Logbuch

LEYLA.

Was mich an der GRÜNEN VOLKSERZIEHUNG am meisten stört, ist ihre tiefe Humorlosigkeit. Diese verkniffenen Jacobiner riechen nach Diktatur. Spießer. Philister. Ein leichter Hauch von Tugendterror durchweht den Zeitgeist.

Ein großer Kulturskandal beschäftigt uns. Unerwünschtes, weil unanständiges in Würzburg. Der Vorwurfshaltung bemüht ernsthafte Vorbehalte; daran soll kein Zweifel bestehen. Ob sie zutreffen, darf erörtert werden. Es ist geht um die vermeintliche Verharmlosung von Prostitution.

Das lyrische Ich (den, wo da von sich was singen tut) von LEYLA ist ein Bordellbesitzer, der gegenüber einem potentiellen Kunden (ugs. Freier) seines Etablissements eine seiner Animierdame anpreist. Wegen des bei Volksliedern unvermeidlichen Endreims erfolgt die “lyrische Bindung im Auslaut“ über Leyla, Mama und „geiler“ (sprich „geila“). Das hat die GRÜNE Stadtregierung zu einem Aufführungsverbot von LEYLA veranlasst.

Tatsächlich unterläuft dem Autoren, ein gewisser Ikke Hüftgold (bekannt durch den Schlager „Dicke Titten Kartoffelsalat“), ein sachlicher Fehler. Er verwechselt die Rollen der Kupplerin mit der zu Verkuppelnden; es ist milieutypisch nicht die „Puffmama“ (ugs. Puffmutter), die die Attraktivität des Gewerbes selbst verkörpert, sondern jene deutlich jüngere Dame, die sich in ihrer Obhut befindet. So was kann eine grüne Kommunalverwaltung ja nicht einfach durchgehen lassen.

Zeitgleich wird in Düsseldorf von der gleichen Partei ein öffentliches Register von Witzbolden gefordert, die über Formen der sexuellen Devianz spötteln. Achtung: Und zwar, wenn das Delikt unterhalb der Strafgrenze ist. Ein grüner Pranger für Andersdenkende, denen man mit der Polizei nicht beikommt. Legal, aber strafwürdig. Das ist das Singverbot zu LEYLA ja noch harmlos.

Wir erleben eine Re-Calivinisierung, einen neuen Puritanismus. Die Zeiten werden wieder piefig. Und zwar schlimmer als in meiner Jugend. Ich singe gelegentlich unter der Dusche aus Kindertagen einen wunderbaren Schlager von Bill Ramsey, der politisch völlig inkorrekt klingt, aber es nicht ist. ICH SCHWÖR. Er kritisiert in perfektem Kabarett die Pseudo-Ethnisierung im oben genannten Gewerbe.

Das lyrische Ich (den, wo das was von sich singen tut) ist nicht nur anblickstechnisch durch einen morgenländischen Ausdruckstanz animiert, sondern einer Verletzung des Achtungsabstandes ausgesetzt. Die fiktional als Suleika benannte Tänzerin setzt sich auf seinen Schoß.

Es handelt sich um die „Zuckerpuppe aus der Bauchtanzgruppe“, eine „süße Biene“, hinter einer Tüllgardine, die dem vorderen wie dem hinteren Orient ein Begriff sei. Nun, es stellt sich zum Schluss des Liedes eine investigative Erleuchtung ein. Das lyrische Ich offenbart nach der Entfernung des Schleiers der auf seinem Schoß Sitzenden dem Saal, Suleika sei in Wirklichkeit „Elfriede aus Wuppertal“.

Das wäre als Lied heute nicht mehr möglich; aus mehr als einem Grund. Wahrlich, ich lebe in finsteren Zeiten.

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KRIEG. NOCH EINER.

Wer den Frieden will, soll der den Krieg vorbereiten? Schwieriger Leitsatz. Er sollte zumindest fürchten, dass sein Nachbar so denkt. Versuch über SKEPSIS als politische Tugend.

Die USA haben ISRAEL jüngst wieder versichert, dass sie nicht zulassen werden, dass der IRAN sich selbst mit ATOMWAFFEN ausstatte. Das höre ich in den Nachrichten. Und den Satz des israelischen Regierungschefs, im Zweifel helfe nur Gewalt („force“). Und die iranische Antwort, dass man darauf pfeife. Der Iran betreibt Anlagen zur Urananreicherung, angeblich für friedliche Zwecke. Komplexe Situation.

Ich hab keine Lust auf einen weiteren Krieg, auch nicht als unbeteiligter Dritter. Dabei steht außer Frage, dass das Existenzrecht des Staates Israel Teil der deutschen Staatsräson ist. Darüber kann es gar keine Diskussion geben. Mir geht etwas durch den Kopf, was weniger gewichtig und etwas unzeitgemäß ist. Das hängt damit zusammen, dass ich den gemeinsamen Teil der zivilen und der militärischen Nutzung der Kernenergie kennengelernt habe.

Es geht um URANANREICHERUNG, an der nicht nur wir im münsterländischen Gronau werkeln, sondern die benachbarten Niederländer und die Engländer; alle drei in einem Konsortium. In den Gronauer Uranzentrifugen wird die seltenen Isotope U235 im U238-reichen Uran angereichert; erst danach eignet sich „das angereicherte Atom“ (welch ein Wort) zur Herstellung von Brennelementen für Kernkraftwerke (übrigens auch bei uns, im niedersächsischen Lingen/Ems).

Der Betrieb der Uranzentrifugen mag harmlos sein, wie die Betreiber versichern; der gezielte Missbrauch ist es nicht. Diese Anreicherung braucht es nämlich auch zur Herstellung von Kernwaffen. Beide Verwendungen haben also eine gemeinsame Vorstufe; politisch doof, aber Physik. Deshalb verfolgt man auch die zivile Nutzung mit so großem Interesse und im Fall des Iran mit berechtigtem Interesse. Bei der Verwendung des abgereicherten Urans, auch noch ein Wertstoff, sagt man mir, gab es übrigens eine enge Kooperation mit Russland seitens des englisch-deutsch-niederländischen Konsortiums. Ich weiß nicht, ob das jetzt ausgesetzt ist, wüsste aber gern, was in der Frage dort so vor sich geht. Man sollte seine Nachbarn nicht allein lassen; über den Zaun schauen.

Die ganze Welt denkt nuklear; der deutsche Michel lebt in einer eingebildeten Idylle. Da international das größte Interesse nicht in Windmühlen, sondern in der Kernkraftentwicklung liegt und hier schon die Physik zur Skepsis zwingt, sollten doch möglichst viele Verschränkungen die höchste Kontrolle ermöglichen. Es gäbe dann neben den nationalen und internationalen Aufsichtsbehörden auch eine strukturelle Legitimation für gegenseitige Skepsis. Es kann für meine Begriffe daher gar nicht genug Kooperationen und damit Verträge der gegenseitigen Kontrolle, sprich Interdependenz geben.

Das ist ein naiver Gedanke (weil die militärische Nutzung natürlich geheim ist), vielleicht sogar ein unpolitisches Konzept. Aber die kooperative Skepsis aller gegen alle, die ist vielleicht doch eine Haltung, die Frieden erhält. Auf das Zeug sollte man ohnehin aufpassen; das ist keine Politik, sondern Physik.

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KLUG. NICHT SCHLAU.

Eine Opernarie klingt in meinen Ohren: „Oh, ich bin klug und weise, mich betrügt man nicht.“ Man darf erwarten, dass wer so von sich denkt, bald eines besseren belehrt wird. Weil im Leben die Schlauen herrschen, nicht die Klugen.

Ein junger Journalist freut sich, dass ein Branchenblatt ihn zu den Top 30 der Zunft zählt. Das sei ihm gegönnt. Ich habe ihn mal kennengelernt und als sehr sympathisch empfunden. Dann gibt er aber dazu ein Interview, in dem er herausstellt, dass eine Kollegin (sic) ihm mal gesagt habe, die WAHRHEIT sei KONKRET; das gebe ihm stets zu denken. Aha.

Nun, diese Kollegin heißt Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Ich lese die Passage in seiner Geschichte der Philosophie noch mal nach. Für den flüchtigen Leser schwere Kost. Aber das Zitat ist zu Ehren gekommen. Lenin hat es politisch missbraucht und Brecht literarisch. Seine Popularität besteht in der Unbestimmtheit. Ein ideales Motto. Eine Chiffre. Es klingt markig und verpflichtet zu nichts. So ein bisschen wie die Songs von Bob Dylan. Authentisch halt. Leicht dahergesagt, inhaltsschwer klingend, am Ende aber doch ein leeres Rätsel.

Was also will die Freundin namens Hegel? Es sei die Aufgabe der Philosophie, der VERSTANDESERKENNTNIS etwas gänzlich anderes entgegen zu halten, die VERNUNFT. Der Verstand erschien ihm, dem alten Hegel, abstrakt, die Vernunft dagegen als konkret, weil sie auf das WAHRE ziele. Und die WAHRHEIT, das hatten wir schon, ist KONKRET. Diese Philosophie hat etwas vertracktes; ein gesunder Menschenverstand verzweifelt an ihr, weil er einfach nicht weiß, wovon sie spricht. Zumal, wenn sie den belehrenden Zeigefinger im Namen der Vernunft erhebt, die den Verstand zu belehren gedenkt.

Dem Stahlunternehmer und Bonvivant Jürgen Großmann verdanke ich ein Wort über einen anderen Herrn, der hier wie überhaupt der Erwähnung nicht wert ist. Er sagte, dieser, der Gescholtene, sei SCHLAU, aber nicht KLUG. Das Schlaue, die vielen kleinen Kalküle, die Ränkespiele und Intrigen, das wäre dem alten Hegel zu abstrakt; das Kluge, die Erkenntnis höherer Wahrheit, dagegen konkret. Nun gut, das klingt klasse, aber verstehen, verstehen tue ich es letztlich nicht.

Im Journalismus, jedenfalls dem investigativen, meint KONKRET etwas anderes, nämlich vornehmlich das Deftige. Beispiel: Bedeutungsschwere Bilanzen, wenn sie als Skandal fliegen sollen, brauchen „Nutten und Koks“. Darum fliegt Wirecard, aber CumEx fliegt eben nicht. Zu wenig Banalitäten zur Bedienung der niederen Instinkte. Unter uns: Darum ging es Hegel für meine Begriffe eher nicht.

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Die Wende der Energiewende? Das ist sie wieder, die DDR!

Politik soll sinnvoll wirken, selbst dort, wo schlichte Willkür und blanker Irrsinn herrschen, versucht sie den Eindruck zu erwecken, sie folge irgendeiner höheren Logik. Politik will konzise und konsistent erscheinen, als Sachlogik ohne Alternative. Das ist in einer endlosen Folge von Ausreden und Verdrehungen die größte aller Lügen, die Lebenslüge einer machterhaltenden Demokratie.

Nichts ist alternativlos. Nichts ist zweifelsfrei. Der Wähler erwartet ein stimmiges Gesamtbild, ein Gemälde der Welt, so wie sie ihm gefällt. Die Politik hat aber nur ein Sammelsurium an Puzzlen, die sich nicht zusammenfügen, und wenn dann mal einige Puzzle-Stücke zusammenpassen, fügt sich nichts zum Gesamtbild. Die bittere Erkenntnis würde der Wähler, fürchten die Politiker, nicht verzeihen, deshalb heißt Politik in diesem Land: Es wächst zusammen, was nicht zusammen gehört. Wendelogik.

Das Volk will belogen sein. Welche Lügen es hören möchte, das finden die Demoskopen heraus, und liefern so das Herrschaftswissen für die Propagandamaschinerie. Tell me lies, sweet little lies? Nein, nicht ganz. Da der Wähler nämlich  verführt und nicht vergewaltigt werden möchte, gibt die von der Demoskopie geleitete Politik eben diese Logik nie zu. Sie sagt, dass sie die Wahrheit sage, eine Wahrheit ohne Alternativen, weil der Wähler seine Wunschbilder als Wirklichkeit präsentiert haben möchte.

Energiewende: Es begann mit der Erderwärmung und dem Weltuntergang durch Treibhausgase. Danach hätte man nur noch auf die Sonne ( ein galaktischer Kernreaktor) und den durch die Sonne erzeugten Wind setzen dürfen. Warum diese Energieträger als “ erneuerbar“ gelten, versteht niemand, der bei Verstand ist, aber gut; darum geht es ja nicht. Wir wollten angenehm leben, ohne die Natur zu verzehren.

Die rot- grüne Bundesregierung unter Schröder gab dann mit einem sogenannten Ausstiegsbeschluss den Kernkraftwerke eine über Jahrzehnte reichende Bestandsgarantie. Die schwarz- gelbe hätte das gern bis zum Sankt Nimmerleinstag verlängert. Aber dazu hatte die Atomlobby sie in protzigen Anzeigen und durch Prahlen mit Verhandlungsdetails öffentlich billig gemacht, was dem Wähler, der verführt, aber nicht vergewaltigt sein will, nicht gefiel.

Japan wurde von einem unterseeischen Erdbeben heimgesucht und erlitt einen Sunami. Dabei zeigte sich, dass eine sieben Meter Mauer kein hinreichender Schutz gegen eine neun Meter hohe Welle ist. Das hat die Physikerin Merkel angeblich echt überrascht. Die Überraschung teilten große Teile der Atomwirtschaft. Man glaubt es nicht. Wahr war: Fukushima schlug sich in der Demoskopie nieder, also wurde gewendet, was gewendet werden musste.

Jetzt qualmen sie wieder die Braunkohlekraftwerke in der Lausitz und im Rheinland. Der Duft  der DDR erfüllt wieder unsere Luft. Und die Energiepolitik geht in die staatliche Chaosverwaltung zurück, die wir aus der DDR kennen. Die FAZ diagnostiziert Planwirtschaft.  Dazu passt dann freilich auch, dass die Spitze des Staates von zwei ehemaligen DDR-Bürgern besetzt ist. Welcome home!

Will der Wähler das wissen? Ich debattieren mit dem fabelhaften Dottore Marco Scatiggio in Harry’s Bar. Marco weist auf eine Situation an der Theke. Eine sich deutlich dem Rentenaltern nähernde Damengruppe, modisch in jugendlichen Gewändern auftretend, von insgesamt drei Grazien hat sich dort installiert und lässt die Blicke erwartungsvoll durch den Raum schweifen. Man sucht Anschluss. Marco fragt mich nach einem Eröffnungsthema für ein Anbahnungsgespräch. Scherzend rate, die Damen auf ihre Enkel anzusprechen, weil das doch ein Lieblingsthema aller Omas sei.

Ich habe es kaum ausgesprochen, als sich aus der Ecke die bei Harry notorischen Stecher Luigi und Domenico lösen, an die Bar stiefeln und intonieren: „Meine Damen, Sie werden hier nichts bestellen können, weil das das Haus streng auf Volljährigkeit achtet. Dürfen wir Ihnen behilflich sein? “ Ich denke, das ist zu dick, viel zu dick. Marco grinst und sagt, ich solle es abwarten. Er summt den alten Barschlager  „Tell me lies, tell me sweet little lies…“

Der Wähler will belogen werden, und zwar nett. Verantwortlich für diese propagandageleitete Politik ist deshalb der Wähler. Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient. Ach so, ja, die Ladies sind dann kichernd mit den beiden Stechern abgezogen. Eco qua? Ach, der Marco; als Mediziner kennt er die Menschen. Und als Italiener kann er mit Frauen. Und er weiß, was er tut, ein Philosoph. Vielleicht geht er mal in die Politik. Er könnte es.

Quelle: starke-meinungen.de