Logbuch

BETRACHTUNG EINES UNPOLITISCHEN.

Die Ampel macht das alles in allem nicht schlecht. Man kann mit der Regierung eigentlich zufrieden sein. Die Inszenierung auf Schloss Miesezwerg in MacPom überzeugt mich.

Die FDP passt auf‘s Geld auf und die Grünen auf das Wetter. Die Sozen stellen einen Kanzler der ruhigen Hand. Er bietet dem Wettrüsten schon wieder tapfer Einhalt. Friedensfürst. Den Rest macht Boris heimlich.

Der Lauterbach war sogar geduscht. Sonst ist sein Haupthaar ja immer in einem Zustand, der einen Ölwechsel angezeigt sein lässt, jetzt echt proper, der Mann, der dem Doktor die Karteikarte nimmt. Und die Oma das iPhone lehrt.

Auch dabei die pausbäckige Familienministerin aus dem Emsland, KBW-Fraktion der Ökos, und eine angezogene FDP-Dame für Bildung mit unaussprechlichem Doppelnamen. Irgendwie wie eine Familienfeier im Grünen. Das ist das Paradigma. Familienfest im Grünen.

Habeck einsichtig; er will jetzt nicht mehr aus der Verwaltung raus diktieren, sondern es mit dem Mittelstand inszenieren, dass die Großindustrie ihren Strom nicht mehr selbst bezahlt. Klug. Dem gehen offensichtlich die Trauzeugen aus.

Mir ist wohl, so gut regiert zu sein. Gabun müssten wir noch erklären; aber Geduld. Das kommt.

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DOUBLE BIND.

Gelegentlich kann man Erkenntnisse aus der Psychiatrie erfolgversprechend in die Politik übertragen. Was gesichert bei Kindern zu einer Neurose führt, hilft auch, wenn es darum geht, den politischen Gegner zu verunsichern. Empfehlung des Tages: die Doppelbotschaft.

Man verbindet zwei sich logisch schlicht ausschließende Botschaften in einem Kommunikationsakt und lässt die Paradoxie unaufgeklärt wirken. Ideal ist die eine Botschaft auf der Inhaltsebene und ausgesprochen und die andere nonverbal auf der Beziehungsebene. Das Gegenüber kann einem der beiden Impulse folgen, aber nie beiden.

Wer es zudem schafft, das Auftauchen von Doppelbotschaften als gänzlich unmotiviert erscheinen zu lassen, also in keiner Weise vorhersagbar, hat maximalen Erfolg in der Dysfunktionalisierung. Dem Gegenüber bleibt eigentlich nur der blanke Wahnsinn. Also alles gut.

Ich hatte mal einen Chef, der von sich selbst sagte, dass er jedes Quartal mal die Guillotine in den Hof ziehe, um einen Mitarbeiter zu köpfen. Aber immer nur Unschuldige. Denn sonst käme man nie zu dem Ruf, völlig unberechenbar zu sein.

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ERKENNTNISEKEL.

An der Causa Aiwanger ist mir jeder Aspekt zuwider. Unter jeder möglichen Wendung empfinde ich Erkenntnisekel.

Es beginnt mit dem Corpus Delicti, zwar ein Schulpamphlet, aber ein elaborierter Diskurs authentischen Faschismus, so monströs, dass sich jede Relativierung verbietet. Das ist kein Ausrutscher. Die Verteidigung dessen durch Herrn Professor Wolfssohn ist obszön.

Dann in durchsichtiger Scheinheiligkeit die Verdachtsberichterstattung der Süddeutschen; presserechtlich für meine Begriffe nicht gedeckt. Ohnehin ist das publizistische Hemd kurz. Jetzt aber, weil unter Druck, werfen sie ihre Quelle vor den Bus. Das kenne ich, einfach ekelhaft.

Der übergeordnete politische Modus soll die prantlsche Vorbereitung von Schwarz-Grün in Bayern sein; das ist eine bloße Spekulation, aber bereit wäre der Typus Toni Hofreiter dazu allemal. Und ob man die AfD niederhält, indem man sie nachäfft, das ist ja eh evidenter Unsinn. Auch das ist heute Morgen nicht mein Punkt.

Wenn das Flugblatt und die Facharbeit des Schülers Aiwanger 35 Jahre von seinen Lehrern aufbewahrt wurde und jetzt aus parteipolitischen Gründen von Fachlehrer wie Schulleiter an die SZ lanciert, so läge mir daran zu betonen, dass dies ein pädagogischer Frevel ist. Als gelernter Pauker sage ich: Schüler sind Schutzbefohlene. Auch solche Arschlöcher wie die Aiwanger Brüder.

Nein, das ist kein Widerspruch. Der damalige Vorfall hätte ohnehin durch Elternbeteiligung, Gesamtkonferenz und Schulverweis geahndet werden müssen.

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El tango militar – ein Minister auf glattem Parkett

Früher, und das ist wirklich erst ein paar Jahre her, war es gute gesellschaftliche Konvention, sich mit Eintritt in die Obertertia an einer Tanzschule anzumelden. Unter buntem Lichtgeflacker und Hammondklängen aus großen Lautsprecherboxen wurden Grundschritte gepaukt. Es gab ersten schamhaften Kontakt mit dem anderen Geschlecht und nach Stundenschluss ließen die wilderen Nachwuchstänzer Martini Bianco und Pall Mall kreisen.

Ziel aller Anstrengungen war stets der Abschlussball, die ersehnte Gelegenheit, die neu erworbene Kunstfertigkeit im raschen Hin und Her zur Schau zu stellen, Partnerin und (schulinterner) Öffentlichkeit die eigene Wendigkeit zu demonstrieren.

Ob und mit welchem Erfolg der amtierende Bundesverteidigungsminister in seiner Jugend das Tanzbein geschwungen hat, ist nicht bekannt. Die adlige Herkunft des fränkischen Freiherrn lässt indes vermuten, dass er auf dem Feld der gesellschaftlichen Konventionen recht beschlagen sein dürfte. Eines jedenfalls lässt sich auch ohne profundere Kenntnisse der tanzsportlichen Biografie Karl Theodor zu Guttenbergs mit Sicherheit feststellen: Der bekennende AC/DC-Fan, der seit dem vergangenen Oktober das Kommando auf der Hardthöhe führt, ist ein begnadeter politischer Tangotänzer.

Behände prescht er links vor, will die Wehrpflicht verkürzen oder gar aussetzen, den Staatsbürger in Uniform in einen Interimspraktikanten verwandeln. Sogleich ein langer rechter Schritt hintenan, das Oxymoron von der freiwilligen Pflicht wird zur verteidigungspolitischen Tagesparole. Zwischendrin dann die Tuchfühlung mit dem Boulevard, das eigene Gewicht dreifach zwischen den Spielbeinen auspendelnd, schmiegt er sich an die Brust der Regenbogenpresse, posiert in Maßanzug und Macher-Pose zwischen uniformierten Afghanistankämpfern, geht klientelwirksam im Rolex-Shirt zum Joggen oder besteigt mitsamt adliger Gattin keck einen Dinosaurierrücken. Nun folgt im 2/4-Takt der politische Rückwärtsschritt, und eben noch eingeräumte kriegerische Zustände existieren plötzlich nur noch in der Umgangssprache. Bleibt das abschließende seitliche Ausweichen, hier in der Gestalt der geschickten Schuldverlagerung auf altgediente Militärs, Entlassung zur eigenen Entlastung inbegriffen. Und so findet der ehemalige Gebirgsjäger wieder zurück in die Grundstellung.

Ein versierter Tänzer weiß sich stets zu bewegen, ob beim verruchten Tango Argentino in den lateinamerikanischen Favelas oder beim eleganten Tango de Salon auf dem großbürgerlichen europäischen Tanzboden. Auch Karl Theodor zu Guttenberg erscheint zur Zeit überaus parkettsicher, er kommt an und erreicht stets hohe Beliebtheitswerte (über deren alleinige Aussagekraft sich allerdings angesichts der Konkurrenz durch Akteure wie Guido Westerwelle oder Ronald Pofalla trefflich streiten ließe). Der bayrische Politiker wird zwischenzeitlich sogar als Kanzlerkandidat für eine Union nach Merkel ins Gespräch gebracht, er soll, so lassen gewöhnlich gut informierte Kreise verlautbaren, künftig gegen den weit weniger alerten Sigmar Gabriel ins Feld geschickt werden.

Quelle: starke-meinungen.de