Logbuch

A LONGTONGUED BABBLING GOSSIP.

Das ist eine Schmähung von Shakespeare aus Titus Andronicus, 4. Akt, 2. Szene. Meint ein Gelaber. Es geht um jemanden, der seiner Gattin den eigenen Hund serviert.

Lese eine historische Abhandlung über Octavian, jenen römischen Prinzipial, der den Ehrentitel AUGUSTUS annahm. Dabei wird oft auf die dürftige Quellenlage hingewiesen. Nichts genaues weiß man nicht. So wird nach einiger Zeit der Nachruhm zur Geschichte, also das Urteil von Neidern, Idioten oder Verbrechern. Selten das der Verehrer, nie Ausgewogenes. Ach, lieber vergessen als verkannt.

Mir hat der große Ulrich Suerbaum mal erzählt, dass große Teile dessen, was wir über die römische Antike wissen, dem Elisabethaner William Shakespeare zu verdanken seien, einem skrupellos plagiierenden Bühnendichter mit merkantilen Interessen. So habe der ermordete Julius Cäsar erst Mitte des 16. Jahrhunderts „Auch Du, Brutus!“ gerufen, nicht schon anderthalb Jahrhunderte zuvor. Suerbaum war der erste Ordinarius der neugegründeten Ruhr Universität Bochum und Kopf der Shakespeare-Gesellschaft; er konnte Stunden über das Testament des Dichters reden, weil zumindest das sicher von dessen Hand.

Mich hat erschüttert, dass dieser englische Titan nur fünfzig Jahre alt geworden ist und es ganze Jahrzehnte in seinem Leben gab, von denen man nichts weiß, die sogenannten verlorenen Jahre. Das kann Angela Merkel nicht passieren, deren uninspiriertes Geschreibsel die Regale füllt. Ihr Versuch der eigenen APOTHEOSE ist misslungen. Das Land leidet noch immer unter der routinierten Vernachlässigung aus ihrem Regnum.

Suerbaum übrigens war ein ganz typischer Prof meiner Universität, ein bescheidener und unauffälliger Mann großen Wissens und ohne jede Prahlsucht; das ist ja nicht allen Geschöpfen meiner Alma Mater gegeben. Ich blättere regelmäßig in dem Handbuch „The little book of Shakespeare‘s insults / The bard‘s best barbs“, eine umfängliche Sammlung wortreicher Beleidigungen. Allzeit bereit.

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DER VERKEHRSUNFALL.

Der Dichter Bert Brecht hat geraten, die Dramen der Zeit zu behandeln wie Verkehrsunfälle. In der sogenannten Straßenszene solle man in aller Ruhe nachstellen, wer am Crash Schuld sei. Es geht nicht um moralische Schuld, sondern Ursachenforschung. Hypothetisch gesprochen. Folgen wir dem Rat.

Die Annahme sei: In einem Gespräch über Sexismus bei der Besetzung von Führungspositionen nennt eine hochstehende Persönlichkeit die einzige Frau im Vorstand der AG, die gerade vor ihm steht, ein „Feigenblatt“ und eine „Alibi-Tusse“; nur mal angenommen. Dann klagt er über einen Anwalt dagegen, weil er das mit der Tusse gar nicht gesagt habe. Man soll damit zugleich glauben, dass das Attribut „Feigenblatt“ in diesem Zusammenhang keine Beleidigung sei.

Was bei der Ursachenforschung nicht zu gelten hat, ist die Frage, ob der Anwalt unserer Straßenszene auch schon bei anderen Verkehrsunfällen ein Mandat hatte. Man verunglimpft Anwälte nicht wegen früherer Mandate. Sie sind Organe der Rechtspflege. Punkt. Was also hätte bei unserem Fallbeispiel der Vorwurf des intentionalen Exotismus (vulgo Feigenblatt) für Folgen in der Beurteilung der Persönlichkeitsrechte der „einzigen Frau im Vorstand“, darf man fragen. Ich würde die öffentliche Verteidigung der Dame als PR-Manager übernehmen (und es würde, glauben Sie mir, Steine regnen).

Man könnte einwenden, dass das Fallbeispiel falsch gewählt sei, ein Falschbeispiel. Nun gut. So wehre auch ich immer Hypothesen ab. Eine Verteidigung des SPD-Kanzler-Kandidaten als Charakterkopf fiele aber leichter, hätte man nicht seiner Entlassungsrede über seinen Finanzminister, den FDP-Chef Christian Lindner, lauschen müssen, die für viele Zuhörer ein Stakkato an Ehrabschneidungen war, in kaltem Kalkül niedergeschrieben und kühl vom Blatt vorgetragen. Eine Verteidigung der SPD fiele leichter, hätte der Fraktionsvorsitzende nicht das parlamentarische Wirken der CDU im Wortsinn verteufelt. Es sei das Tor zur Hölle geöffnet worden. In diesem Kontext sollte auf dem Empfang der Lobbyisten Harald Christ & Joschka Fischer im Capital Club der Kanzlerkandidat der Union als Person diskreditiert werden. Das ist der politische Kontext.

Der Kausalnexus liegt darin, dass man Friedrich Merz als Person nicht vertrauen könne. Das mag sein; ich maß mir kein Urteil an. Auch nicht auf der Geburtstagsfete von Ex-Sozi Christ mit einem Glas Wein in der Hand. Und wenn ich Herrn Scholz in der Folge dieses Verkehrsunfalls Giftzwerg nenne, so bitte ich das als Meinungsäußerung im Wahlkampf zu bewerten; ein würdiger Nachfolger von Brandt, Schmidt, Schröder ist dieser Mann jedenfalls für mich nicht.

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SCHLECHTER UMGANG.

Meine Frau Mutter hat sich zeitlebens Sorge um meinen Umgang gemacht; so nannte sie die Milieus, mit denen ich so zu tun hatte. Die Sorge war mehr als berechtigt. Alle jetzt folgenden Personen gehören dazu. Ich kennzeichne jeweils durch einen Stern.

Der Prommi-Anwalt Schertz* vertritt Olaf Scholz*, weil der einen schwarzen Politiker des Berliner Senats als Feigenblatt und Pausenclown bezeichnet hat; und zwar auf der Fete des stets frohgestimmten Harald Christ*. Das sei nicht rassistisch konnotiert, lässt sich der Pöbel-Kanzler* nun öffentlich ein. Wie wäre die Lage, Alice Weidel* hätte das gesagt?

Der Plagiatsforscher Weber* weist Robert Habeck nach, dass er Primärliteraturlektüre nur simuliert, stattdessen bei Bolz* und Eco* kupfert. Weber* wird vorgeworfen von einem IT-Unternehmer aus Urbar (Koblenz)* geschmiert worden zu sein, der einen gestürzten BILD-Chef* sponsert, was Weber* bestreitet. Weber* selbst hat inzwischen thymotische Züge; er ist böse, hat aber Belege.

Insbesondere Eco* ist gefährlich für den naiven Plagiator, weil er nachlässig zitiert und man bei blinder Übernahme seiner Fehler der Gelackmeierte, sprich der Überführte ist. Ich* habe drei Bücher in seine Bibliothek eingeschmuggelt, die komplette Fälschungen sind. Und der gelernte Stamokap-Mann Scholz verliert als Wahlkämpfer die Nerven, weil er die schwindende Immunität braucht, wenn bei Cum-Ex Tacheles geredet wird.

Zwei Fragen, zwei Antworten. Wenn Du behauptest, mit Messner* auf den Mont Blanc gestiegen zu sein, aber Du nur in Winterberg auf den holländischen Idiotenhügel warst, dann bist Du ein Betrüger. Habeck simuliert dergestalt Bildung.  Eco* und Bolz* sind meine Zeugen. Wenn Du einen Menschen anderer Hautfarbe zum Exoten erklärst, ist das ein so übler Zug, dass nur das Argument zöge, dass Du besoffen warst. Man redet von einem Glas in der Hand des Giftzwerges*. Vielleicht hilft das.

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Die Körnerfresser greifen nach der Macht – wer hätte das gedacht?

Sind die Grünen eine Volkspartei? Gar die einzig erfolgreiche? Es reiben sich Politiker, Journalisten und Meinungsforscher die Augen. Ein Umbruch im Zeitgeist wird prophezeit – die Bio-Republik breche an.

Mich plagen Zweifel. Dem genialen Publizisten Vijai Sapre („Effilee“, eine Zeitschrift für Kulinaristik, mit einem Journalismus, den man ansonsten nur im „New Yorker“ findet) verdanke ich die kühne Frage: „Wie braun ist bio?“ Der Hamburger Kulinarist bezieht das natürlich nur auf den kleinbäuerlichen Lebensmittelkult der Bio-Fans, aber die Frage hat etwas. Ich weiß nur noch nicht, was. Und dann stolpere ich über einen Satz zu Renate Künast, der Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Bundestag, die in der Hauptstadt als Regierende Bürgermeisterin in spe antritt. Es geht darum, dass sie erwägt, die Regelung umzustoßen, nach der in Berlin junge Lehrer als Angestellte besoldet werden und nicht schon zum Karrierestart in die Tretmühle eines Berufsbeamtentums hineingebettet werden.

Künast zögert, lese ich, weil ja Beamte die Kernunterstützer dieser Partei seien. Ja, glaubt man das?

Mehrwertsteuersenkung nicht für Hoteliers wie bei der FDP, jetzt bei den Grünen dicke Bezüge lebenslang für Beamte?

Generationsbedingt kenne ich viele Spitzenpolitiker der Grünen noch aus der Zeit, in der sie als studentische Revoluzzer im Kommunistischen Bund Westdeutschland den Sieg im Volkskrieg ersehnten und die allgemeine Volksbewaffnung forderten.

Der Demoskop glaubt, dass die aktuellen Zahlen von 20 bis 24 prozentiger Zustimmung für die Körnerfresser-Fraktion im deutschen Parteisystem durch ein vorübergehendes Parken der Stimme seitens frustrierter SPD- und CDU-Anhänger zustande kommen. Eine Stärke der Grünen liegt sicher in der Schwäche der klassischen Volksparteien SPD und Union und dem Verpuffen der FDP.

Sieht man die Größe der Lager links und rechts nicht nur nach dem Anteil an den abgegebenen Stimmen, sondern an der Anzahl aller Wahlberechtigten, liegen sie jeweils nur bei 20 Prozent. Absolute Mehrheiten gehören unwiderruflich der Vergangenheit an, vielleicht sogar regierungsfähige Mehrheiten.

Denn das ist allen Demoskopen klar: Die Volksparteien sind in sich zusammengefallen. Der Kulinarist Sapre denkt an ein Soufflee, jenes zarte Gebilde, das, falsch aus dem Ofen gehoben, in sich zusammenfällt und nur noch aussieht wie ein pappiges Plätzchen. Und Forsas Güllner weiß, dass das Phänomen der Implosion der Volksparteien, dieser Kartenhauseffekt des Ermattens, struktureller Natur ist.

Man muss den Grünen nicht misstrauen wie der Gourmet und der Zahlenakrobat, aber auffällig ist schon, dass sie nicht so richtig zu sagen wissen, wofür sie eigentlich stehen. Noch schlimmer ist, dass auch ihre potentiellen Wähler eben dies nicht wissen, gleichwohl aber angetan sind.

Und damit sind wir beim Kern: Alle Parteien wandeln sich. Sie sind künftig keine wert- und gesinnungsgetriebenen Tendenzbetriebe mehr, die man mit Attributen wie rechts und links messen könnte. Auch ehedem so schwere Vokabeln wie bürgerlich oder sozialliberal sagen nichts mehr.

Man vertritt alles, von dem man denkt, dass es eine Mehrheit der Menschen insgeheim denkt; so geht Populismus. Am klarsten zeigt das in der Union der Zorn der letzten Konservativen alten Schlages gegen die Merkelisierung, denn die neue Generation der Konservativen verkörpern Ursula von der Leyen, Norbert Röttgen und Karl Theodor zu Guttenberg (vulgo: Agent 007). Den fränkischen Popstar als Kriegsminister einmal außen vor gelassen, von der Leyen ist so schwarz wie rot, so wie Röttgen so grün wie schwarz ist.

Wir sind auf dem Weg in die Demoskopie-Demokratie, fürchtet Merkel. Nein, wir sind auf dem Weg in die Demagogie-Demokratie. Und jetzt reden wir dann doch über KTG. Ein politisches Genie der neuen Zeit, der uns, nur ein Beispiel, ein Söldnerheer verkauft, indem er sich flott kleidet, stets mit Gottessegen auf den Lippen im Vagen rezitiert und bübisch lächelt.

Die Demagogie-Demokratie will unterhalten sein. Dann stimmt die Stimmung wieder. Monarchen werden geliebt, von Untertanen, von den neuen grünen Untertanen, die überall mitreden wollen, aber nichts entscheiden und rein gar nichts verantworten. Das ist es, was die Körnerfresser verkörpern: Alle dürfen mitreden, niemandem droht die Verantwortung. Der linke Marsch durch die Institutionen, den die heutigen Grünen einst begannen, hat genau hier seinen epochalen Triumph gefunden: Öko-Hedonismus mit Pensionsgarantie. Eine Republik von Staatsbestallten und Fürsorgeempfängern, die sich ihren gemeinsamen Traum von freilaufenden Hühnern erfüllen.

Quelle: starke-meinungen.de