Logbuch
BEATLES ODER STONES ?
Das war die fundamentale Frage meiner Jugend, war man braver Fan der Fab Four aus Liverpool oder Anhänger der Rollenden Steine. Konkurrierende Fabelwesen der Sechziger. Als ich dreißig Jahre später, 1997, mit dem Beatles-Management in New York verhandelt habe, konnten die Jungs noch immer nicht über meinen Spott lachen. Dabei ist es wahr: das ist eine „skiffle group“ gewesen, die sich in Jazz-Clubs eingeschlichen hat. Und auf der Reeperbahn ein „side act“ war.
Heute würde eine „white boy group“, die „Pick a bail of cotton“ anstimmt, von den Identitären des Kulturdiebstahls bezichtigt. CULTURAL APPROPRIATION ist das Stichwort eines tiefen Missverständnisses darüber, wie sich Kultur entwickelt. Nur durch geistigen Diebstahl. Na ja,APPROPRIATION heißt nur Aneignung; Entwenden heißt eigentlich Expropriation. Aber egal: Es geht immer um kulturellen Wandel: Folie & Novum auf der Folie (wie die Russischen Formalisten es nannten). Die neuen Zeiten entstehen in den Kostümen der alten, durch deren provokativen Missbrauch. Und sei es nur, dass man die Haare wachsen lässt. Pilzköpfe. Afro-Look.
Der Beat, der dann zum Rock and Roll wurde, entstammt einer Aufnahme des Schwarzen Amerikanischen Blues in englischen Hobbybands einer aufmüpfigen Jugendkultur, die ihn wie auch Jazz und Folk als Steinbruch zum frischen Ausdruck eines pubertären Exotismus nutzen. Bewusst primitiv und melancholisch frech. Die Musik wird dann perfekter, das Melancholische bleibt.
Die Beatles, animiert durch Marihuana und LSD, machten Liedchen, sehr auf Gefälligkeit achtend; bei den Stones war es wohl eher „brown sugar“ (meint: Heroin) und Bolivianisches Marschierpulver, das sie rüderen Ausdruck suchen lies. Harter Rock n Roll. Aber das mit den Drogen ist, wie Kipling sagen würde, eine andere Geschichte.
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MUTTER NATUR.
Gespräch auf Facebook mit einem Freund über die Frage, ob irgendwelche Naturvölker nicht im Recht sind, wenn sie einem Fluss oder einem Wald eigene Rechte zubilligen. Eine Frage der Rechtssystematik. Er ist Jurist (ein genialer Strafverteidiger), ich nicht. Ich bin nicht überzeugt. Denn ich nenne das die ANTROPOMORHISIERUNG der Natur. Passiert im Kleinen mit Haustieren. Pussy als Freundin. Im Großen bei Naturreligionen. Der Regenwald als Paradies.
Also, den Wind oder Sturm, den kann man als Gottesatem verstehen. Oder als Thermik, bewegte Luft. Er hat für mich kein RECHT SUI GENERIS. Die Römer setzten unter die Eichen, die sie pflanzten, schnellwachsende Laubbäume, um die Eichen zu zwingen, sich gerade in die Lüfte zu erheben. Sie brauchten lange gerade Stämme für ihren Schiffsbau. Das wurden die Kiele der Flotte der Weltmacht.
Man lernt, dass WALD nichts anderes ist als der KAMPF UM LICHT, in dem der verdorrt, der ihn verliert. So wie jener im Mittelmeer den Piraten unterliegt, der die schlechteren Schiffe hat. Halt, stop. Jetzt habe ich mich selbst in einen SOZIALDARWINISMUS argumentiert. Das sollte nicht sein, oder?
Die menschliche Gesellschaft ist eben nicht darwinistisch, sollte es nicht sein. Weil die Natur, das ist das Recht des Stärkeren, eben SURVIVAL OF THE FITTEST. Aber auch das ist strittig. Vielen ist sie heute ein Schoß. Der Schoß von MUTTER NATUR. Ich zögere da. Denn IDYLLE, das ist ein Werk der Philosophie. Sie liegt in den Augen des Betrachters. Also doch Naturreligion? Die Debatte ist abschließend nicht geführt. I am not convinced, wie schon Joschka Fischer einst sagte.
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FÜRSORGE.
Nach der Entmündigung aus Gründen des Seuchenschutzes soll nun die fürsorgliche Lenkung in den Klimaschutz kommen. Karl Lauterbach läuft sich schon warm. Fürsorglich? In mir rumort es und es wird grundsätzlich.
Von der Fürsorge leben zu müssen, das war früher zwar keine Schmach, aber auch kein besonderer Stolz. Weil es erwartet wurde, dass man in Lohn und Brot stehen konnte. Und auf seine Erwerbstätigkeit mit Selbstbewusstsein schauen. Arbeit adelt. SÖLDNERSTOLZ. So bin ich erzogen. Bei uns war man fleißig. Und im Herzen ANTIAUTORITÄR. Man ließ sich nur ungern etwas sagen. Punkt.
Einen selbstverständlichen Anspruch auf Schutz haben Kinder. Man kann das Brutpflege nennen. Es ist aber mehr. Wir zeigen in der Fürsorge gegenüber Kindern unser MORALISCHE Grundausstattung. Deshalb gefällt mir der Begriff der Schutzbefohlenen. Ein moralischer Imperativ. Punkt.
Wenn ich aber, lieber VATER STAAT, meinen Unterhalt verdiene und erwachsen bin, dann hast Du Dein Recht verloren. Das gilt für den autoritären Vater, der mit einer Tracht Prügel droht, wie für den permissiven, der das Taschengeld kürzen will. Selbst mahnende Worte sind überflüssig. Ich meine, Stubenarrest haben wir alle ja jetzt lange genug gehabt.
Was für den PATER FAMILIAS gilt, gilt für Muttis gleichermaßen. Auch ein MATRIARCHAT ist Ausdruck einer autoritären Gesellschaft, die ich nicht will. EMANZIPATION heißt „aus der Hand nehmen“, aus der Hand der elterlichen Fürsorge, in die eigene. Nicht der Staat ernährt mich, sondern ich ihn. Meine Pubertät ist abgeschlossen. Selbst der Schulpflicht unterliege ich nicht mehr. Did I make myself clear?
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„Ich bin dann mal weg“: Die politische Klasse macht sich vom Acker
In meinem Vaterland erntet geringe Achtung, wer die Dinge, die er tut, aus Neigung oder wegen des Geldes treibt. In Fragen der Liebe ist es besonders verhängnisvoll, wenn das Argument lautet, dass es halt Spaß mache. Noch geringeren moralischen Glanz hat das Motiv, nach dem man jung sei und das Geld brauche.
Der deutschen Ehre entspricht es nicht, sich für etwas bezahlen zu lassen. Ganz anders in den USA. Dort wird man schon beim zweiten Glas auf dem Stehempfang schlank gefragt, wie viel man denn mache. Gemeint ist Geld. Ganz anders als in deutschen Landen auch in Frankreich, in dem eine „amour fou“ alles rechtfertigt. Und selbst den Engländern reicht eine Obsession als Begründung, ein „spleen“, je abgedrehter, desto lieber.
In Preußen weiß man, was sich gehört; man weiß das im Herzen und nicht in den Lenden oder dem Portemonnaie. Mein ach so ernstes deutsches Vaterland ist geprägt von preußischer Tugend. Schon Friedrich Schiller war von sich enttäuscht, weil er zwar seine Pflicht getan habe,dies aber gerne. Letzteres galt als Makel. Wir wollen im Staate Charakter sehen und Werte, nicht Kurtisanen und Dukaten. Künstler, das mögen Hedonisten sein, und Bankiers Geldscheffler, Agenten der Gier.
Lust und Laster mag teilen, wer will, nicht aber die Sachwalter des Gemeinwohls. Man tut seine Pflicht, weil ein inneres moralisches Gesetz es verlangt. Und nicht, weil es Kohle gibt oder geil ist. Wer in Preußen ein öffentliches Amt bekleidete, nahm sich zum Motto „Dienend verzehre ich mich!“
Zum Dienst gehörten auch die harten Zeiten und die Gewissheiten, dass man nicht bei kritischen Anwürfen gleich den Köhler macht, früher noch Fahnenflucht genannt. Das Salär der Beamten war karg, aber, jetzt kommt es, die Pension auskömmlich. Das mit dem fürstlichen Ruhestand freilich gilt auch für die Herren Roland Koch und Ole von Beust, auf die nun eine stattliche Altersversorgung wartet. Günter Oettinger hatte die Rente noch nicht durch und dreht dieserhalben noch mal eine Runde in Brüssel.
Es zeigt, wie dumm wir, die Wähler, sind, wie vertrottelt. Die Volksseele will nicht zur Kenntnis nehmen, dass längst in der Politik Einzug genommen hat, was schon die Wirtschaft beherrscht: das Managertum. Manager sind Angestellte, die eine Institution so führen, als seien sie die Eigentümer. Manager tun es für Geld, am liebsten für viel Geld.
Das Hurenhafte berührt sie nicht, weil es Kern des Systems ist. Diese Jungs singen selbstbewusst: „We are only in it for the money!“ Man kann sie nicht beleidigen, wenn man sagt, was ist: Sie sind die Strichjungen des Kapitals. Natürlich kann man Lippenbekenntnisse von ihnen hören, nach denen sie die Aufgabe interessiert und sie eine Mission haben.
Aber jeder weiß, dass das eine Kirsche auf der Torte ist und nicht mehr. Manager sind die fleischgewordene Lebenslüge: Sie geben vor, wie die Eigentümer zu handeln, aber sind doch nur Angehörige eines Söldnerheeres. Manager kämpfen die Kriege anderer Herren und lassen sich dafür fürstlich entlohnen. Stimmt der Bonus nicht mehr, ziehen sie weiter, im Zweifel auf die andere Seite des Grabens.
Klares Beispiel: Banken gehören nicht mehr wohlhabenden Menschen, leibhaftigen Bankern, sondern werden von angestellten Topmanagern geführt, die ihre ebenfalls angestellten Investmentbanker besser bezahlen als sich selbst. Weil die sonst einfach am nächsten Morgen nicht wiederkommen.
Noch ein klares Beispiel: Verlage werden nicht mehr von Verlegern geführt, sondern von Verlagsmanagern, deren publizistische Seele den Tiefgang eines Metzgerblocks hat.
Kurzum: Auch der Staat wird gemanagt von Managern, politischen Managern, die früher Staatsmänner hießen. Und wenn diese Politmanager keinen Aufstieg mehr sehen oder keine Kohle oder keine geile Machtausübung oder keinen lukrativen Anschlussjob, dann hauen sie in den Sack.
Entgeistert fragt der desillusionierte Wähler: und die wirklichen Werte und der echte Charakter und die moralisch geistige Wende? Kriegsgeschrei, Söldnerlieder. Wenn die Schlacht geschlagen und der Sold gezahlt ist, wird privatisiert. Dann macht die politische Klasse Fisimatenten, wie es im alten Preußen hieß. Dann will man für die sauer verdiente Pension endlich Spaß haben.
Mindestens so viel wie die pensionierte Troubadoure Gerhard Schröder und Joschka Fischer, vormals Koch und Kellner. Oder wie Horst Köhler, laut Boulevard im Reiterurlaub auf Norderney. Weiteres in Wendy, der Mädchenzeitschrift für den Ponyhof.
Quelle: starke-meinungen.de