Logbuch

AMPEL AN.

Die neue Bundesregierung steht. Was habe ich zu meckern? Nichts. Die Ampel repräsentiert die linke Mitte mit einer Mannschaft mittlerer Qualität. Ich erleide einen Anfall von Altersmilde.

So schlecht war das nicht, was die SPD unter Lars Klingbeil und Olaf Scholz da gekonnt hat. Kluges Kalkül mit Konsequenz durchgesetzt. Aus alten Fehlern gelernt. Mit Wasser gekocht? Klar. Aber gekocht. Die Eier sind hart. Das gilt auch für die FDP unter Christian Lindner. Und die Grünen unter Robert Habeck. Für die Ampel insgesamt. Ob ich etwas geraucht habe? Nein. Vor dem Frühstück getrunken? Nein. Nehme ich Valium? Im Leben nicht.

Natürlich sehe ich die mittleren Talente in dieser Riege, die da ins Kabinett einrückt. Natürlich hat der künftige Kanzler Vertraute um sich versammelt. Natürlich ertrage ich den Bullerbü-Ton der Dame aus dem Völkerrecht nicht. Aber: Wie es nicht (!) geht, das sieht man ja an der LINKEN und an den KONSERVATIVEN der UNION (ja, auch an der AfD, aber das steht ja nicht zur Debatte).

Ich lerne, dass MALU das Konzept der Ampel, jedenfalls das der NEUEN SPD erdacht habe. Ist das so? Dazu will ich nichts anmerken, da ich zeitweise in deren Hoheitsgebiet lebe. Wenn sie den Ruhm will, soll sie ihn haben. Und die Berliner Koalition (r2g) soll etwas ähnliches sein, die da von Franziska Giffey angeführt wird. Auch dazu mag ich als zeitweiser Berliner nichts sagen. Wenn sie den Ruhm will... Jedenfalls ist dies die linke Mitte der Gesellschaft, repräsentiert von Mannschaften mittlerer Qualität, angeführt von mittleren Talenten.

Was bleibt, ist die Hoffnung, dass das reicht.

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ZUMINDEST NICHT SCHADEN.

Die Schrecken der Pest fördern Radikales. Und sei es nur die Lockdown-Illusion. ALLGEMEINE AUSGANGSSPERRE. Polizei soll das strenger kontrollieren. So geht Ethik nicht.

„Das Kind mit dem Bade ausschütten.“ So lautet eine plausible Warnung aus Zeiten, als der Nachwuchs noch in Waschzubern gereinigt wurde. Und nicht in der Gosse landen sollte. Sinnbild der fehlenden VERHÄLTNISMÄSSIGKEIT. Der kluge Jurist erlaubt dem eingreifenden Staat immer nur das „mildeste Mittel“. So geht ethisches Handeln, wenn es um STAATLICHEN ZWANG geht. Stattdessen der rigorose Ruf nach der Polizei: MEHR KONTROLLE.

Überhaupt sind Ärzte vorsichtig mit moralischen Ansprüchen. NOLI NOCERE, das ist ihr Motto: „Zumindest nicht schaden!“ Das wäre ja schon was. Aber in den Konversationsrunden der Glotze, den Talkshows der notorischen Schwätzer, sitzen die Weltverbesserer der einfachen Mittel. Und die Trolle auf Twitter toben hinterher. Man spürt allenthalben die Sehnsucht nach der LEPRA-STATION.

Wie schwer ist es, MASS & MITTE zu finden, geht mir durch den Kopf, während Anne Will und Markus Lantz die Babies ins Abwasser wünschen. Leichtfertige, ja, billige Prätention der „chatting classes“. Ach, ich werde es echt leid, dieses Maulheldentum.

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DER DOM-SCHATZ.

Der schlechte Eindruck, den die katholische Kirche zu Köln beim Thema KINDESMISSBRAUCH hinterlässt, den hat sie sich was kosten lassen. Gut zwei Millionen € an Beraterhonoraren. Das sind Gutachten, derer zwei, und Presseanwälte und eine PR-Firma aus Leipzig, die die Krisenkommunikation verantwortet.

2, 8 Mio. €? Eine Stange Geld, wenn das stimmt. Aber der Klerus hätte es ja. Beziehungsweise kriegt es ja. Der Staat zieht die Kirchensteuer für ihn ein. Und die Kardinäle werden seit der Säkularisation eh vom ihm entlohnt, also von unseren Steuern, übrigens nicht so ganz schlecht.

Berater werden nach der Dauer der Beratungsleistungen bezahlt; sie haben sogenannte Stundensätze; so wie beim Mindestlohn, der bald 12€ sein soll. Die Leipziger PR-Agentur soll einen Satz von 460 € (netto) pro Stunde angesetzt haben, zitiert die BILD eine Unterlage des Bistums und es bei Woelki auf fast 1800 Beratungsstunden gebracht haben. Das nenne ich gründlich beraten!

Für mein Empfinden geht es um die Frage, ob die im Zölibat lebenden Diener Gottes so was wie ein Naturrecht auf sexuellen KINDESMISSBRAUCH haben oder nicht. Und ob eine solche Delinquenz, so sie rauskommt, auch noch der Justiz, also außerkirchlicher Bewertung, unterliegen soll oder nicht. Und ob nicht der Kardinal die Pflicht hat, die Kirche, also das Papsttum, vor solchem weltlichen Ansinnen zu schützen, er, der den Papst vertritt, der als Nachfolger Petri der Stellvertreter Christi ist, immerhin Gottes Sohn. Und da kommen die mit einem Staatsanwalt? Hmmm.

Aus katholischer Sicht ein komplexes Thema, über dessen Bild in der Öffentlichkeit man leicht schon mal 1800 Stunden lang beraten kann.

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SINTFLUT.

Wir denken in Bildern. Aber eben nicht in neuen, frischen Fotos, sondern in ganz alten. Zumal in Momenten der höchsten Not, da sehnen wir uns nach den Nothelfern, die irgendwo in der Tiefe unserer Seele begraben sind. SCHUTZHEILIGE sind gefragt. Ich erinnere ein solches Nothelferbild aus dem Jahr 2002. Wir hatten eine Flutkatastrophe, weil das Wasser der Elbe nicht aufhören wollte zu steigen. Der Osten versank in den Fluten. Da sehnen sich dann auch gelernte Atheisten nach dem alttestamentarischen NOAH, der vor der Sintflut rettet. Oder nach SANKT CHRISTOPHORUS, der auf alten Bildern das Jesuskind auf seinen Schultern durch die Fluten trug. Und wer gab diese Nummer? Der Wahlkämpfer Gerd Schröder. In Gummistiefel und einem Regenparka des Grenzschutzes. Ernstes Gesicht, vor Ort, sich kümmernd.

Sein Gegner Edmund Stoiber saß im Kurzurlaub auf einer Nordseeinsel und zankte sich am Telefon mit seinem Spin Doctor, ob er wirklich „vor Ort die Rettungswege verstellen“ sollte. Als sein PR-Manager, der ein guter Mann war, ihn dann doch noch überzeugt hatte, ließ er den Osten Osten sein und flog nach Passau. Voll daneben. Schröder schaffte mit seinem Nothelfereinsatz die Wende im Wahlkampf und blieb Kanzler. Stoiber, der Sperrige, blieb in Bayern, wohin es ihn ja gezogen hatte. Schröder reaktivierte symbolisch einen ARCHETYP, das war seine Genialität.

Ich erinnere noch ein Detail. Schröder verstand es den Inszenierungscharakter zu leugnen und Authentizität zu erzeugen; ein schwieriges, weil kontrafaktisches Manöver. Er gab sich gegenüber der ihn begleitenden Presse, sprich den Kamerateams unwillig. „Jetzt lass das doch mal!“ herrschte er eine Tonfrau an, deren Mikrogalgen wegschiebend. Natürlich ging das über den Sender. Es zeigte ja, dass es dem Heiligen Gerd um die Menschen in Not ging, nicht um eine Show. Solche PARADOXIEN muss man können. Gerd Schröder hatte das im Blut.

Und Helmut Schmidt, dessen Einsatz bei der Flutkatastrophe 1962 ihn lebenslang zum Helden machte. Barack Obama gehört auch zu den Nothelfern, die CHARISMA gewannen, weil sie sich so zeigen konnten, dass die Menschen glaubten, von ihnen Hilfe erwarten zu dürfen. Was braucht es? Zwei Dinge. Erstens die unbedingte Schamlosigkeit, das Elend der Menschen zu einem PR-Stunt auszunutzen. Zweitens das Talent der Paradoxie, nämlich eine Inszenierung als authentisch wirken zu lassen. Beides hat nicht jeder.

Man darf nicht sagen, dass es eine sehr lange Historie von Überflutungen gibt, bis in vorbiblische Zeiten. Zu der politischen Bewirtschaftung (aufschlussreicher Begriff!) von Krisen gehörte schon immer, dass man sich durch die tiefere Ursache des Unglücks selbst bestätigt sehen will. Heute der Greta-Kult, früher der religiöse Wahn. Aus dem Dauer-Regen (das heißt eigentlich Sint-Flut) wurde die Sünd-Flut, eine Rache Gottes für sündiges Leben. Auf Leugnung der pseudo-kausalen Zuschreibung folgte durch die politischen  Bewirtschafter eine massive Drohung mit Vergeltung, früher wie heute. Der Kampf gegen die Naturgewalt geht über in den Wettbewerb um die Deutungshoheit.