Logbuch
TESLA.
Die Ökobilanz eines Batterieautos ist schlechter als die eines Diesel, wenn sie wirklich ganzheitlich und über die volle Lebenszeit des Gefährts durchgeführt wird. Tesla ist ein affiger Kult, mehr nicht.
Wer auf Twitter ein böses Wort zu Tesla sagte, durfte sich schon immer mit einer ganzen Horde von Fans des kalifornischen Wunderautos rumschlagen. Nicht alles natürliche Personen; auch Sockenpuppen und Roboter gehörten zur Gemeinde. Wie der kalifornische Wundermann Elon Musk, dem Tesla gehört, im Internet seine Geschäftsinteressen pflegte, das war schon eindrucksvoll. Kritiker ernteten koordinierten Hass.
In meiner Nachbarschaft gibt es einen Berufspolitiker der dritten Reihe in der SPD, der sich als stolzer Besitzer eines US-Wunderwagens im Netz zeigt. Er hat sein Batterieauto so angemeldet, dass es im Nummernschild seine Initialen zeigt. Die Blonde findet das affig. Der Sozi will mit dem Besitz der US-Schüssel etwas beweisen; er prahlt mit dem Auto. Was dem Grünen in Berlin das holländische Lastenrad ist dem Roten sein Tesla. Der Manta von Herrn Musk. Die Marke steht für Gesinnung.
Dafür habe ich Verständnis. Nie würde ich zum Beispiel in einen OPEL steigen. Der Manta-Wahn gehört nicht in meine Welt, seit ich mich für VOLKSWAGEN mit GENERAL MOTORS gestritten habe, denen damals Opel gehörte. Heutzutage ruiniert PEUGEOT sein Image mit den elenden Schüsseln aus Rüsselsheim. Da blutet mir das Herz; ich hab mal, stolz wie Oskar, einen Peugeot 504 Ti Automatik gefahren. Mein erster Neuwagen. Mein späterer Chef Ferdinand Piëch hat mich mal danach gefragt, irritiert geguckt, aber den Franzosen knapp durchgewinkt. Ich hatte ihm gesagt, das sei Vorsprung durch Technik gewesen.
Reden wir also über den ehrgeizigen Muttersohn Elon Musk, seine kalifornischen Traumfirmen und die Art, wie er gerade 3500 Leute bei Twitter mit einem lakonischen YOU‘RE FIRED fristlos an die Luft gesetzt hat. Der Headcount an natürlichen Personen wird wohl eine geringere Zahl finden, da die Hälfte aller Stimmen bei ihm schon immer Sockenpuppen und Bots waren.
Ich glaube übrigens nicht an die Batterie.
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VERWERFLICH SELBSTGERECHT.
Über ein Todesopfer richte man nur mit großer Demut; selbst der Verursacher eines Unfalls kann auf Nachsicht hoffen. Verwerflich ist etwas anderes.
Zum Fall: Eine Radfahrerin wird von einem Betonlaster überfahren; sie kommt bei dem Verkehrsunfall zu Tode, der LKW-Fahrer wird von Passanten mit einem Messer attackiert. Ein besonderes Fahrzeug der Unfallrettung erreicht den Unfallort nicht, weil sich Klimaaktivisten auf dem Pflaster festgeklebt haben, damit der Verkehr zusammenbricht. Man hält Radikales für angezeigt.
Mich stört schon die Protestform, weil sie mich nötig, damit ich ihre Meinung anerkenne. Meinungsänderung durch Nötigung, das ist eigentlich nicht mein Ding.
Ich finde richtig, dass im Verkehr der Größere auf den Kleineren Rücksicht zu nehmen hat; dazu kann man LKW hinreichend ausrüsten. Allerdings ist ein gewisser Anarchismus unter Berlins Radlern nicht zu leugnen. Regeln gelten für die verhassten Autos.
Aus den Unterstützerkreisen der Klimakleber höre ich nun, dass eine Notärztin sich dahingehend eingelassen habe, die Radfahrerin sei so oder so tödlich verletzt gewesen; auch wenn die Rettungsfahrzeuge nicht behindert worden wären, war sie hinüber. Schon der Ton...
Nötigung ist verwerflich, immer. Aber dieser Grad an Selbstgerechtigkeit verschlägt mir den Atem.
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DIE IKEA-ILLUSION.
Wer sich in der Politik Sonderrechte erkämpfen will, muss als Held gelten, der vor Bösem schützt. Über die Erfindung des FEINDES als Selbsterschaffung von Freundschaften.
Ich erfuhr gestern Unterrichtung über die FRIESISCHE FREIHEIT durch einen Eingeborenen in einem Städtchen des hohen Nordens. Die als Ostfriesen sprichwörtlichen Küstenbewohner haben schon vor über tausend Jahren erreicht, dass sie als „reichsunmittelbar“ oder „reichsfrei“ galten. Sie mussten nicht in den Krieg. Ich staune.
Die selbstbewussten Landwirte im Friesischen akzeptierten keine Herren über sich, außer den Kaiser selbst, aber diesen eigentlich auch nicht, da sie von der Teilnahme an dessen Feldzügen freigestellt waren. Strittig ist nur, ob die das Privileg Karl dem Großen oder Karl dem Dicken abgerungen haben. Es gab im Friesischen Frieden keine regionalen Feudalherren, die ansonsten dem Volk auf der Tasche lagen. Und der Kaiser kriegte keine Soldaten. Ein Vorbild der Freiheit?
Begründet wurde das mit der Deichpflicht (Nordsee ist Mordsee). Na gut. Vor allem aber mit der Abwehr der Wikinger. Lange war Skandinavien der Ursprung eines räuberischen Volkes, das küstennahe Piraterie betrieb. Die Vorfahren der Schweden besetzten fremde Küsten, raubten und brandschatzten, vor allem schwängerten sie auf Teufel komm raus, um sich dann wieder zu verpissen. Daher die blonden Italiener.
Vor den Wikingern sollte der freie Friese sich und den Kontinent schützen, da konnte er schlecht mit dem Kaiser nach Jerusalem ziehen oder feudale Pachtherren füttern. So das Stammesnarrativ der Friesen. Clever. Vor allem sieht man aber, dass unsere germanische Vorliebe für das Land von Pipi Langstrumpf, das Bullerbü-Syndrom, historisch noch sehr frisch sein muss.
Nach der IKEA-ILLUSION wohnen im Norden ja die besseren Menschen. Während des Dreißigjährigen Krieges waren sie aber so beliebt wie heute die Russen. Dass auch die friesische Freiheit nicht ewig hielt und zu einer Häuptlingsherrschaft verkam, das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.
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Journalisten machen kein PR – das ist leider wahr
Der SPIEGEL zerlegt gerade seine Reputation; es tut in der Seele weh, wie jämmerlich sich das „Sturmgeschütz der Demokratie“ selbst darstellt. Es gehört ja zur Ehre der Investigativen Journalisten, dass sie kein PR machen. Ganz offensichtlich können sie es auch nicht. Das ist wie Moral im Alter: der Verzicht auf sexuelle Abenteuer fällt leichter, wenn auch die versagenden Lendenkräfte ihn nahe legen.
Man muss das dem Rest der Menschheit, der nicht zur hochwohl gelobten (ab-)schreibenden Zunft gehört, erklären: Was in der Liebe wahre Gefühle sind und was bezahlter Sex, dieser Unterschied bestimmt auch die Differenz von Journalismus und PR. Das sagen jedenfalls die Anhänger der wahren Liebe, die Redakteure, Inhaber der Vierten Gewalt. Und PR ist ihnen fremd. Die Ware Liebe wird von den PR-Leute betrieben, die Auftragsarbeiten ausführen.
Wer erwachsen ist und zu oft auf moralische Verklärungen reingefallen, weiß gleich: Hier stimmt was nicht. Aber es soll uns nicht darum gehen, die vermeintliche Ehre der PR-Leute zu retten (das macht schon deren Ethik-Rat in atemberaubender Peinlichkeit). Es geht uns um die Jammergestalt, die Journalisten abgeben, wenn es um ihre Zunft und ihre Blätter geht. Mein Anliegen ist die Autorität des gehobenen Journalismus, der Respekt vor einem Blatt wie dem SPIEGEL; mein Schmerz, die Posse, mit der beim SPIEGEL gerade die Chefredaktion ausgetauscht wird. Dabei wird unfreiwillig eine böse Geschichte über das Blatt erzählt, die wenig Respekt zurücklässt.
Was ist passiert? Man durfte in einem Blatt der nun wirklich anders gestrickten Springer-Presse lesen, dass die Chefredakteure für das gewichtige Blatt und den leichtfüßigeren Internetdienst rausfliegen, weil sie zerstritten sind und ein Geschäftsführer des Verlages findet, der eine tue nicht, was er wolle. Aha! Die Redakteure gelten als überrascht. Zuvor hörte man schon Dinge über das Betriebsklima und die Frauenquote in der Berliner Dependance und andere Grillen.
Wieso war man intern überrascht? Das verwundert, weil seit einigen Tagen alle möglichen Publizisten der Republik angemeiert werden, ob sie den oder die Jobs nicht wollen. Den Nachfolger suchen, um den Vorgänger los zu werden, das gehört zu den wirklich schmutzigen Verfahren im Personalmanagement. Wie Sauerbier wird Hans und Franz angeboten, was einst als der Olymp des Journalismus galt.
Zweiter Vorwurf: Der Online-Mann wolle keine Integration von Papier und Netz. Und er wolle die Gratis-Kultur, während die Springerleute angeblich zeigen, wie es geht. Zur Zusammenführung seien auch Redakteure des Blattes nicht geneigt, weil sie dann am Ende mehr als ein Stück im Monat machen müssten, was dann nun wirklich an Lohnschreiberei grenze. Hallo? Wer sich jemals die Stückchen aus SPON angesehen hat, weiß, das solche Häppchen zwischen Fahrstuhl und WC runterzudiktieren sind. Das alles mögen aber böswillige Gerüchte sein.
Jetzt aber kommt es. Was sagt die Pressestelle des Sturmgeschützes angesichts des Kommunikationsdesasters? Sie sagt, man werde keine Gerüchte kommentieren. Punkt, Ende, aus, Micky Maus. Das ist der absolute Dummfick-Satz der PR, für den selbst in PR-Agenturen der Provinz die Praktikanten rausfliegen. Und die Pressestelle sagt eben auch „off-the-records“ nichts mehr. So verschiebt sich die Schuld für das Elend spekulativ auf ein Wesen namens Mitarbeiter-KG. Das ist so schlecht, dass es schon Methode haben könnte.
Jetzt werden als neue Führer gehandelt: ein Leitender Redakteur der BILD, und der schon beim letzten Desaster vergraulte Grüne aus Bielefeld, inzwischen Herausgeber und Mitbesitzer eines Wirtschaftsblattes, eine Agentur-Mops, der gelernte Staatsanwalt und Ständige Vertreter Gottvaters bei der SZ, der Verlegersohn TGIF, der Pizzabäcker von der Leine, zur Zeit an der Spitze der Lehrerzeitung, ein Chefredakteur von Kölner Gnaden, der schon längst auf die schwarze Seite (vulgo: PR) gewechselt ist, es aber könnte…You name it.
Beenden wir die wilden Spekulationen und kommen zu den harten Fakten: das Problem heißt Mitarbeiter-KG. Der Altverleger Augstein hatte in einer eher philanthropischen als sozialistischen Anwandlung seinen Mitarbeitern die Hälfte des Unternehmens geschenkt. Die sind nun in Mielkes Letztem Kombinat, der Mitarbeiter-KG, organisiert. Schon beim unwürdigen Abgang der letzten Redaktionsspitze hatte man das Gefühl, dass hier das Heckenschützentum zur Königsdisziplin entwickelt ist. Aber nichts genaues, weiß man nicht. Denn Journalisten machen kein PR.
Was geht uns das als Leser an? Bitte ruiniert nicht ein Blatt, das wir schätzen und fürchten gelernt haben. Was geht uns das als Bürger an? Bitte ruiniert nicht einen Beruf, den wir schätzen und fürchten gelernt haben. Was geht uns das als PR-Menschen an? Gebt einem unserer Kollegen einen Job, damit diese Posse nicht ewig währt. Wenn wir nämlich in einer SPON-Welt wach werden, dann braucht es weder gute Journalisten noch gute PR-Leute. Das, was dann noch SPIEGEL heißt, kann der Leser oder ein paar Werbetussen sich selbst zurecht bloggen. Dann bliebe von der wahren Liebe noch der Quickie. Ach.
Quelle: starke-meinungen.de