Logbuch
DER TESLA SCHOCK.
Was heute weltweit BIG DATA genannt wird, also die Allmacht der Daten, verstellt ein wenig das Verständnis. Es geht eigentlich um den Unterschied von INSTRUMENTEN zu INFORMATIONEN. Das ist der Unterschied von Physik zur Kybernetik.
Früher war ich zu dieser Jahreszeit immer auf einer Elektronikmesse in den USA, die dort vor einer großen Auto-Messe stattfand. Damals dämmerte den Blechbiegern, dass es künftig um mehr gehen könnte als das Radio im PKW. Heute wissen sie, dass sie ein Datenproblem bzgl. des Managements von Informationen haben, keines, was man dengeln und schweißen könnte. Leg den Hammer weg, Du Depp.
Statt in LA oder Detroit rumzulungern, gehe ich gestern im deutschen Wald spazieren, auf dem historischen LIMES, mit dem die alten Römer ihr Reich gegen das der Barbaren abgrenzten. Anders als die Chinesische Mauer oder das DDR-Unterfangen war der LIMES aber nicht dicht. Das wäre für das gewaltige Römische Reich auch nicht darstellbar gewesen, auf tausenden von Kilometern bis rauf nach Schottland. Der LIMES war eine Kette von Meldestationen, mittels direkter Sicht oder Rauch. Und befestigten Lagern, den HUBs dieser Zeit. Ein kommunikatives Unterfangen.
Es ging nicht um INSTRUMENTE, sondern um INFORMATIONEN, Du Depp (wie man im Amerikanischen so sagt, stupid). Die Römer hatten noch keinen Funk und schon gar kein iPhone. Der LIMES war das römische Internet. Die Digitalisierung der Demarkation, ha! KYBERNETIK also.
Übrigens gab es auch schon damals die Deppen des Analogen, wie die Blechbieger heute. Man erinnert nach einem Crash im Teutoburger Wald den Ausruf: „Varus, gib mir meine Legionen wieder!“ Ein Weltreich wankte. Das Gefühl kennen die Blechbieger in Detroit.
Logbuch
DER FORD SCHRITT.
Vor der digitalen Zäsur lag vor 100 Jahren die industrielle durch das AUTOMOBIL. Elon Musk ist nur die alberne Wiederholung eines alten Stücks. SPAM steht ja kurz für Dosenfleisch, nämlich Würzschinken (spiced ham). Gemach!
Die „Union Stock Yards“ im Chicago des ausgehenden 19. Jahrhunderts waren ein Schlachthof gigantischen Ausmaßes, eine industrielle Attraktion ihrer Zeit. Hier wirkten eine ganze Reihe von Motoren des Fortschritts zusammen. Hier begann damit das 20. Jahrhundert. Erstens Migration: die hungrigen Zuwanderer aus Europa bildeten ein arbeitswilliges Proletariat, das systematische Ausbeutung unter unsäglichen Bedingungen erfuhr. UPTON SINCLAIR berichtete darüber in seinem Roman THE JUNGLE, ein vielgelesenes Werk; nicht zuletzt von Bert Brecht für seine „Heilige Johanna der Schlachthöfe“.
Zweitens die Eisenbahn. Die riesigen Herden an Schweinen und Rindern kamen nicht freiwillig und auf eigenen Füßen nach Dearborn an die großen Seen. Drittens die Konservendose. Sie machte das Fleisch für einen Massenkonsum haltbar; Stichwort CORNED BEEF und SPICED HAM. Nun zu unserer Pointe: Die YARDS waren auch industriell eine Innovation. Hier wurde das FLIESSBAND erfunden. Erstmals wurde in der Tierzerlegung ein Produktionsprozess in kleinste Schritte zerlegt (pun intended). Der Arbeiter stand, die Schweinehälften und Rinderseiten zogen an ihm vorbei. Vor allem aber verlor der selbständige Metzger eine ganzheitliche Aufgabe zugunsten eines Heeres von Bandarbeitern, die jeder nur einen einzigen Handgriff zu machen hatten. Heute trägt das hierzulande den Namen von Herrn Tönnies.
Und wenn dann mal in Chicago ein zugewanderter Litauer in den Wurstkessel fiel, wurde er halt mitverarbeitet, berichtet UPTON SINCLAIR, der damit zum Begründer des Investigativen Journalismus wurde, was man „muckraking“ nannte, Schmutzaufwirblerei. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte (RUDYARD KIPLING besuchte übrigens auch die YARDS).
Man rechne also die Erfindung des FLIESSBANDES nicht länger HENRY FORD zu. Der irische Migrantensohn Ford hatte die Idee geklaut. Zu den wissbegierigen Besuchern seiner Produktion zählte dann die gesamte industrielle Elite. Mutterland USA, heute Kalifornien, damals der Mittlere Westen. Der Industriemagnat Ford kaufte sich übrigens auch eine Zeitung, um seine ideologischen Ambitionen ausleben zu können, einen Antisemitismus, der dem österreichischen Führer der deutschen Nazis sehr gefiel; aber das ist nun wirklich eine andere Geschichte.
Logbuch
ARBEIT.
Wer nur in der FREIZEIT Erfüllung findet, hat den Sinn der ARBEIT schon verloren. Man hebt ENTFREMDUNG nicht durch Party-Schneisen auf oder „Urlop“.
Ich lese Verstörendes über Frau Montessori, die Mussolini um den Bart ging. Dabei habe ich die nach ihr benannte Pädagogik immer sehr geschätzt. Anders als die Albernheiten von Herrn Fröbel, dem Erfinder der „Spielgaben“ im „Kindergarten“, nahm die Italienerin die Kleinen als Große. Sie respektierte das kindliche Spielen als ernste Arbeit, die keiner Unterbrechung durch erwachsene Erzieher bedurfte.
Mein Ernst: Montessori-Pädagogik gibt vor, was sie erreichen möchte, die Freiheit der Selbstbestimmung selbst bei jenen, die erst noch nur im Spiel sich selbst bestimmen. Das ist ein anderer Begriff von ARBEIT, den wir aus dem Mittelalter kennen, wo „arebeit“ mehr war als entfremdete Lohnarbeit, wie sie die Industrialisierung mit sich brachte. ENTFREMDUNG bekämpft man nur durch selbstständige Sinngebung. Wichtiger Begriff beim frühen Marx; aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.
Ein Bewerber hat meine Assistentin auf dem Flur nach den Urlaubstagen gefragt und mir gegenüber etwas von der „work-life-balance“ gefaselt; ich habe ihn dem Arbeitsmarkt zurückgegeben.
Logbuch
„Ich bin dann mal weg“: Die politische Klasse macht sich vom Acker
In meinem Vaterland erntet geringe Achtung, wer die Dinge, die er tut, aus Neigung oder wegen des Geldes treibt. In Fragen der Liebe ist es besonders verhängnisvoll, wenn das Argument lautet, dass es halt Spaß mache. Noch geringeren moralischen Glanz hat das Motiv, nach dem man jung sei und das Geld brauche.
Der deutschen Ehre entspricht es nicht, sich für etwas bezahlen zu lassen. Ganz anders in den USA. Dort wird man schon beim zweiten Glas auf dem Stehempfang schlank gefragt, wie viel man denn mache. Gemeint ist Geld. Ganz anders als in deutschen Landen auch in Frankreich, in dem eine „amour fou“ alles rechtfertigt. Und selbst den Engländern reicht eine Obsession als Begründung, ein „spleen“, je abgedrehter, desto lieber.
In Preußen weiß man, was sich gehört; man weiß das im Herzen und nicht in den Lenden oder dem Portemonnaie. Mein ach so ernstes deutsches Vaterland ist geprägt von preußischer Tugend. Schon Friedrich Schiller war von sich enttäuscht, weil er zwar seine Pflicht getan habe,dies aber gerne. Letzteres galt als Makel. Wir wollen im Staate Charakter sehen und Werte, nicht Kurtisanen und Dukaten. Künstler, das mögen Hedonisten sein, und Bankiers Geldscheffler, Agenten der Gier.
Lust und Laster mag teilen, wer will, nicht aber die Sachwalter des Gemeinwohls. Man tut seine Pflicht, weil ein inneres moralisches Gesetz es verlangt. Und nicht, weil es Kohle gibt oder geil ist. Wer in Preußen ein öffentliches Amt bekleidete, nahm sich zum Motto „Dienend verzehre ich mich!“
Zum Dienst gehörten auch die harten Zeiten und die Gewissheiten, dass man nicht bei kritischen Anwürfen gleich den Köhler macht, früher noch Fahnenflucht genannt. Das Salär der Beamten war karg, aber, jetzt kommt es, die Pension auskömmlich. Das mit dem fürstlichen Ruhestand freilich gilt auch für die Herren Roland Koch und Ole von Beust, auf die nun eine stattliche Altersversorgung wartet. Günter Oettinger hatte die Rente noch nicht durch und dreht dieserhalben noch mal eine Runde in Brüssel.
Es zeigt, wie dumm wir, die Wähler, sind, wie vertrottelt. Die Volksseele will nicht zur Kenntnis nehmen, dass längst in der Politik Einzug genommen hat, was schon die Wirtschaft beherrscht: das Managertum. Manager sind Angestellte, die eine Institution so führen, als seien sie die Eigentümer. Manager tun es für Geld, am liebsten für viel Geld.
Das Hurenhafte berührt sie nicht, weil es Kern des Systems ist. Diese Jungs singen selbstbewusst: „We are only in it for the money!“ Man kann sie nicht beleidigen, wenn man sagt, was ist: Sie sind die Strichjungen des Kapitals. Natürlich kann man Lippenbekenntnisse von ihnen hören, nach denen sie die Aufgabe interessiert und sie eine Mission haben.
Aber jeder weiß, dass das eine Kirsche auf der Torte ist und nicht mehr. Manager sind die fleischgewordene Lebenslüge: Sie geben vor, wie die Eigentümer zu handeln, aber sind doch nur Angehörige eines Söldnerheeres. Manager kämpfen die Kriege anderer Herren und lassen sich dafür fürstlich entlohnen. Stimmt der Bonus nicht mehr, ziehen sie weiter, im Zweifel auf die andere Seite des Grabens.
Klares Beispiel: Banken gehören nicht mehr wohlhabenden Menschen, leibhaftigen Bankern, sondern werden von angestellten Topmanagern geführt, die ihre ebenfalls angestellten Investmentbanker besser bezahlen als sich selbst. Weil die sonst einfach am nächsten Morgen nicht wiederkommen.
Noch ein klares Beispiel: Verlage werden nicht mehr von Verlegern geführt, sondern von Verlagsmanagern, deren publizistische Seele den Tiefgang eines Metzgerblocks hat.
Kurzum: Auch der Staat wird gemanagt von Managern, politischen Managern, die früher Staatsmänner hießen. Und wenn diese Politmanager keinen Aufstieg mehr sehen oder keine Kohle oder keine geile Machtausübung oder keinen lukrativen Anschlussjob, dann hauen sie in den Sack.
Entgeistert fragt der desillusionierte Wähler: und die wirklichen Werte und der echte Charakter und die moralisch geistige Wende? Kriegsgeschrei, Söldnerlieder. Wenn die Schlacht geschlagen und der Sold gezahlt ist, wird privatisiert. Dann macht die politische Klasse Fisimatenten, wie es im alten Preußen hieß. Dann will man für die sauer verdiente Pension endlich Spaß haben.
Mindestens so viel wie die pensionierte Troubadoure Gerhard Schröder und Joschka Fischer, vormals Koch und Kellner. Oder wie Horst Köhler, laut Boulevard im Reiterurlaub auf Norderney. Weiteres in Wendy, der Mädchenzeitschrift für den Ponyhof.
Quelle: starke-meinungen.de