Logbuch
TRANSPARENZ.
„Jetzt hilft nur noch unbedingte Transparenz!“ Ein Allerweltsspruch in Krisen, der dümmer nicht sein könnte. Ein Rat des Teufels, verloren, wer ihm folgt. Ein Erfahrungsbericht.
Wer beschuldigt ist und sich zu verteidigen sucht, dem wäre dafür Glück zu wünschen. Gehen dem Angreifer langsam die Argumente aus oder erlahmt das Interesse des Publikums, so hört man gebetsmühlenartig die Forderung nach mehr Transparenz. Ein vergifteter Rat, und zwar aus dem Mund des Angreifers.
Klären wir vorweg: In der Politik geht es um Macht, nicht um Recht; es geht schon gar nicht um das Seelenheil. Im Beichtstuhl darf ich als gläubiger Katholik erwarten, dass auf Selbstbezichtigung und Reue die Vergebung folgt. Das ist die Hoffnung des Sünders, der sein Herz ausschüttet und sich in den Händen eines gütigen Gottes weiß. Solcherart Gnade kennt Politik nicht. Und die hetzenden Hunde der Presse schon gar nicht, die der Blutfährte des verletzten Wildes nachjagen.
Der Wolf mag dem fliehenden Schaf raten, ihm doch weitere Mühen zu ersparen, durchschaut das Schaf diese List nicht, opfert es sich selbst. Wer sich verteidigt, klagt sich an. Im Englischen gibt es den wunderbaren Begriff des RED HERRING. Er stammt von der Rotwein-Essig-Tunke, in die der Fisch gammelte, bevor man sie auf der Fährte vergoss, um so die feinen Nasen der Jagdhunde zu irritieren. Ein Ablenkungsmanöver. In der Krise braucht man eine gute Geschichte, die die hetzende Meute tief verwirrt; das ist der RED HERRING im übertragenen Sinne.
Man macht sich nicht gläsern (das meint Transparenz ja), sprich nackig. Man wirft der Meute einen roten Hering hin. Essig auf die Spur! If you can’t convince them, confuse then. Wenn man die Einbildungskraft hat und die rhetorische Begabung, den kühlen Kopf und die starke Hand. Wo sich die Gegner wünschen, jeden Morgen neu eine Scheibe von der Salami schneiden zu können, bis der Kaiser ohne Kleider dasteht, knöpft man den Waffenrock zu und schlägt den Kragen hoch. Man folgt dem Brecht-Wort, nachdem man sich in solcher Not „streng an die Unwahrheit“ zu halten habe.
Und wenn auch das nicht mehr hilft? Gibt es noch ein Geheimrezept, das ich hier verraten könnte. Ja. Muss aber unter uns bleiben. ERINNERUNGSLÜCKEN. Ich habe mal einen Politiker, der sich mit der verdeckten Finanzierung seiner Partei („Bimbes“) beschäftigt hatte, in der Hauptverhandlung auf Vorhaltungen des Richters zwanzig Mal sagen hören: „Herr Vorsitzender, daran kann ich mich nun gar nicht erinnern.“ Wortgleich, in identischem hanseatischem Tonfall. Genial.
Logbuch
DAS AMIKALE.
Eine Vetternwirtschaft nennt man, was Günstlinge sich gegenseitig Gutes tun. Küsschen links, Küsschen rechts. Willkommen in der Verwalteten Intimität zwischen „Freunderlwirtschaft“ und der Organisierten Kriminalität. Verliebt, verwandt, verschwägert, verschworen.
In der Leitung des RBB, so das neueste Gerücht, teilen sich zwei Damen die wichtigsten Ressorts unterhalb der Intendantin, die einander privat so zugetan sind, dass sie sich geheiratet haben. Wo? In den Diensträumen von Frau Schlesinger. Die lesbische Ehe geschlossen hat dort die damals amtierende Vorsitzende des Verwaltungsrates, eine Pfarrerin namens Friederike von Kirchbach. Wo die Hochzeitsnacht stattfand, steht sicher morgen bei den Investigativen von Springer. Nun sind die vier Damen keine Cousinen, womit Vetternwirtschaft dem Buchstaben nach unmöglich bleibt; aber wohl doch über das kollegiale Maß einander zugetan. Einander zugewandte Freundinnen eben. Willkommen im AMIKALEN.
Ich könnte weitere Geschichten erzählen, die man im Borchardt über die Inzucht im Sender von Tisch zu Tisch reicht, will es aber aus prinzipiellen Gründen nicht. Die Liebe (auch die auf Weihnachtsfeiern) ist ein Geschenk des Himmels, das keinerlei Spott verdient. Und Familienbetriebe sind das wirtschaftliche Rückgrat der Nation. Warum also dann keine Amigos und Amorginen, sprich AMIKALEN Verhältnisse, beim RBB? Eigentlich fühle ich mich dazu aufgerufen, die empathische bis promiske Freunderlwirtschaft zu verteidigen. Sie ist ja keine Ausnahme. Parteipolitik geht auch nicht anders; na ja, wenn man unterstellt, dass Hass auch Intimität erzeugen kann. Hassliebe ist es allemal, was Eliten nach innen bindet.
Eine Elite ist ein Klüngel, der sich selbst die Niedrigkeit seiner Motive vergibt. Das AMIKALE erbost ja nur die, die davon ausgeschlossen sind. So nennt der Lateiner den Feind schlicht „Nicht-Freund“ (inimicus). Immer noch klingt mir in den Ohren, wie der legendäre Mafia-Boss davon spricht, jemanden einen Gefallen zu tun, den dieser nicht ablehnen kann: Kill by kindness.
Man war sich „nah“ unter den AMIKALEN, aber es war ein Intrigenstadel. Ist es noch. Nähe kann auch Terror sein. Die „Familie“ der Mafia ist keine Idylle. Ich schließe mit dem Gruß „Freundschaft!“
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RHETORIK.
Man darf den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk (ÖRR) nicht kritisieren, weil das finstere Mächte auch tun. Die Logik der Heiligen Inquisition: wer nicht des Papstes ist, der ist des Teufels.
Die Intendantin des MDR bedauert die Affäre um die Intendantin des RBB, weil das Kräfte nütze, die in ganz Europa jene Institutionen bekämpften, die der WAHRHEIT verpflichtet seien. Ein rhetorisch interessanter Winkelzug. In mehrfacher Hinsicht.
In der Mathematik gilt, dass, wenn zwei Größen einer dritten gleich sind, diese untereinander gleich sind. In der Politik gilt das nicht. Dort wird eine solche rhetorische Figur aber zur Abwehr von Kritik genutzt. Dass auch die AfD sich über Spesenbetrug erregt, rechtfertigt nicht den Spesenbetrug. Und macht nicht alle Kritiker des Betrugs zu Rechtspopulisten.
Im Steuerrecht gilt, dass Lücken genutzt werden dürfen, da der Steuerzahler nur muss, was er muss. Das rechtfertigt die Steuerberatung, aber nicht die Steuerflucht („tax evation“). Siehe CUM EX, also der Betrug, mit dem ich Steuern erstattet haben möchte, von denen ich weiß, dass ich sie gar nicht gezahlt habe. Nicht der dicke Dienstwagen ist das Problem, sondern die Finesse, mit der seine private Nutzung der Einkommensteuerpflicht entzogen wird. Diese Mentalität eines Eierdiebs.
Jeder Topmanager weiß, dass ein luxuriöser Büroumbau bei Amtsantritt einen BONZENVERDACHT erzeugt, den er niemals mehr loswird. Man geht mit anvertrautem Geld in diesem Bereich betont spartanisch um. Oder ist eben ein politischer Idiot. Dort vor allem liegt die Dummheit der Wahrheitswächterin an der Spitze der ARD. Heine: Wasser predigen, Wein saufen. Ich habe nichts gegen Wein, schon klar, oder?
Die Idiotie liegt in der unnötigen Grenzüberschreitung: Seine Mitarbeiter als Vorgesetzte zum Spesenbetrug anleiten, die opulenten Vergünstigungen nicht versteuern… Und den geldgeilen Gatten durch den RBB-Fahrer zu seinem privaten Kunden schaukeln lassen. Das alles sind zumindest Gerüchte, die den Anfangsverdacht der UNTREUE rechtfertigen, Frau Generalstaatsanwältin. Wenn und weil ich das sage, soll ich jetzt der GEGENAUFKLÄRUNG zuzurechnen sein? Bin ich ein Vasall von Marin Le Pen?
Vielleicht muss, wer der Wahrheit verpflichtet ist und das mit zwangsweise erhobenem Geld anderer Leute finanziert ja 400.000€ im Jahr verdienen und von zwei Fahrern im 7er BMW chauffiert werden, weil Bayern ein Flächenstaat ist. Gegönnt! Ich bin frei von Neid. Vielleicht ist es menschlich, wenn man bei den Spesen bescheißt. Aber dass, wer das als Beitragszahler bemerkt, dadurch zum Faschisten wird oder in deren Agenda läuft, das geht zu weit. Es rechtfertigt ein prinzipielles Misstrauen vor diesen Wahrheitswächtern.
Logbuch
Wir geben nix ! Ein Plädoyer für Hartherzigkeit
Mildtätigkeit ist ein widerlicher Charakterzug. Jetzt auch Hasso Plattner, davor Bill Gates und David Rockefeller. Die Milliardäre wollen, nachdem sie sich ein Erwerbsleben lang ohne jeden Skrupel bereichert haben, geliebt werden und als kunstsinnig erscheinen.
Das ist der alte Mäzenatentraum, in dem sich die Wucherer und Ausbeuter in den Augen ihrer Zeitgenossen zu besseren Menschen erheben wollen. Es drängt ihre Seelen eine Art von Altersmilde. Ein kleines Paradies auf Erden soll nun ihren Namen tragen. Das Motiv ist vielleicht Reue, sicher aber Eitelkeit. Ekelhaft.
Der Mensch lebt ja nicht nur von Kunst allein; manche, so weiß man selbst in den besseren Vierteln, hungern wohl. Hier setzen die „Tafeln“ an, die arme Menschen aus den Mülltonnen der Reichen ernähren wollen. Weil man Lebensmittel, das tägliche Brot des Herrn, ja nicht einfach wegwirft, wird die Suppenküche mit den Resten aus dem Sterne-Restaurant aufgenordet. Den hungrigen Bettler, der an unsere Tür klopft, weisen wir auf unsere Mülltonne? Widerlich.
Pferdefleisch hat sich in die Nahrungskette jener geschlichen, die nur argentinisches „beef“ mögen oder spanischen „ham“, weil sich die Tiere allein von Gras oder Kastanien ernährten. Weil die Tiefkühlgourmets nun Ekel ereilt, entsteht eine mildtätige Idee: Man möge doch die Lasagne mit Fury nicht wegwerfen, sondern an die Armen verfüttern. Zynisch.
Der Frankfurter Hauptbahnhof wird von Sinti und Roma durchzogen, die systematisch betteln. Über diese Romakinder höre ich nun, dass sie als Sklaven in gewerbsmäßigen Banden gehalten werden und 350 € pro Tag an die Clanchefs abliefern müssen, wollen sie nicht als Stricher zur Prostitution gezwungen werden. Mir kommt der Gedanke, dass ich mit meinem Euro dieses System überhaupt erst möglich mache. Fassungslos.
Dabei gebe ich gerne. In Berlin Moabit kommt jeden Samstag ein Trompeter durch die Straße, immer werfe ich Geld vom Balkon. Ein Kind sammelt es ein. Ich fühle mich dabei gut, ja, danach fühle ich mich sogar besser, weil ich, der Schlipsträger, gezeigt habe, dass ich ein Herz habe. So ein klein wenig fühle ich mich wie der tolle Hasso in Potsdam. Was mein karitatives Herz aber in Wirklichkeit wärmt, ist Eitelkeit. Scheinheilig.
Geht es hier gegen versklavte Romakinder oder Junkies auf Entzug oder verarmte Menschen mit Hunger oder Universitäten mit Finanzbedarf oder klamme Museen, denen man ein Kupferdach schenken muss? Unsinn. Es geht darum, dass Mildtätigkeit die Empfänger beschämt und die Geber in dem Maße erhöht, in dem sie die Beschenkten erniedrigt. So wird nicht das Elend beseitigt, sondern es erscheint erträglich, den Nicht-Elenden. Hartherzigkeit wäre hilfreicher.
Niemand soll in diesem Land unter Brücken schlafen müssen oder aus Mülltonnen essen; das ist mein politischer Ernst. Aber genau dagegen hilft nicht diese scheinheilige Mildtätigkeit, sondern nur eine wirkliche Veränderung der Verhältnisse. Dieses „Geben-Wollen“ verlängert das Elend. Wir sollten es lassen. Im großen wie im kleinen. Christliche Nächstenliebe ist etwas ganz anderes, denn sie ist reinen Herzens.
Die Hassos dieser Welt mögen sich doch bitte ein anderes Hobby suchen, um ihr Ego zu pflegen. Vor die Altersmilde hätten sie in ihrem Erwerbsleben Steuerehrlichkeit stellen können. Und dort, wo der Staat ihnen die Steuerflucht legaliter erlaubt hat, Steuerredlichkeit. Und sollte die Mildtätigkeit auch noch staatssubventioniert, sprich steuersparend sein, so gilt endgültig: Schluss mit der Doppelmoral der milden Gaben.
Quelle: starke-meinungen.de