Logbuch

WAHL OHNE WÜRZE.

Journalisten vermissen WÜRZE bei der Wahl. Was sie eigentlich meinen ist: billige Skandale, gratis Medienrummel. Klug, wenn Politiker das verweigern; sie wollen nicht BILLIGES OPFER werden. Es darf gegähnt werden.

Man kann an dem LUNGERNDEN, an der spekulativen Haltung sehen, worauf manche Journalisten lauern: einen HYPE, der ihnen das Geschäft erleichtert. Das ist das AASGEIER-GEN der Zunft. Kluge Politik verweigert das. Sie gibt VALIUM. Weil es den Wählern nicht eigentlich um das SCHRILLE geht. Hier liegt das GENIE der SOLIDEN; sie sind solide.

Kein SCHICKI MICKI. Beispiel Kommunalwahl in BRAUNSCHWEIG, eine verschlafene, aber noch vollständige Stadt, die in ihrer Durchmischung sehr typisch ist. Mit SCHRILLEM hat hier niemand eine Chance. Aber Teile der Presse lauern darauf. Andere Teile machen eine grandiosen Job in der DURCHARBEITUNG des kargen Angebotes. Viele dünne Bretter sind zu bohren. Ja, es mangelt an DICKEN BRETTERN.

So scheiden sich die Rollen in den Redaktionen. Die SKANDALHUNGRIGEN murren und die mit der KÄRRNERARBEIT sind fleißig. Der Leser akzeptiert aber die leichte Langeweile und wählt so, wie eben brave Bürger in diesen Zeiten wählen. Wie auch die Wähler im Bund die leichte Langeweile wollen. Das ist es ja, was den Kandidaten Olaf Scholz trägt. SOLIDITÄT bis an die Grenze zum Einschlafen; nein, bis in den Tiefschlaf. VALIUM ist nach Corona die Droge der Wahl.

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KOMPLIMENT VERGIFTETES.

Der deutsche Philosoph HEGEL soll in Jena (Thüringen) NAPOLEON „den Weltgeist zu Pferde“ genannt haben. Leider falsch.

Der kriegsführende Franzmann war zwar in Jena (Thüringen) und ritt just aus, als der Herr Professor von der Post kam (ein überfälliges Manuskript musste nach Bamberg zum Verleger) und unerwartet vor dem berühmten Besetzer stand. Diesem Hallodri. Beladen mit Hoffnungen aus aller Welt. So weit, so gut.

Tja, Jena (Thüringen). Man sieht ja heutzutage nix mehr von der alten Uni-Stadt, weil die Autobahn durch zwei völlig unmotivierte Tunnel geführt wird. Man darf da nicht abfahren. Ich erinnere aber in der Stadt einen Turm der Linsenschleifer zu Jena. Zeitz oder so. Die zu DDR-Zeiten Tauschgeschäfte machen mussten: Observatorien (in Wolfsburg) gegen Trabi-Motoren (Polo-Aggregate für Eisenach, Thüringen). Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.

Also HEGEL. Er hat NAPOLEON „eine Weltseele zu Pferde“ genannt. Eine SEELE, nicht einen Geist oder gar den Weltgeist. Das ist auch ein Kompliment, aber weit geringerer Dimension. So als würde man, den großen deutschen Philosophen ein „Nachdenkerchen“ nennen. Den WELTGEIST dachte man sich nicht als marodierenden Korse, der sich an den Weinkellern und Ehebetten wie Mädchenstuben Jenas zwecks Fraternisieren verging. Bei dem Weindiebstahl sollen die Franzosen übrigens auf Widerstand gestoßen sein.

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HEISSHUNGER.

Nie dem Heißhunger folgen. Nie.

Die Thüringer Bratwurst von dem Grill an der Freien Tankstelle an der Autobahnabfahrt Wanderlitz (oder so) bei den drei Burgen („Die drei Gleichen“) ist schwer verdaulich.

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Merkel mausert sich zum Mythos

Die richtigen Feinde helfen Dir in der Politik. Deine Freunde sind eher ein Problem. Die heiße Phase in Merkels Wahlkampf eröffnen Schreiberlinge mit einem Enthüllungsbuch über ihre Zeit in der DDR. Mutti war eine Zonen-Matruschka. Ja, und? Per aspera ad astra.

Ich erinnere mich noch gut an mein erstes Treffen mit der jungen Merkel. Es war ein Vertrag mit dem kurzzeitigen Ministerpräsidenten der DDR, einem preußischen Bratsche-Spieler mit schlechtem Gebiss, zu unterzeichnen und auf dessen Seite erschien als Pressetante eine Angela in Sandalen und Stricksocken.

Sie hatte die umgängliche Art jener Frauen, die in den Augen der Männer garantiert nicht auf Sex aus sind. Heutzutage findet man das noch bei der rheinland-pfälzischen CDU-Vorsitzenden Klöckner, einer jungfräulichen Weinkönigin mit Ambitionen. Wir reden hier von dem Blick der Männer, nicht von den Frauen selbst.

Angela Merkel ließ sich schon damals, vor einem Vierteljahrhundert, unterschätzen. Erst wer wusste, dass sie ihre Doktorväter zu heiraten pflegte, ahnte, dass unter der vermeintlichen Unverfänglichkeit die protestantische Demagogie lauerte. Menschenfischen nennen sie das, nach Petrus. Johannes Rau war so einer. Der amtierende Bundespräsident ist so einer.

Das Graue dieser Erscheinungen ist die höchste Form der Eitelkeit, die wir kennen. Ihr liegen nicht oberflächliche Gefühle, gar Gefallsucht zu Grunde. Sie ist rational bestimmt, in einem Kalkül. Die Menschenfischer wollen volle Netze. Das hat sie als Tochter des roten Pfarrers gelernt, der gegen den Strom von Hamburg in die DDR emigrierte.

Warum lieben wir die Auf- und Umsteiger? Weil wir wissen, dass dem Herrn (im Himmel) die verlorene Tochter lieber ist als die brave. Weil wir Ghetto-Boxer schätzen. Gerhard Schröder hat seine Herkunft als „Ladenschwengel“ beschrieben und uns erzählt, dass sie so arm waren, dass sie den Kit aus den Fenstern gegessen haben. Das hat uns imponiert.

Wir akzeptieren Helden nur, wenn sie unserem kulturellen Schema der Auserwählten entsprechen. Das ist zutiefst bürgerlich und, was das gleiche ist, zutiefst calvinistisch. Unter den Gottgefälligen, die in Sack und Asche gehen, suchen wir nach den Auserwählten. Der Unterschied zu den katholischen Kulturen besteht darin, dass wir glauben, dass es schon vorherbestimmt ist, wer in das Paradies eingehen wird. Wir suchen nach Anzeichen für diese Vorherbestimmung.

Man muss dieses Paradoxon des Calvinismus verstehen, wenn man Merkel verstehen will. In der Welt nichts gelten wollen, bescheiden  sein, ist in Wirklichkeit die Eitelkeit, in der Welt als auserwählt erkannt zu werden. Die katholische Prahlsucht, der orientalische Pomp, all das sind andere Welten. Merkels Verdienst ist es, dem Konzept zugleich eine feministische Note gegeben zu haben.

In männlichen Kulturen gilt der hochgereckte Mittelfinger als Symbol der Selbstbehauptung. Man darf sich von der Uminterpretation durch die Rolling Stones („sticky finger“) nicht täuschen lassen. Dieses Phallussymbol zeigte einst die Wehrhaftigkeit des Bogenschützen. Die Engländer pflegten französischen Kriegsgefangenen den Zugfinger abzuschneiden. Wer ihn noch hatte, zeigte, dass mit ihm noch zu rechnen ist.

Was zeigt uns der Mythos Merkel? Eine Raute aus sich vereinenden Händen in Bauchhöhe. Wenn es männliche Phallussymbole gibt, so ist dies ein Mütterlichkeitssymbol, eine fiktionale Vagina. Welch ein Symbol! Wie bei allen Kollektivsymbolen versteckt sich diese archetypische Bedeutung hinter einer pragmatischen, aber genau das ist das Geniale.

Die Mutti, die aus der Kälte kam, um zunächst ihre Heimat, dann ihre Nation, schließlich Europa zu führen. Wohin? Was ist das Ziel? Welche Politik genau? Alles Männerfragen. Vorgründige kognitive Figuren, Kopfgeburten. Die Strategie ist sie selbst.

Quelle: starke-meinungen.de