Logbuch
TARZAN & JANE.
Jäger & Sammler waren unsere Vorfahren. Die Jungs erlegten Bären, die Mädchen pflückten Beeren. Tarzan und seine Jane. Unsinn. GENDER-NEWS.
In den Gräbern der Jäger finden sich Jagdwerkzeuge und an ihren Skelette die Spuren von Jagdunfällen. Soweit alles klar. Raue Zeiten. Jetzt kann man in den Zähnen ein Eiweiß isolieren, dass Auskunft über das biologische Geschlecht liefert. Böse Überraschung.
Knapp die Hälfte der Jägergräber haben Damen zu Gast. Jäger:innen. Es gab damals keine Geschlechterrollen bei der Berufswahl. Von der Forschung wurde die eigene soziale Tradition in die Historie hineingelesen. Man sah, was man sehen wollte: Männer mit der Axt und Frauen mit einem Körbchen. So verlängerte sich der Spießer und seine Kleinfamilie bis in die Steinzeit.
Es wird anders gewesen sein. Die Taffen gingen zur Jagd, die Weicheier zum Pilze sammeln. Ich sehe die Tucken mit ihren Körbchen geradezu vor mir. Beerensammlerchen. Und die kühnen Amazonen hatten sich eine Brust amputieren lassen, um den Bogen besser spannen zu können. Kämpfer:innen. Ha!
Oder ist das auch nur ein Bündel an Vorurteilen, das wir in die Vorzeit projizieren? Am Ende gab es die Unterscheidung der Geschlechter noch gar nicht, weil auch der Zusammenhang zwischen Sex und Schwangerschaft noch nicht erkannt war? Poch, was für ein Durcheinander.
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PAT & PATACHON.
RUSSLAND ist eine zentraleuropöische Nation. Zugegeben mit tiefem Hinterhof, aber doch eine Art naher Osten, kulturell gesehen. Man empfindet das ohne geopolitische Ressentiments, wenn man durch St. Petersburg schlendert. Paris klingt an. Amsterdam.
Dieses St. Petersburg ist zwar nur die zweitgrößte Stadt Russlands, aber sicherlich noch immer die schönste. Schon der Zar hatte sie als Ostseehafen geplant, aber als Tor zu Europa gemeint. Man darf sie ruhig weiterhin als Ausdruck der europäischen Identität Russlands sehen. Daran hat auch die vorübergehende Benennung als Leningrad nichts geändert.
Ohnehin hatte der Marxismus-Leninismus nichts Asiatisches; Mao Tse-tung möge mir verzeihen. Wo kam Lenin, dessen Mutter ja Deutsch war, eigentlich landsmannschaftlich her? Bei Karl Marx ist dies ja klar. Er kam aus Trier und war damit Pfälzer. Friedrich Engels kam aus dem Bergischen Land, genauer gesagt war er Oberberger, und zwar aus Engelskirchen; nahe dem Siegerland. Ein Pfälzer und ein Oberberger. Strange brew.
Wollte man zeitgenössische Repräsentanten für das Pfälzische und das Bergische nennen, so fielen einem Kurt Beck und Friedrich Merz ein. Eine Mischung aus Kurt Beck und Friedrich Merz? Damit ist klar, dass der Marxismus scheitern musste. Das konnte auch der Genosse Stalin nicht mehr retten.
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VOGELFREI.
Die ehemaligen Bündnisstaaten der großen Sowjetunion seien, sagt jetzt der russische Außenminister, nach dem Zusammenbruch des Warschauer Paktes „verwaistes Gebiet“, das sich nun nicht der NATO zuwenden dürfe.
Es geht auch um das Baltikum. Auf dem Weg aus dem Livländischen nach St. Petersburg, vom unserem russischen Piloten schlicht PIETER genannt, niederländisch für den Heiligen Petrus, dem historischen Namensgeber für LENINGRAD. Zar & Zimmermann. Dünnbesiedeltes Gebiet, lichte Wälder, Heidelandschaft. Am Himmel pittoreske Schwärme schwarzer Vögel, in seltsamen Gebilden. Gespenstisch. Wirrer Flug: Wehe, wer jetzt keine Heimat hat.
Mit dem Turbo-Prop Überflug einer Hausmüllkippe in Finnland (sogenannter „landfill“); übersät mit Zugvögeln aller Art. Nicht nur Möwen, Enten, Krähen, Raben, größeres Getier. Ich kenn mich nicht aus in der Ornithologie. Der Pilot erläutert: Die Herrschaften finden hier hinreichend Nahrung. So dass der weite Weg nach Afrika nicht mehr lohne.
Die Diät kann ja so schlecht nicht sein; was vom Frühstück übrigblieb. Smörrebröd. IKEA-Küche. Lihapiirakka. Sehr lecker. Jedenfalls nicht „Tote Oma“ oder „Soljanka“. Wo wir gerade bei der DDR sind: Sind das nicht eigentlich auch „verwaiste Territorien“. Kann man da noch was nachverhandeln?
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Wenn das der Führer wüsste!
Ein Whistleblower hat es herausgefunden: Der amerikanische Geheimdienst hat europäische Diplomaten ausspioniert. Obwohl wir doch die treuesten Verbündeten sind. Na ja, so ganz alt ist diese transatlantische Allianz mit uns Deutschen und den Italienern noch nicht. Es könnte sein, dass wir im letzten Weltkrieg auf der anderen Seite waren.
Aber seit dem Tag, an dem John F. Kennedy bekannt hat, er sei ein Schöneberger, ist das ja vergeben und vergessen. Und wir haben dieser Kontraktion aus Martin Luther King und Michael Jackson namens Barack Hussein Obama doch an der Siegessäule zugejubelt. Und neulich ein Essen von Sternekoch Tim Raue spendiert, als er mit seiner Familie in Tegel zwischengelandet ist. Und jetzt lässt ihn sein Geheimdienst alt aussehen. Politik kann so gemein sein.
Vom Russen hätten wir das erwartet. Immer. Die hätten es vielleicht technisch nicht hingekriegt, weil deren Computer noch auf Röhren laufen und die Transistoren erst noch eingeführt werden müssen. Aber moralisch, moralisch hätten wir das dem KGB zugetraut. Auch von der CIA des Richard Nixon hätten wir das gedacht. Aber Obama? Dieser Präsident, ein Erlöser von messianischer Statur, kann davon nichts gewusst haben.
All diese Gedanken, die durch unsere Vorder- und Hinterhirne vagabundieren, zeigen, wie naiv wir immer noch sind. Dem Staat als Staat ist egal, wen der Wählerwillen da ins Amt spült. Von solchen Zufällen kann man doch nicht die Sicherheitsinteressen einer Weltmacht abhängig machen. Wenn das stimmt, bekämen die Killerflüge der Drohnen und das exterritoriale Gefängnis mit Insassen ohne Urteil plötzlich eine gewisse Plausibilität. Die Demokratie endet, wo die Sicherheit beginnt.
Aber die ausspionierten Europäer werden sich doch nicht auf dieses Spiel der gegenseitigen Ausspioniererei eingelassen haben? Das kann man ausschließen, weil hier im alten Europa die Demokratie noch etwas gilt. Hier gibt es noch eine Moral! Ach ja, die Engländer müssen wir ausnehmen; von denen wissen wir es ja schon. Und den Franzosen, denen kann man gar nicht trauen, wenn es um die Grande Nation geht.
Wahrscheinlich geht das so aus, dass es alle getan haben, nur die Deutschen nicht. Weil unser Geheimdienst zu doof ist. Man müsste mal Pofalla fragen, der koordiniert die Geheimdienste vom Bundeskanzleramt aus. Obwohl Pofalla, ein Sozialarbeiter vom Niederrhein mit schlechtem Jura-Examen, der soll den abgebrühten James Bonds, deren Ahnväter schon dem österreichischen Gefreiten beim Siegen halfen, die Ohren lang ziehen? Warum mag ich das nicht glauben?
Jetzt wird es etwas gruselig. Ein Sicherheitsmann aus dem Kommando eines Bundeskanzlers hat mir gerade beim Italiener erzählt, dass amerikanische Präsidenten immer mit einem eigenen Dixi-Klo reisen. Ja, die Rede ist von so einem Ding, das Sie von der Baustelle nebenan kennen, wo der Polier das Bier abschlägt. Ich vermute, dass die Version des Weißen Hauses etwas luxuriöser ist, so eine Art Louis-Vuitton-Version von Dixi-Klo, aber es ist wahr: Der mächtigste Mann der Welt geht nur auf’s mobile WC. Wie der polnische Fliesenleger. Und dann fliegt die Airforce One das Häuserl wieder mit nach Hause.
Warum? Weil die Geheimdienste der Gegenseite aus dem chemischen Zustand seiner Exkremente Rückschlüsse auf seine Gesundheit ziehen könnten. Bei Kennedy hätte man gesehen, dass er ein Junkie war und seine sexuellen Eskapaden nicht ohne Folgen. Folge: Auch das kleine und das große Geschäft des Präsidenten sind streng geheim. Ich war mächtig beeindruckt.
Mein Geheimdienstkontakt, den ich beim Italiener ausgehorcht habe, bezweifelt aber, dass die deutsche Bundeskanzlerin mit einem Dixi-Klo reist. Pofalla sowieso nicht, sagt er. Jetzt wird es noch spannender. Das heißt doch, dass die Amis und die Russen und die Wer-weiß-ich-nicht-noch eine genaue Analyse der Merkelschen…Darüber gibt es Dossiers bei feindlichen Mächten? Über Pofallas Pipi? Nein, das will ich gar nicht zu Ende denken. Wie tief kann denn Spionage sinken? Mein James Bond sagt, noch tiefer, viel tiefer. Ich soll mich abregen.
Unter diesem Verlust der Naivität leide ich wie ein Tier. Ich will das alles nicht wissen. Im Bewusstsein allseitiger Niedertracht schlafe ich schlecht. Mein Appell an die Whistleblower: Hört auf mit dem Quatsch. Ich will das nicht wissen. Und mein Herzenswunsch an Obama und Merkel, ja, von mir aus auch an Pofalla: Bitte belügt mich weiter wie früher! Den SPIEGEL bestell ich eh ab.
Quelle: starke-meinungen.de