Logbuch
WATT IS NE DAMPF MASCHIEN?
Ein dunkler Raum mit zwei Löcher. Kennen wir aus der Feuerzangenbowle. Was ist eine Daten-Maschine? Da wird das Eis dünner. Das weiß nicht jeder. Es ist so wie früher bei den Zeitungen auf Papier; auch wer nicht wusste, wie man darin schreibt, konnte anderntags noch den Fisch darin einwickeln. Heute erfahren wir Neuigkeiten aus dem Smart-Phone, einem kleinen Scheißding, das unser Weltzugang geworden ist. Leider hat das Biest aber Algorithmen. Und KI, künstlichere Intelligenz. Das gefällt nicht jedem.
Ja, der Algorithmus, bei dem ein jeder mitmuss. Und die KI, mysteriös wie nie. Ich sitze in einem kreuznetten Kreis von Nachbarn und diskutiere mit einem hochgestellten Politiker über die Sozialen. Meine banale These: Was mal die Hinterzimmer von Kneipen waren, nämlich die kleinste und naheste Form von Öffentlichkeit, das findet sich für die junge Generation in den Social Media des Internets. Aber es kommt eben nicht jeder rein. Früher in die Kneipe, jetzt in das Netz.
Darauf reagieren die ANALOGEN wie immer mit Empörung. Natürlich sei man auf den Sozialen. Aber wie! Es erinnert mich an die Frage meiner frühsten Jugend danach, ob jemand schon Telefon habe; gemeint war ein Festnetzanschluss der Post. Oder ob man zu Hause schon Farbfernsehen besitze. Diese beiden übrigens die letzten Technologien, deren Einführung die SPD uneingeschränkt begrüßt hat. Heutzutage haben alle Internetz, die Bürgersteige werden gerade aufgegraben für Glasphaser, die nächste Phase.
Zeitgleich berichtet über lokale Ereignisse noch ein Druckerzeugnis, das sich allerdings keine Redaktion mehr leisten kann und deshalb die Erlebniserzählungen der lokalen Matadore eins zu eins ins #Blatt hebt. Blättchen, so nennt man das am Ort; zu recht in Verkleinerungsform. Wir sind Zeitzeugen einer epochalen Ungleichzeitigkeit gänzlich unterschiedlicher Techniken. Ich sage es mal so: Im Kulturellen ist das Verbrennerverbot noch nicht angekommen.
Der politische Grande führt aus, dass das Internetz nicht demokratie-geeignet sei, weil die Sozialen amerikanischen Milliardären gehörten, die darin Algorithmen & KI installiert hätten, mittels derer verdeckt Wahlen manipuliert würden. Es gebe sogar Hass & Propaganda. Er setzt große Hoffnungen auf den Digital Services Act der EU. Es erklingt der Ruf nach dem starken Staat, der Urimpuls aller Sozis, wenn etwas nach der Willkür des Marktes riecht. Algorithmen also. Teufelszeug. Man weiß im Alltagswissen älterer Menschen auch nicht annähernd, was die DIGITALEN umtreibt. Unsere Gesellschaft ist kulturell gespalten. Die Zahl der neuen Analphabeten ist groß.
Die KYBERNETISCHE WENDE findet statt, ist aber intellektuell nicht verdaut. Wir nutzen inzwischen alles, was wir noch begreifen; aber eben auch nicht mehr müssen, weil der Mangel an natürlicher Intelligenz ja ausgeglichen wird durch die künstliche. Aber ganze Milieus sind mittlerweile Altersheime des Analogen. Die Klugen unter den politischen Köpfen wissen das und begehren auf. Ich rechne über kurz oder lang mit der Forderung nach einem Algorithmus-Verbot.
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WÜRDE JESUS DIE AfD WÄHLEN?
Dies ist eine sehr amerikanische Frage: „What would Jesus do?“ Und Joe wie Jill meinen das ernst; sie tragen Armbändchen mit dem Code WWJD. Sie suchen nach einer moralischen Orientierung. Diese ureigenste Naivität der Amis lässt uns immer wieder erstaunen. Es folgen dann oft bizarre Bibelzitate, wild aus jedem Zusammenhang gerissen; und aus dem Neuen wie dem Alten Testament. Jüngst der Verweis auf Levitikus (3. Buch Mose), wo vermeintlich gefordert wird, homosexuelle Männer zu steinigen. Dazu habe ich als Christ eine ganz und gar klare Meinung.
Amerika und das Christentum, ein erstaunliches Thema voller Verkennungen. Beginnen wir mit dem amtierenden Papst, ein Ami, der fließend Spanisch und Italienisch spricht, aber eben auch amerikanischer Zunge ist. Die katholische Welt ist schock-verzückt: ein ganz und gar moderner Mann! Welch ein Irrtum. Ich höre von meinen Confidenten im Vatikan, dass er schon begonnen hat, Reformen zurückzudrehen. Ich habe es gleich gesagt: Der Mann ist Franziskaner; die betreiben keine Reformation.
Jetzt die Reaktion auf die infame Ermordung des Propagandisten Charlie Kirk. Es hebt in den multikulturellen USA eine christlich argumentierende Rechte ihr Haupt, die sich bei MAGA zu Hause weiß: „Make Amerika Great Again“. Gemeint ist ein nostalgischer Nationalismus vornehmlich evangelikaler Weißer. Man hat das auf einem deutschen Kirchentag noch nicht gehört, den Ruf nach Belebung von Großdeutschland, weil hierzulande noch das links-grüne Paradigma herrscht. In den USA aber sammelt sich eine reaktionäre Rechte mit Bezug auf den Protestantismus. Man macht rechte Politik mit der Bibel in der Hand. Jesus wählt Trump.
Man darf nicht vergessen, wer die Pilgrim Fathers der Neuen Welt waren; die Wurzeln dieser Sekten sind tief. Und man ist theologisch freizügig, wenn es der politischen Sache dient. Ich höre den Vizepräsidenten loben, wie oft er im Zusammenhang mit Charlie Kirk über Jesus gesprochen habe. Der Mann ist zum Katholizismus konvertiert und mit einer gebürtigen Inderin verheiratet. Rom fördert eigentlich keine Laienexegese.
Zu unserer Gretchenfrage: Wie hält es die AfD mit der Religion? Klare Antwort: völlig egal. Das einzige, was mich an der AfD interessiert, sind ihre Wähler, meine Nachbarn und Landsleute. Deren Motive kümmern mich. Darüber rede ich mit jedem und überall. Keine Brandmauern, keine Tabus. „Wo zwei oder drei in meinem Namen zusammen sind, da bin ich mitten unter ihnen.“
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CHICKEN.
Hatten Sie als junger Mensch den Berufswunsch „im Fernsehen zu kommen“? Etwa als Moderatorin? Während ich mich durch das reichhaltige TV-Angebot unserer Tage „säppe“, fällt mir auf, dass bei der Auswahl der Moderatoren Gesichtspunkte der Diversität berücksichtigt werden; insbesondere die BBC ist bemüht, alle Milieus des Landes repräsentativ abzubilden. Das ist ja ein ganz sympathischer Gedanke, über den man nicht reaktionär richten muss.
Aber haben Sie mal die Augen geschlossen und nur auf die Stimmen geachtet? Sie wissen doch aus der Werbung, was man den Lidl-Ton („Lidl lohnt sich!“) nennt. Ich höre das sofort, weil zu den Zwangsveranstaltungen meines Studiums an der Ruhr Universität Bochum das Seminar von Dozentin Dopheide gehörte. Den Schein für „Atem-, Stimm- und Lautbildung“ bekam man nur, wenn man zum Schluss ein Gedicht eindrucksvoll zu rezitieren wusste. Ich höre mich noch, wie ich mich mit Schillers Glocke vor einem ganzen Hörsaal blamiere.
Heutzutage findet diese Ausbildung für Moderatoren auf einem Hühnerhof statt. Das erste Übel liegt darin, dass alle Moderatorinnen eine ganze Oktave zu hoch sprechen. Lidl lohnt sich. Das zweite darin, dass sie alle schnattern, respektive gackern. Wie beim Federvieh geht es: „Pooh, Poohpo, Popopoh…“ So lautet die Anmoderation; dann geht es weiter mit: „Tah, Tatah, Tattatah.“ All, überall dieses Wiesenhof-Konzert. Wozu hat der Herrgott die sonoren und gutturalen Töne geschaffen, wenn nur noch hysterische Mezzo-Soprane im Kastratenton gackern?
Man möchte als Fuchs in den Hühnerstall. Es gibt nur noch eine Ausnahme; das ist die wohlgestaltete Frau Susanne Daubner vom NDR; ich erwäge ernsthaft, sie zur Bundespräsidentin vorzuschlagen.
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Schattenkabinett: weil der Wähler es will, kriegt er es nicht
Wir haben wieder, was die Wahlforschung ein „horse race“ nennt. Die Bundestagswahl steht an, und ein Patt zeichnet sich ab. Die Demoskopen wollen jetzt schon wissen: Gegen den Regierungsblock Schwarz-Gelb mit 45% steht die Opposition Rot-Grün mit ebenfalls 45%. Rechnet man die Links-Partei als möglichen Tolerierer eines linken Bündnisses hinzu, kommt die Opposition rechnerisch auf 50%. Und über Merkel hängt das Damoklesschwert der Fünf-Prozent-Hürde für die schwächelnde FDP.
Das hat zwei Botschaften an jene Wesen, die die Politik „die Menschen draußen im Land“ nennt. Erstens: Es wird eng; jede Stimme zählt. Die Wahlbeteiligung wird zum entscheidenden Faktor. Zweitens: Das Ende von Merkel ist nah. Es könnte sich bei aller Popularität der vagen Lady herausstellen, dass der Wähler, dieses launische Kind, Mutti leid ist. Genau aus dieser Stimmung heraus hat Gerd Schröder den angeblich unbesiegbaren Helmut Kohl ablösen können. So ist auch Lady Thatcher gegangen worden.
Wer aber wird dann Kanzler? Und wer Finanzminister? Wer kümmert sich um das neue Energieministerium, etwa ein grüner Spinner? Wer darf uns im Ausland blamieren, oder eben nicht? Fragen über Fragen, die der Wähler in unserem Land zwar stellen darf. Aber er kriegt keine Antwort. Weil die Posten im neuen Kabinett nach der Wahl in den Hinterzimmern der Politik zwischen der Parteien ausgekaspert werden. Dabei muss Sachverstand nicht stören, im Kern geht es aber um Interessenklüngel und den altbekannten Kuhhandel.
Das unwürdige Schauspiel erhöht den Handlungsspielraum der Politiker, es erschwert aber die Wahl. Es ist demokratiefeindlich. Der Wähler sollte es nicht länger tolerieren. Die Opposition könnte schon heute ein Schattenkabinett aufstellen. Klare Kante, das wird doch immer wieder versprochen. Die Botschaft könnte lauten: Dies sind die Gesichter, die nach der Wahl für die jeweilige Politik stehen. Auch die Debatten würden einfacher: Jedes Regierungsmitglied hätte einen geborenen Gegner in der Opposition. Da könnte man ein Gefühl bekommen, ob die Kandidaten ihr Thema beherrschen.
Warum wird das Verlangen nach einem Schattenkabinett nicht erfüllt werden? Weil es eine klare Strategie voraussetzt. Und damit wären eine ganze Reihe von Erkenntnissen unumgänglich. Etwa die, dass Peer Steinbrück ganz offensichtlich Kanzler nicht kann. Dass Sigmar Gabriel es machen muss. Und die, dass der Wähler im Energieministerium keinen grünen Spinner sehen will. Und dass man auf den Stuhl von Ludwig Erhard niemanden setzt, der auf einem Feldbett im Büro pennt. Oder dass Jürgen Trittin in der Folge von Joschka Fischer ein ganz passabler Außenminister wäre. Oder eben nicht.
Quelle: starke-meinungen.de