähmen wohl auch keinen Cash. Hier liegt keine Sensation, kein Skandal nicht. Man muss zunächst mit dem Irrtum aufräumen, dass jetzt Verborgenes ans Licht gekommen sei. Laienirrtum.

Wenn das Parlament in Straßburg tagt, sagt mir ein Bartender dort, füllen sich die Hotelbars mit Marketenderinnen, die dazu routiniert anreisen und dem angetrunkenen Abgeordneten auflauern. Ein offenes Geheimnis. Ich zeige der Blonden, wie so eine 1000$-Nutte aussieht. Sie staunt nicht. Nur der Preis wundert sie. Und natürlich ist es ein Mythos, dass die Damen ihre Freier abzuhören gedächten; die meisten kenne keine Geheimnisse, jedenfalls keine, die 1000$ wert wären. Die Banalität des Bösen.

In Berlin bin ich mal der Einladung einer großen PR-Agentur vom Ort zu einem Empfang einer Botschaft eines Golfstaates gefolgt. Eine Gartenparty in Dahlem, bei der die Gäste vom Botschafter per Handschlag begrüßt wurden, jetzt Achtung, wenn sie sich vorher die Hände mit einem feuchten Handtuch reinigten. Ostentativ. Das hatte echt symbolische Qualitäten. Wer die anwesenden Figuren kannte, wusste, dass hier die Scheichs verarscht wurden; man simulierte für sie eine politische Klasse, von der die Möchtegern-VIPs im Botschaftsgarten vielleicht träumten, die sie aber nicht waren. Banal, nicht mal böse.

Mir hat dort kein Scheich Geld angeboten. Zu trinken gab es auch nichts gescheites, also bin ich früh gegangen. Ich hätte auch nichts zu verkaufen gehabt, um ehrlich zu bleiben. Jedenfalls nichts, was 1000$ wert gewesen wäre. Es ist offensichtlich, ich habe keine MACHT, die zu erwerben sich für eine geltungssüchtige Nation lohnte. Ich fürchte, selbst meine MEINUNG hat keinen Marktwert. Und wenn ich mich hier und heute positiv über einen einzelnen Stamm aus dem internationalen Ölhandel äußern würde? Wie kann ich auf mangelnde Bestechlichkeit stolz sein, wenn es bei mir eh keiner versucht?

Jetzt ist noch die EU zu loben. Wenn deren Parlament neben der Präsidentin insgesamt 14 Vizepräsidenten braucht, ist die KORRUPTION nicht einfach, jedenfalls nicht billig. Das Parlament kann man als Ganzes womöglich gar nicht kaufen. Stimmenkauf macht zudem gar keinen Sinn, da dieses Parlament nix zu entscheiden hat. Ich glaube, dass es sich mit den Geldsäcken für die Griechin so verhält wie mit der genannten Gartenparty: Hier verarscht jemand die Scheichs. Gegen ein anständiges Honorar, versteht sich.

Korruption ist Straßenkriminalität, sagt mir ein Freund verächtlich, der für BIG PHARMA in Brüssel sitzt und einen Tagessatz von 10.000$ hat. „Big time crime geht anders.“ Da gebe es keinen Ouzo auf‘s Haus.

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DAS PHANTOM DER NATION.

Ich verstehe nichts von Fußball. Die albernen PHANTOM-DEBATTEN gehen mir aber auf den Geist. Nationalmannschaften? Frankreich schlägt England, lese ich.

Mein Gott, ist das so? Eine Völkerschlacht ist entschieden? Eine GRAND NATION hat wieder über einen Haufen von Piraten und Krämern den Sieg errungen? Wenn schon die Weltpolitik im Ernst nach Nationen geht, warum dann auch noch die Spiele?

Es fing gestern doch schon mit den Nationalhymnen an. Die einen bitten darum, dass ihr mediokrer KÖNIG errettet oder geschützt werde. Die anderen rufen die BÜRGER an die Waffen, um die Erde mit dem Blut der Feinde zu tränken. Genau das sagt die Marseillaise. Mittelalter trifft auf Neuzeit.

Der Inglese ist ein Barbar, der nicht kochen kann. Er ernährt sich von Haferschleim und Bohnen in Tomatensauce, schneidet kalten Braten auf und säuft dazu Bier. Der andere ist ein Bürger edlen Zuschnitts; er pflegt die HAUTE CUISINE und hat hunderte von Käsesorten zu hunderten köstlicher Weine. Das Primitive zu Tisch wiederholt sich nächtens im Bett.

Wo der Franzose ein Zauberspiel der Gefühle zu entfalten weiß, da rammeln die Albinos stur vor sich hin. Licht aus in unbeheizten Schlafzimmern. Queen Victoria bat ihren schottischen Jagdaufseher unter die Kissen, wo einst ein edler Deutscher Dienst tat, Prinz Albert aus Coburg. Aber reden wir nicht vom deutschen Blut im englischen Adel. Das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.

Die legitimen Nachfolger der Römer sind die Franzosen, die Napoleon haben wirken lassen. Den Calvinisten auf den Inseln ist nicht mehr eingefallen, als ihre Frömmler nach Amerika zu verdammen, wo sie bis heute eine unselige Tradition begründen. Schon gut, wenn ich heute morgen lese, dass die Franzosen, die wahren Weltmeister, die Engländer geschlagen haben, oder?

Du siehst es doch schon am PETIT DEJEUNER. In Paris nimmt man einen kleinen Kaffee zu einem Hörnchen und raucht eine Zigarette, im Stehen in einem Bistro; vielleicht noch einen Anis. Der englische Sklavenhändler nimmt gebratenen Speck, Spiegeleier, Schweinswürstchen, gebratene Tomate mit Pilzen, die schon erwähnten Bohnen, Toast mit Butter und bitterer Apfelsinenmarmelade, das alles, nachdem er sich den Magen mit „porridge“ und gesüßten Tee verkleistert hat. Man achte auf die Pansen der Lords und die Knöchel englischer Frauen.

Und immer wieder die Frage: „War er drin oder nicht?“ Wohl kaum, wenn er einen halben Meter über die Latte geht, wie gestern. Man rät mir gerade über die Schulter, ich solle jetzt noch was zum Wembley-Tor von 1966 sagen, das als Lattentreffer oder PHANTOM-TOR in die Geschichte eingegangen sei, weil ein sowjetischer (!) Linienrichter einem Schweizer Schiri zu Dienst (pun intended) war. Tja, die Russen, höre ich. Jetzt auch hier? PHANTOM-DEBATTEN. Ich weigere mich. Nicht mit mir.

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NATIONALCHARAKTER.

Wer keine grandiose Geschichte hat, die seiner Ambition entspricht, der schafft sich einen Mythos. Wolfsblut, zum Beispiel. Episode zum sogenannten Gründungsmythos.

Das Sinnbild des stolzen Rom, der ewigen Stadt, ist die Kapitolinische Wölfin, eine Statue aus Bronze, die die Etrusker um 300 vor Christi Geburt gegossen haben. Die Pointe befindet sich unter dem Bauch des starken Tiers. An seinen prall gefüllten Zitzen laben sich zwei Säuglinge, Knaben von großer Bedeutung. Aufgezogen mit Wolfsmilch. Alle Achtung. Wolfsblut.

Romulus und Remus, so heißt man die Brüder, sind die Gründer Roms. Teufelskerle wie Kain und Abel im Alten Testament; Brudermord aus Jähzorn eingeschlossen. An diesem Mythos hat sich der Faschistenführer Mussolini begeistert. Das sollten seine Herrenmenschen sein. Bis heue ist die Stadt mit Nachbildungen der stillenden Wölfin überschwemmt. In meiner Facebook-Blase regt sich aber Widerspruch. Die Bronze stamme aus einer Kupferhütte, die erst tausend Jahre später in Betrieb gegangen sei. Und die Säuglinge stammten aus der Renaissance; man habe sie schlicht hinzugefügt.

Nun, die Skepsis ist berechtigt. Es handelt sich tatsächlich um eine Geschichtsklitterung, die viel über das Wesen von PR verrät. Die Gründungsväter waren eigentlich Bälger aus einer prekären Beziehung und sind auf dem Tiber ausgesetzt worden (siehe Moses), um dann von einer „lupa“ aufgezogen zu werden. Dieser Begriff belegte aber nicht nur das stattliche Tier, sondern auch die fragwürdigen Damen im ältesten Gewerbe. Lupanarium nannte der Römer das Bordell, eine frequente Institution in der Stadt der Badehäuser, die allerdings eher griechischen Knaben vorbehalten waren. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.

Was machst Du als Findelkind und Hurensohn, wenn Dir Größeres vorschwebt? Du erschlägst Deinen Bruder und nimmst Dir einen PR-Berater.

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Wenn das der Führer wüsste!

Ein Whistleblower hat es herausgefunden: Der amerikanische Geheimdienst hat europäische Diplomaten ausspioniert. Obwohl wir doch die treuesten Verbündeten sind. Na ja, so ganz alt ist diese transatlantische Allianz mit uns Deutschen und den Italienern noch nicht. Es könnte sein, dass wir im letzten Weltkrieg auf der anderen Seite waren.

Aber seit dem Tag, an dem John F. Kennedy bekannt hat, er sei ein Schöneberger, ist das ja vergeben und vergessen. Und wir haben dieser Kontraktion aus Martin Luther King und Michael Jackson namens Barack Hussein Obama doch an der Siegessäule zugejubelt. Und neulich ein Essen von Sternekoch Tim Raue spendiert, als er mit seiner Familie in Tegel zwischengelandet ist. Und jetzt lässt ihn sein Geheimdienst alt aussehen. Politik kann so gemein sein.

Vom Russen hätten wir das erwartet. Immer. Die hätten es vielleicht technisch nicht hingekriegt, weil deren Computer noch auf Röhren laufen und die Transistoren erst noch eingeführt werden müssen. Aber moralisch, moralisch hätten wir das dem KGB zugetraut. Auch von der CIA des Richard Nixon hätten wir das gedacht. Aber Obama? Dieser Präsident, ein Erlöser von messianischer Statur, kann davon nichts gewusst haben.

All diese Gedanken, die durch unsere Vorder- und Hinterhirne vagabundieren, zeigen, wie naiv wir immer noch sind. Dem Staat als Staat ist egal, wen der Wählerwillen da ins Amt spült. Von solchen Zufällen kann man doch nicht die Sicherheitsinteressen einer Weltmacht abhängig machen. Wenn das stimmt, bekämen die Killerflüge der Drohnen und das exterritoriale Gefängnis mit Insassen ohne Urteil plötzlich eine gewisse Plausibilität. Die Demokratie endet, wo die Sicherheit beginnt.

Aber die ausspionierten Europäer werden sich doch nicht auf dieses Spiel der gegenseitigen Ausspioniererei eingelassen haben? Das kann man ausschließen, weil hier im alten Europa die Demokratie noch etwas gilt. Hier gibt es noch eine Moral! Ach ja, die Engländer müssen wir ausnehmen; von denen wissen wir es ja schon. Und den Franzosen, denen kann man gar nicht trauen, wenn es um die Grande Nation geht.

Wahrscheinlich geht das so aus, dass es alle getan haben, nur die Deutschen nicht. Weil unser Geheimdienst zu doof ist. Man müsste mal Pofalla fragen, der koordiniert die Geheimdienste vom Bundeskanzleramt aus. Obwohl Pofalla, ein Sozialarbeiter vom Niederrhein mit schlechtem Jura-Examen, der soll den abgebrühten James Bonds, deren Ahnväter schon dem österreichischen Gefreiten beim Siegen halfen, die Ohren lang ziehen? Warum mag ich das nicht glauben?

Jetzt wird es etwas gruselig. Ein Sicherheitsmann aus dem Kommando eines Bundeskanzlers hat mir gerade beim Italiener erzählt, dass amerikanische Präsidenten immer mit einem eigenen Dixi-Klo reisen. Ja, die Rede ist von so einem Ding, das Sie von der Baustelle nebenan kennen, wo der Polier das Bier abschlägt. Ich vermute, dass die Version des Weißen Hauses etwas luxuriöser ist, so eine Art Louis-Vuitton-Version von Dixi-Klo, aber es ist wahr: Der mächtigste Mann der Welt geht nur auf’s mobile WC. Wie der polnische Fliesenleger. Und dann fliegt die Airforce One das Häuserl wieder mit nach Hause.

Warum? Weil die Geheimdienste der Gegenseite aus dem chemischen Zustand seiner Exkremente Rückschlüsse auf seine Gesundheit ziehen könnten. Bei Kennedy hätte man gesehen, dass er ein Junkie war und seine sexuellen Eskapaden nicht ohne Folgen. Folge: Auch das kleine und das große Geschäft des Präsidenten sind streng geheim. Ich war mächtig beeindruckt.

Mein Geheimdienstkontakt, den ich beim Italiener ausgehorcht habe, bezweifelt aber, dass die deutsche Bundeskanzlerin mit einem Dixi-Klo reist. Pofalla sowieso nicht, sagt er. Jetzt wird es noch spannender. Das heißt doch, dass die Amis und die Russen und die Wer-weiß-ich-nicht-noch eine genaue Analyse der Merkelschen…Darüber gibt es Dossiers bei feindlichen Mächten? Über Pofallas Pipi?  Nein, das will ich gar nicht zu Ende denken. Wie tief kann denn Spionage sinken? Mein James Bond sagt, noch tiefer, viel tiefer. Ich soll mich abregen.

Unter diesem Verlust der Naivität leide ich wie ein Tier. Ich will das alles nicht wissen. Im Bewusstsein allseitiger Niedertracht schlafe ich schlecht. Mein Appell an die Whistleblower: Hört auf mit dem Quatsch. Ich will das nicht wissen. Und mein Herzenswunsch an Obama und Merkel, ja, von mir aus auch an Pofalla: Bitte belügt mich weiter wie früher! Den SPIEGEL bestell ich eh ab.

Quelle: starke-meinungen.de