Logbuch
ANGEBEREI.
Die amtierende Bundesministerin des Äußersten interpretiert ihre Rolle als feministisches Vorbild für die Völker der Welt. Und verbittet sich amtlich jedweden Spott. Das geht, sage ich voraus, schief.
Frau Baerbock gibt sich eine Rolle, die sie nicht mit Substanz zu nähren weiß, sondern so notorisch untererfüllt, dass man die Differenz von Anspruch und Erfüllung peinlich bemerkt. Der Rock der Dame ist zu kurz. Sie meint dazu aufgerufen zu sein, Südafrika Noten zu geben und gönnerhaft dem Land eine Vorbildfunktion zuzuweisen. Das hören die gern von ehemaligen Kolonialmächten. Ein Leuchtfeuer der Hoffnung. So steht es in ihrem Manuskript. Die Vokabelkenntnis ist aber unzureichend. Die Minderbegabte spricht stattdessen vom Speck der Hoffnung.
Das kann passieren. Nicht passieren darf, dass „das Amt“ dann dem Volk seine Lust am Witzereißen untersagt. Wir haben von ihr lernen müssen, dass sie in London Völkerrecht studiert haben will und dass es mit ihr nun eine feministische Außenpolitik gebe. Wenn die Heroin dann mit der Qualifikation einer Realschülerin radebricht, so ist Parodie erlaubt.
Lektüre-Empfehlung: Man lese „Der Bürger als Edelmann“ von Molière; eine wunderbare Satire auf die Angeberei von Minderbegabten, die sich zu Höherem berufen fühlen. Übrigens ein Stück mit außenpolitischem Hintergrund. Es ging um die Prunksucht der Osmanen. So nannte man damals, liebe Frau Baerbock, die Türken. Das ist, wo diesen Erdowan Chef ist. Aber Speck geht nicht, weil vom Schwein. Was Speck angeht, sind die da voll vegan, die Osmanen. Das nur zur Ministerinstruktion.
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ALPTRAUM.
Seit Menschengedenken träumen wir. Und manchmal nicht nur wünschbares, sondern böse Inhalte. Ich werde dann wach und muss mir selbst versichern, dass es nur ein Traum war. Sofort schlafe ich wieder ein. Denn Träume sind ja nur Schäume.
So ganz auf die leichte Schulter hat man Alpträume nicht immer genommen. Den Alten erschienen sie als Vorboten des Schicksals. Man glaubte an Elfen (oder Alpen) als Schattenwesen und Todesbotinnen. Der Wiener Bildungsbürger Sigmund Freud hat dem Irrationalen einen vernünftigen Anschein verliehen und es analysiert als Mischung aus Tagesresten und seelischen Abgründen. Das scheint mir plausibel, die Vorstellung einer nächtlichen Verdauung der Seele.
Jetzt aber zu dem, was mich wirklich ärgert. Meine Träume sind schlicht banal. Nicht Sagengestalten der Antike treiben mich um. Es drohen keine Menschheitskatastrophen. Oder auch nur Peinliches. Mein Alptraum besteht darin, dass ich telefonieren muss und mein Handy geht nicht. Darüber werde ich im Traum rattendoll.
Wie abhängig kann man von dem kleinen Scheißding sein?
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DÜNNES EIS.
Oxford und Cambridge sind für mich die Geburtsorte der REDEFREIHEIT. Ich habe dort nie gehört, geschweige denn gelesen, empfinde aber eine Ehrfurcht vor „free speech“, die der Debatte aus Sportsgeist frönt (und nicht zur Vernichtung von vermeintlichen Feinden pervertiert). Das ist „academic freedom“; das war es zumindest. Das Eis wird dünner.
Ich lese ein Essay von Amia Srinivasan, einer jungen Philosophin aus indischer Familie und mit amerikanischer Bildung, jetzt als erste Frau und „person of color“ auf einem Lehrstuhl ältester Oxford-Tradition. Quelle: LRB 29. 06.23, S. 3 ff. Sie ist mutig und vorsichtig zugleich. Anlass ist die Ernennung eines „free speech tsar“ nach gesetzlicher Vorgabe. Der Herr heißt Arif Ahmed und ist ein Rechter, den man gerade noch liberal nennen kann. Die Professorin hält eine rechts-links-Tektonik aufrecht; mutig und richtig.
Die Uni-Öffentlichkeiten werden von ideologischen Zensurwellen erschüttert, die rabiat polarisieren. Ich werde mich dazu in keiner Weise inhaltlich äußern, aber andeuten, worum es den Rigorosen geht: Kolonialismus, Klimawandel, sexuelle Belästigung, Geschlecht. Wenn dabei ein Killerwort wie TERF fällt, dann ist das „trans-exclusionary radical feminist“, also eine Position, der vorgeworfen wird, eine transsexuelle Identität nicht als vollwertig weiblich anzuerkennen. So demographisch marginal die Themen, so hysterisch die Verfolgung abweichender Meinung.
Dabei geht es auch um Kathleen Stock, verfemte Philosophieprofessorin in Sussex, deren Entlassung eine verdeckte Gruppe „Anti Terf Sussex“ gefordert und erreicht hat. Gegen einen OBE-Orden für Dame Stock protestierten 2021 über 700 ihrer Kollegen in einem Protestbrief, die sie dabei der Transphobie bezichtigten. Die Rezensentin meint erwähnen zu müssen, dass Stock sich aber eben auch patzig auf Instagram zu den Vorwürfen geäußert habe. Sie zitiert eine zwischenzeitlich gelöschte persönliche Invektive. Nach Korrektur? Hallo?
Aber auch positive Dinge sind zu berichten. Sie habe als Professorin einen Studenten / eine Studentin unter woker Flagge mit den falschen Pronomina bezeichnet, sich aber sofort entschuldigt und nichts sei nachgekommen, wird geradezu erleichtert berichtet. Wie bitte? Da grüßt eine „summa cum laude“ Promovierte den Gessler-Hut eines woken Essex-Girls? Verstehe ich das richtig? FUROR gehörte früher dazu.
Als das Eis noch trug, galt der Satz von Rowan Atkinson, nach dem das Recht zu beleidigen über dem Recht stehe, nicht beleidigt zu werden. Wer das ist? Nein, kein Oxford-Prof. Das ist der Nationalcharakter Mr. Bean. Man frage den neuen Zaren der Meinungsfreiheit, wie er dazu steht.
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Legal, illegal, scheißegal
Wie ändert man das Grundgesetz? Mit einer Zweidrittelmehrheit im Parlament? Wie altmodisch. Und kompliziert; dann will jeder Clown mit Mandat gepudert werden, damit er richtig abstimmt. Wir haben Modernisierungsbedarf. Die Verfassung sollte, so das Denken in den Kindertagen der Republik, Bestand haben. Was aber, wenn Dinge passieren, die nicht verfassungskonform sind? Was, wenn die Demoskopie sagt, der Wähler sei über dies oder das nicht amüsiert? Dann muss man dieses vermaledeite Grundgesetz doch zügig und flexibel anpassen können. Das haben die Väter des Grundgesetzes leider nicht bedacht.
Die Änderungsgeschwindigkeit, die heute zeitgemäß ist, zeigt sich beispielhaft und mustergültig beim Atomausstieg. In Japan ein Erdbeben, Töpfer aus dem Altenheim geholt, e-Tick-Kommission eingesetzt, Gesetz geändert. So geht das unter dem flexiblen Normalismus der Angela Merkel. Das Wertegerüst dieser Konservativen hat das Motto: „Gib Zeichen, wir weichen!“ Gemeint ist damit der Zeitgeist. Der Zeitgeist ist die Stimme des Volkes, sprich das Kalkül mit dem nächsten Wahlergebnis. Wenn der Mob nicht an die Verfassung glaubt, dann muss halt die Verfassung dran glauben. Und wenn im Sudan die Botschaft brennt, dann bitte kein Öl ins Feuer. Appeasement, zu deutsch: Schwanz einziehen.
Fukushima ist ein politisches Paradigma. Die Demoskopie ersetzt die Demokratie. Aber nicht immer kann man mit einem rechtzeitigen Tsunami rechnen. oder einem passenden Kriegsgrund gegen einen unpopulären Feind. Oder einen Terroristen in einem Kaff am Ende der Welt liquidieren lassen. Die Politik hat es, wir seufzen, nicht leicht. Da hilft dann nur, das wissen wir jetzt, eine dänische oder koptische Lösung mittels Karikatur oder YouTube-Filmchen.
Wie schafft man es, dass der Schwanz mit dem Hund wackeln kann? Man lässt irgendwo irgendwen ein Tabu brechen, mit dem sich weltweit, hier und dort, ein Pöbel auf die Strassen treiben lässt, der dann Flaggen verbrennt, Botschaften stürmt und zu Rachemorden aufruft. Das einsinnige Spektakel wird für Fernsehkameras vieler Orts inszeniert und von den TV-Sendern um die Welt getragen. So wird eine Posse zur globalen Welle. Die Welt scheint zu brennen. Im Internet nennen das die dort abonnierten Nutzer einen „shitstorm“, eine nicht mal unpassende Metapher.
Reflexhaft finden sich nun deutsche Politiker, die wesentliche Verfassungsrechte aussetzen wollen, um den Zorn des Mobs aus diesem oder jenen Slum zu beruhigen. Schafft den Säkularstaat ab. Muss der unerträglich westliche „freedom of expression“ nicht zurückstehen, wenn sich Mullahs beleidigt fühlen oder das fadenscheinig vorgeben, um ihre Gläubigen politisch zu verhetzen? Vergessen wir das mit der Meinungsfreiheit und führen ein generelles Blasphemieverbot ein. Gebt den Imanen das Sagen. Oder dem Papst. Oder einer amerikanischen Sekte. Willkommen in der Stimmungsdemokratie. So ändert man heutzutage die Verfassung. Der Rechtsstaat ist nun, was Lenin einen „nützlichen Idioten“ genannt hat.
Quelle: starke-meinungen.de