Logbuch

ICH WAR MUTTI.

Die ewige Kanzlerin lässt die Mitarbeiterinnen in ihrem Büro Material sammeln für die Autobiografie. Das Gerücht erreicht mich aus sicherer Quelle. Finanziert von unseren Steuern und dann autorisiert von MUTTI selbst.

Wenn sie das so geschickt macht, wie der vorübergehende BILD-Chefredakteur Kai Diekmann („Ich bin Kai“), dann wird es ein Verkaufsschlager und könnte die verbratenen Steuern wieder einspielen. Aber ich bin da nicht kleinlich. Da war ein harter Job. Von mir aus soll die Knete in die Sammlung grusinischen Weinbrands fließen, die ihr Göttergatte unterhält.

Wenn die Fakten gesammelt sind, steht die fiktionale Frage an: Welches literarische Konzept? Ich habe eine Idee: KATHARINA DIE GROSSE. Erstens kam die Katharina II auch aus Meck-Pomm, zweitens war ihr Gatte Peter III eine Knallcharge, drittens betrieb sie einen protestantischen Absolutismus: passt schon mal alles.

Unterschiede sind der aktuellen amerikanischen Intervention geschuldet: Katharina II zog von Stettin nach Russland; das war ihr und Gerd Schröder dann doch nicht vergönnt. Obwohl beide im Amt hinreichend Vorkehrungen dafür getroffen hatten. Halt, das war jetzt gemein. Ich nehme das zurück. Jedenfalls, was Schröder angeht; dessen Historie noch nicht geschrieben ist.

Anmerkungen hätte ich aber aktuell schon zu Schröders Adlatus Steinmeier, der gerade das PFLICHTJAHR der Nazis wieder einführen will; aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.

Logbuch

GOTT-LOS.

Zu den Grundregeln der Publizistik gehören zwei Trennungsgebote. Man soll WERBUNG von REDAKTION unterscheiden können, also das zur Verführung Reingekaufte vom inhaltlich Verantwortetem. Und dann die NACHRICHT von der MEINUNG. Gegen beide Gebote wird mit Routine verstoßen. Auch und gerade im ÖRR, dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Das ZDF berichtet gestern, dass eine halbe Million Gläubige aus der Katholischen Kirche ausgetreten seien, besonders dort, wo der Umgang mit sexuellem Kindesmissbrauch durch zölibatäre Priester lax sei. So weit, so gut: eine NACHRICHT. Dann ein Gespräch zwischen Moderator und Redakteur dazu, was man tun könne, um diesen Trend aufzuhalten. Vorschläge werden gemacht. Es wird implizit der Sache der Kirche das Wort geredet. Parteinahme, wo Unparteilichkeit das Prinzip sein sollte.

Die IDEOLOGIE wird sogar explizit benannt: die Kirchen seien der „Leim der Gesellschaft“. Da würden Marxisten zustimmen. Die christlichen Kirchen sind „ideologische Staatsapparate“ (Althusser); ihre Diskurse üben „Macht“ aus (Foucault). Der alten „Hegemonie“ (Gramsci) geht die Puste aus. Das finden die Medien nicht gut, zumal sie ein Teil dessen sind. Der ÖRR ist sicher ein ideologischer Staatsapparat. Das gleiche Entsetzen beim Rückfall eines Fünftels der Wähler in faschistische Grundüberzeugungen, im Osten der Hälfte, dort wo die christlichen Parteien einfach nicht verfangen.

Dem HUMANISMUS geht wohl die Luft aus. Wenn das christliche Menschenbild seine Bindekraft verliert und der aufgeklärte Liberalismus seine Vorbildfunktion, zwei unterschiedliche Phänomene in unterschiedlichen Lagern der Gesellschaft, so wird man die neuen HEGEMONIEN benennen müssen. Wir erleben jedenfalls eine Wiedergeburt des menschengemachten KOLLEKTIVISMUS, in braunen wie grünen Varianten. Das schreckt mich mehr als der Klimawandel.

Das aber ist eine Meinung und keine Nachricht. So wie es eine Meinung sein könnte, dass die Kirchenaustritte in Wirklichkeit zu begrüßen sind. Was aber kommt? Aufklärung und Gegenaufklärung liegen eng beieinander.

Logbuch

BERG-FÜHRER.

Der italienische Rechtspopulist Matteo Salvini hat ein Angebot gemacht, das er sich noch mal überlegen sollte: „Nur über meine Leiche!“ Es geht um die Abschaffung der Gipfelkreuze, eine alpine Tradition zur Auszeichnung der Bergspitzen. Eine Unterwerfungsgeste.

Salvini ist Kopf der lombardischen Rechten, die sich prorussisch gerierten, ein seltsamer Brauner, ein Luis Trenker unserer Tage. Der von ihm gescholtene Zeitgeist hat nun auch die Bergsteiger ereilt, jenen Teil der Bergwanderer („Im Frühtau zu Berge…“), der es ganz genau wissen will, die Asketen der Besteigung (pun intended). Man will das Kreuz Christi nicht mehr wie selbstverständlich als das Machtsymbol der alpinen Entjungferung missbraucht wissen. Kreuze weg! Reinhold Messner faselt gar etwas vom Ersatz durch buddhistischen Gebetsfahnen. Wie immer machen die Südtiroler Theater.

Es ist klar, wo die Geste historisch herkommt. Spanische, portugiesische, englische Eroberer rammten die Fahne ihres Königs in fremde Gestade und Land wie Leute waren für die Krone gewonnen. Herrschaftsgesten. So auch das Bergkreuz, mal als Madonna, dann als Holz des Cruzifix, dann mit orthodoxer Gestaltung des doppelten Querbalken. Alles nicht „woke“, meint: nicht mehr vom Zeitgeist geküsst.

Die Frage, was die Gipfeltreffen überhaupt sollen, wird nicht gestellt. Mir ist dieser Habitus der Vergewaltigung einer übermächtigen Natur durch den Willen zur Macht wesensfremd. Ich habe die Urlaube meiner Kindheit in Oberbayern verbringen dürfen, in Aschau am Chiemsee, im Schatten der Kampenwand, die man im Frühtau ersteigen konnte. Galt als Heldentat. Allerdings gab es auch eine Seilbahn. Der galt meine Faszination.

Ich hätte eine Idee, wie man die Gipfelkunst „woke“ gestaltet. Bei unseren Urahnen waren die Steinberge und Holzskulpturen in alpiner Höhe nämlich heidnische Vorkehrungen gegen böse Wetter. Das Klima und seine Götter sollten besänftigt werden. Das passt doch wieder in die Zeit. Der Braune könnte sich grün neu erfinden; nichts ist unmöglich. Der BERG-FÜHRER Luis Trenker könnte wieder angesagt sein.

Logbuch

ROLLENTHEORIE.

Ich sehe im Fernsehen den Politiker KARL LAUTERBACH und bin fasziniert. Er spielt notorisch die Rolle des Medizin-Experte. Dafür wird der Lebenslauf schon etwas überstrapaziert. Er soll in den USA zum Professor für Epidemiologie ausgebildet worden sein. Das stimmt eher nicht; er ist in medizin- ökonomischen Fragen habilitiert und die Habilitationsschrift selbst nicht zugänglich; kann in den USA so eingerichtet werden. Das mit der Epidemiologie, das war seine Frau, von der er mittlerweile geschieden ist. Na ja, ob er oder seine Frau, was soll´s.

Wir alle spielen nur Rollen, im Theater des Lebens. Diese Vorstellung hat vor fünfzig Jahren sogar die SOZIOLOGIE beflügelt. Ein gewisser Ralf Dahrendorf machte sich daraus Hoffnungen, vom marxistischen Klassendenken wegzukommen. Er war ein liberaler Kopf und ein Denker des Liberalismus. Das war damals noch kein Schimpfwort, im Gegenteil. Ich erinnere seinen Pfeifentabak; man rauchte noch im St. Anthonyˋs College. Die ROLLENTEORIE hatte etwas von der Mobilität neuer Zeiten, eine gewisse Leichtigkeit, die befreiend wirkte.

Das erlauben uns heute die Sozialen Medien, leichterdings NEUE ROLLEN zu finden und kommunikativ, sprich inszenatorisch auszufüllen. Wenn da nicht die ewigen SPIELVERDERBER im Journalismus wären, die mit unerträglichem Ernst Doktorarbeiten und Lebensläufe prüften und rumpolemisierten. Als wenn es im Theater wichtig wäre, dass der Schauspieler Müller oder Schulze gar nicht „in echt“ der dänische Prinz Hamlet ist. Sondern aus Bielefeld in Westfalen kommt, nicht aus Dänemark. Spielverderber.