Logbuch

KARFREITAG.

„Es ist vollbracht.“ (der Nazarener)

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WAS JETZT ALLES GRÜN IST.

Gestern Mittag schiele ich auf das Nachrichtenfernsehen und sehe als newsreel, dass die Rüstungsindustrie gern von der EU als NACHHALTIG eingestuft würde. Was jetzt alles grün sein will, erstaunlich. Von der KERNENERGIE als jetzt grüner Energie hörte man das ja kürzlich schon.

Jetzt also auch Panzer. Kernwaffen sind besonders nachhaltig, schon von der Halbwertszeit her. Massenvernichtungswaffen stehen also vor einem völlig neuen Markenprofil. Ich starre auf n-tv. Dann sehe ich Anton Toni Hofreiter, den bayrischen BUTTERBLUMEN-STRIEZI, im TV, wie er dem Kanzler mangelnden Kriegswillen vorwirft. Der Düpierte findet in den Söderschen Politikstil. Das Problem, sagt er, dessen Partei in der Koalition sitzt, läge im Bundeskanzleramt. Illoyal bis auf die Knochen. Wie erträgt die Ampel den? Es gibt auch eine solche Stimme aus der FDP; aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.

Bleiben wir bei dem Burschi! Er fordert ultimativ schwere Waffen für die Ukraine. So geht jetzt also Friedensbewegung: „Frieden schaffen / Mit Angriffswaffen!“ Ich staune. Schon der taubenblaue Anzug, den der adipöse Biologe sich jüngst bei Ulla Poepken besorgt hat, irritiert mich. Nicht nur wegen der gänzlich ungewissen Konfektionsgröße. Aus welchem Stoff? Ist das auch gerecht gehandelte Baumwolle?

Sieht mir eher nach Kunstfaser aus, was der Toni da trägt. Der grüne Bellizist kleidet sich in Kunststoff. „Frieden schaffen/ In Plastiksachen!“ 100% Polyester: das ist jetzt Öko? Nachhaltig soll ja neuerdings auch der Dress sein; steht jetzt bei H&M an jeder Unterhose, dass die in ihrem vorigen Leben eine PET-Flasche war. Nachhaltigkeit, eine Leerformel; das ist der Lehrsatz.

Zum politischen Kalkül, einem Narrativ, dass man die von Russland überfallene Ukraine zügig und schwerstens aufzurüsten habe, damit sie für uns (!) siege, dazu sage ich als Deutscher nichts. Der grüne Hofreiter ist ein politischer Idiot. So über dieses Osteuropa zu reden, als Dispositionsraum der Hegemonialen Mächte, das hat eine historische Dimension, die mich sehr nachdenklich stimmt. Wenn der deutsche Bundeskanzler nicht Hänschen Voran spielt, sondern auf die NATO-Verbündeten schaut, habe ich das nicht zu kritisieren.

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DER SCHILLERNDE IM RADIO.

Gestern wurde mit mir ein Podcast produziert. Ich hatte keine Ahnung, was das ist, habe aber geduscht und den etwas besseren Anzug angezogen. Sogar Kaffee und Kuchen besorgt. Alles überflüssig. Es wurde nur der Ton aufgezeichnet. Dampfradio? Volksempfänger? Echt?

Ich hatte kein UHER Reportertonband erwartet, dessen legendäres Laufwerk noch mit einem Federaufzug mechanisch angetrieben wurde. Das war mir klar. Obwohl mich ein solches Wiedersehen gefreut hätte. Man hatte damals Kopfhörer vom Format englischer Bärenmützen. Heute stecken zwei weiße Knöpfe in meinem Ohr, die 170 Euro gekostet haben und unaufgefordert mit mir reden. Ob sie einen Anruf von Karl Arsch entgegennehmen sollen, fragen sie, mitten in ein Interview rein. Wissen die Schlaumeier nicht, dass ich gerade podcaste?

Als ich noch regelmäßig in den Talkshows des Fernsehens saß, erkannte mich jeder zweite Taxifahrer. Ich galt als der mit dem Hang zur kräftigen Meinungsäußerung. Und es gab einen Komiker, der regelmäßig die Frage parodierte: „Komm ich jetzt im Fersehn?“

Nun, mein VIP-Status ist verdampft, ich komm jetzt im Radio. Vermute ich. Gibt es einen Podcast-Sender? Zwischen Langenberg, Seligenstadt und Königswusterhausen?

Jedenfalls hatte der Redakteur nur zwei Minigeräte dabei, eins davon wohl sein Handy und ein sorgsam getipptes Manuskript. Tolle Vorbereitung. Es ergab fast eine Stunde lang ein so intensives Gespräch, dass wir vergaßen den Kuchen zu verzehren. Der Kaffee wurde kalt. Kalter Kaffee also. Wann kommt das im Radio? Auch das habe ich vergessen zu fragen.

Den Herausgeber des betreffenden Blattes kenne ich seit mehr als 40 Jahren; ich traf ihn erstmals 1981 bei der Ruhrkohle AG, wo ich als Redenschreiber diente. Den Chefredakteur, der mich gestern besuchte, habe ich vor mehr als 35 Jahren kennengelernt; ich war Geschäftsführer der PR-Gesellschaft der Stromversorger. Fast ein ganzes Berufsleben lang haben diese Jungs mich begleitet. Darüber lohnt es sich zu staunen. Und es herrschte immer ein fast freundschaftlicher Ton.

Mehr sage ich nicht. Weil ein PR-Profi niemals einen Journalisten lobt. Oder gar Freundschaft nachsagt. Das würde dessen Unabhängigkeit in Frage stellen; geht also gar nicht. Man stellt sich im Pressekontakt dem Urteil einer anderen Macht, der Vierten Gewalt, und hofft auf ein faires Urteil. Wer so viel Diplomatie nicht beherrscht, möge Botschafter der Ukraine werden oder deren Staatsschauspieler, zum PR-Manager taugt er nicht.

Jetzt sagt der Chefredakteur in dem Podcast (woher kommt dieses komische Wort für ein Radiointerview eigentlich?), dass er „eine der schillerndsten Figuren der PR-Branche“ zu interviewen habe. Woher, frage ich mich, kommt dieses Werturteil? Was ist dieses Schillern? Glitzern im Halbschatten? Wie schillert man im Radio, wo ja gar kein Licht an ist?

In dem Podcast wird vom dem Interviewer ein geneigtes Journalistenurteil über meine Berufsrolle verlesen. Ich lasse mich verleiten, den Journalisten, der mich lobt, zu loben. Ein echter Lapsus. Als ich dann noch, auf Nachfrage, dessen Name nennen soll, finde ich in die Professionalität zurück. Keine Namen. Jedenfalls kein Lob. Über üble Nachrede, da kann man immer reden. Aber kein Lob mit Klarnamen. Wir sind hier doch nicht bei LinkedIn.

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Bochum-Gate: Steinbrück verzichtet auf Kanzlerkandidatur

Frontbericht aus Bochum, der Stadt, in der Steinbrück den Wulff machte. Oder den Micky, wenn man sich noch erinnert, wer Micky Mronz, späterer Ehegatte Westerwelle war. Wir reden über das private Absahnen mittels politischer Reputation oder aus öffentlichen Haushalten, das persönliche Knete-Schinden, wenn das Gemeinwesen schon am Boden liegt. Wir reden über das moralische Watergate des ehemaligen SPD-Kanzler-Kandidaten Peer Steinbrück. Ehemalig?

Peer Steinbrück, so habe ich gerade gehört und kann es noch gar nicht glauben, verzichtet auf die Kanzlerkandidatur für die SPD. Er übernehme für seine Instinktlosigkeiten im Bochumer Stadtwerke-Skandal die politische Verantwortung. Das habe er dem Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel mitgeteilt. Man rechne nun stündlich damit, dass die Herren Rösler und Westerwelle/Mronz vor die Presse treten und ihn zum Kandidaten der FDP nominieren. Man verspreche sich von seinem Verhalten in Bochum einen guten Eindruck auf die Klienten dieser wunderbaren Partei der Besserverdienenden.

Wo höre ich das? Im „Tucholsky“, einer Bochumer Künstler-Kneipe im sogenannten Bermuda-Dreieck, in die ich nur geraten bin, weil mein Reisebüro mich in ein „Art-Hotel“ gebucht hat, worunter man am Ort einige karge Zimmer über der Kneipe versteht. Es ist hier spartanisch wie in einem Gulag, und die Restauration findet im rauchgefüllten Schankraum statt, der nach Revier riecht. Grönemeyers Welt, der hier am Ort Musiker war, bevor er zu Weltruhm gelangte. Natürlich habe ich mir die Currywurst bei Dönninghaus angetan, einige Schritte die Fußgängerzone hoch, am Engelbertbrunnen, den leere Bierdosen und Pommesschalen füllen. Bochum ist ärmer als der Osten, und man sieht es. Darum will man an den Soli ran.

Im Tucholsky geht das Gespräch am Tresen um die Spin Doctoren des Peer Steinbrück. Ich habe hier studiert und kenne Tonfall und Trinkgewohnheiten, ich falle nicht auf und spiele Mäuschen. Es fallen all jene Namen, die fallen müssen, wenn eine politische Sache um Peer Steinbrück wirklich böse steht. Und im Pott kriegt jeder sein Fett weg. Man liebt Spitznamen und Respektlosigkeiten. Im Prahlen der Insider fallen die Namen immer nur mit Attributen: Ein vertrocknetes Bertelsmann-Gewächs („Lebt der noch?“), ein ausrangierter ZDF-Grande („der schmucke Maddin“), Müntes ehemaliger Pressemops („der Donnerbalken“), die Lichtgestalt aus Thüringen („der Ölprinz“, wohl wg. mangelnder Haarpflege)…You name it. Auch von einer Ottilie ist die Rede, aber das ist kein Scherz; die Oberbürgermeisterin von Bochum heißt wirklich so. Hier konferieren die Thekenexperten über die Experten der politischen Klasse.

Bochum-Gate? Eine Petitesse. So wie Watergate auch nur ein Einbruch von einigen besoffenen Kubanern war. Die eitlen Stadtwerke der maroden Stadt haben sich Parties für 100.000€ das Stück machen lassen und ihr mediokres Mittelmanagement mit Promis garniert.  Es gab 25.000€ Gage für die Gaucks dieser Welt. Gezahlt hat das der Stadtwerkskunde, der Bochumer Bürger. Und gespendet hat die Knete keiner der VIPs. Ein Skandal. Jedenfalls dann, wenn die Parties von Herrn Westerwelle, die sein Lebensgefährte organisiert hatte, seinerzeit ein Skandal waren. Darf ich mal fragen, warum zum Teufel eigentlich Wulff zurückgetreten ist? Meine Thekenmannschaft findet, dass wir Wulff rehabilitieren oder Steinbrück in die Wüste schicken.

Die Lösung: Steinmeier wird SPD-Kandidat und Steinbrück der der FDP. So passt das. Und die Ottilie aus Meck-Pomm tritt wieder für die CDU an. Und alles ist Paletti. Allgemeine Erheiterung. Man hofft jetzt nur, dass sie dann den Steinmeier nicht wegen Organhandel drankriegen. Denn dann droht Nahles. Noch ne Runde. Das liebe ich am Revier. Diesen wirklich bösen, aber immer gutgelaunten Pragmatismus. Bochum, ich komm aus Dir.

Quelle: starke-meinungen.de