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NACHTGRÜN.
Wenn im Stau, ist ja Zeit, die Nachbarn zu betrachten. Ich meine deren Karossen. Dann fällt auf, dass der Spruch über die nächtlichen Katzen auch auf die Lackierungen zutrifft. Es sind mittlerweile alle Autos grau. Abweichungen ins Schwarze möglich, auch Silbertöne; aber eigentlich sind alle Schüsseln grau.
Man sieht es natürlich auch deutlicher, da der SUV-Kult dazu geführt hat, dass ganze Wandschränke bewegt werden. Mag der Wagen, insbesondere der Rennwagen, mal eine schlanke, gar phallische Form gehabt haben, so krabbeln heute zierlichste Frauen mit Entenschnäbeln in Blechburgen plumpester Anmutung. Da hat sich der XXL-Kult der Amis durchgesetzt, deren Pick-Ups ja zurecht „trucks“ heißen und eine proll-peinliche Übergröße durch die Landschaft bewegen. Langvergessen die Zeiten, als Autodesign aus Norditalien kam und Grazilität ein Kriterium wahr. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.
Also Feuerwehr rot, Polizei blau, Bestatter schwarz, der Rest dunkelgrau. Aber dann ist es auch schon vorbei mit der Farbenlehre. Der Schweizer Psychologe Max Lüscher war ja der Meinung, dass man an der Farbpräferenz den Charakter erkennen könne. Weltweit ist daher weiß bei PKW die Farbe der Wahl. Das verstehe ich; es steht für Unschuld, das Blütenweiß. Nur hier im Mutterland der allgemeinen Mobilität („Volkswagen“) da verfällt man in die Depression des Einheitsgrau. Wenn hier wer gelb, ist er bei der Post. Die Braunen (pun intended) sind bei der AfD und nennen sich blau, was auch niemand mehr als Autolack wählt. Lediglich Babywäsche unterscheidet noch hellblau und rosa. Was die einer Samenspende und der doppelten Mietmutterschaft entstammenden Infanten, der letzte Schrei in der Nachwuchszüchtung, typischerweise tragen, weiß ich nicht.
Eigentlich gibt es nur eine angemessene Farbe. Klären wir es auf. Das ist ein sehr dunkler Grünton, das British Racing Green. Kriegen Sie aber bei keinem Hersteller. Jedenfalls nicht von der Stange. Schade eigentlich. Ich würde, hätte ich Geld zuviel, mir einen Phaeton mit großem Diesel und nachtgrünem Lack basteln lassen. So geht Auto.
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ENTLAGERUNG.
Der Bauer erkennt seine Schweine ja am Gang. Wenn ich die Debatten um unsere Energieversorgung höre, fällt mir immer wieder auf, dass Argumente gezückt werden wie abgegriffene Spielkarten beim Skat. Oft wird geblufft; so bei der grünen Sorge um die ausstehende Endlagerung, die Ernsthaftigkeit nur vortäuscht, weil man eigentlich das ganze Spiel nicht will. Da sitzen Mau-Mau-Spieler am Pokertisch. Aber der Reihe nach.
Gelegentlich zeigt eine einzelne Zahl, was man an Sachverhalten routiniert verdrängt. Ich las letzte Woche in einem amerikanischen Feuilleton, dass zurzeit weltweit 440 Atomkraftwerke in Betrieb sind. Das ist eine stattliche Zahl, wenn man bedenkt, dass die Frage der Endlagerung der nuklearen Abfälle nicht so recht gelöst scheint. Meine Eingangsbemerkung. Wie komme ich jetzt wieder drauf? Nun, im Charlottenburger San Giorgio speist gestern Altkanzlerin Angela Merkel (frugal blaues Leinensacco mit Puppenknöpfen, alles wie sonst), die Physikerin, die den Ausstieg aus der Kernenergie für Deutschland vollzog, den Rotgrün schon angedacht hatte. Agenda Trittin. Eine einsame Entscheidung, der weltweit niemand gefolgt ist, oder?
Aber das ist nicht mein Punkt. Das nukleare Inventar der Kernkraftwerke dürfte eine zu vernachlässigende Größe sein, verglichen damit, was die militärische Nutzung umfasst. Und Aufrüstung scheint doch Gebot der Stunde. Niemand kennt hier die genauen Zahlen. Und selbst wenn Schätzungen halbwegs sicher, reichen sie in unvorstellbare Dimensionen. Die USA sollen auf ihren entsprechenden U-Booten, ich lese von 14 insgesamt, ein Raketenpotential haben, das fünftausend mal so groß ist wie die Hiroshima-Bombe. Alles, was Laien hierzu vortragen, alles, ist reine Spekulation. Die Russen sollen ähnlich hochgerüstet sein, die Chinesen auf gutem Weg. Und was andere Staaten angeht, zum Teil mit obskuren Regimen, will ich nicht erwägen müssen.
Mein Gedanke ist, danach werde ich sie gleich fragen, die Physikerin, wenn sie rüber blickt: Wie entsorgen wir das denn? Ich nehme dabei also an, dass die Unzahl der Atombomben nicht zum Einsatz kommen soll. Das wäre ja nun die wirkliche Apokalypse. Folglich wird man das Zeug entsorgen müssen, wenn nicht mehr einsatzfähig oder zu altmodisch, da ersonnen, da ich noch an der Mutterbrust. Endlagerung als Entlagerung. Das ist doch mal ein Thema für eine Physikerin. Leider ist sie mir entwischt, bevor ich ihr das als Aufgabe mitgeben konnte.
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NAMENLOS.
Bei der letzten großen Machtergreifung, der der Nationalsozialisten, die in den Zweiten Weltkrieg führte und industriell betriebene Vernichtungslager mit Behinderten, Abweichlern und vor allem Juden füllte, flohen viele der Intellektuellen nach Hollywood. Nicht, dass man sie großartig eingeladen hätte, aber manchen gelang eben über einige Zwischenstationen in Europa und Russland am Ende die Flucht und eine Anstellung in der amerikanischen Filmindustrie. Jedenfalls überlebte man.
Man fühlte sich dort allerdings unterschiedlich wohl. Und viele Migranten amerikanisierten ihre europäischen Namen, insbesondere die osteuropäischen, in die einfachen Lautungen des Exils. Bob & Bill. Ich lese dazu ein gerade erschienenes Buch über die „Paranoia in Hollywood“ und stoße zum ersten Mal auf eine Notiz von Bertolt Eugen Brecht, die mich amüsiert und auch berührt. Er beschwert sich darüber, ständig seinen Namen buchstabieren zu müssen. „Please, spell your name!“ Nicht uneitel fügt er an, dass er zuhause einen großen Namen gehabt habe.
Als der arme BB Deutschland verließ, war er tatsächlich wegen des Erfolges der Dreigroschenoper ein berühmter Mann. Hier in Hollywood ist er ein Niemand, der zudem im Englischen nur radebricht. Man hat keine Verwendung für ihn bei den Drehbuchschreibern der Traumfabrik und er fremdelt und hungert. Übrigens im Gegensatz zu Thomas Mann, dem Nobelpreisträger, der im Exil blendend zurechtkommt. Na klar. Tom Man fällt der amerikanischen Zunge leichter als Bert Brecht. Aber da ist mehr.
Thomas Mann gibt den faustischen Deutschen samt und sonders aus dem Exil über die BBC eine charakterliche Kriegsschuld; da denkt der Linke Brecht differenzierter. Thomas Mann ist in den USA berühmt und betucht; an beidem lässt er seinen Bruder Heinrich nicht teilnehmen. Brecht schon gar nicht. Bört Brecked? Please, spell your name. Das schmerzt. Brecht will nach dem Krieg möglichst schnell raus aus den USA, wo eine antikommunistische Propaganda um sich greift. Er besorgt sich einen Schweizer Pass, gibt sein Geld nach Frankfurt/Main und zieht nach Ostberlin.
Wir wollen aus den großen Schicksalen zumindest eine kleine Moral ziehen. Wir achten künftig die komischen Namen seltsamer Migranten. Und deutschen sie nicht einfach plump ein. So viel Zeit muss sein.
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Wenn die Amtsstube zum Sterbezimmer wird … Plädoyer für die Abschaffung des Beamtentums
Wer leidet in unserer Gesellschaft wirkliche Not? Glaubt man den Gewerkschaften, so sind es die Menschen, die in eine Armutsfalle geraten sind. Das droht Alleinerziehenden oder alten Menschen zunehmend.
Wenn das Elend auch noch unverschuldet ist, nach einem Leben voller Arbeit oder unter einer mehrfachen Verantwortung als Ernährer und Erzieher, werden nur Zyniker den nötigen Respekt verweigern. Aber es fühlen sich nicht nur jene unwohl, die Hunger leiden oder an der Überforderung zu zerbrechen drohen.
Es gibt nicht nur den „burn-out“, das Ausbrennen von Arbeitsmotivation und Leistungswillen. Die Bühne der sozial-politischen Debatte betritt der „bore-out“, das Leiden all jener, die sich zu Tode langweilen („to bore“), weil sie chronisch unterfordert sind. Wird einem Arbeitnehmer zwar eine Anstellung geboten, aber das Recht auf Arbeit, auf eine sinnvolle Beschäftigung vorenthalten, droht er an der Unterforderung zu zerbrechen.
Eine neue Volkskrankheit bahnt sich ihren Weg in unser Mitleid: die Unzufriedenheit der Faulen, am Ende die Erkrankung jener, die zwar eine Tätigkeit ihr eigen nennen, aber nichts Gescheites zu tun kriegen. Der sozialpolitische Reflex darauf ist der übliche: Das Elend ist nicht den Elenden zuzuschreiben, sondern, wie könnte es anders sein, den vermaledeiten Verhältnissen.
Die Verhältnisse, sie sind nicht so. Der Unternehmensberater Philippe Rothlin („Diagnose Boreout“) mahnt: „Wer Boreout hat, ist nicht faul, sondern wird faul gemacht.“ Man zitiert Stimmen von Landesbediensteten, die das eigene Büro als Sterbezimmer empfinden. Der einzige Lichtblick scheint diesen gequälten Verwaltungsangestellten ein Inter-netzugang zu Ebay und der baldige Feierabend.
Nicht nur der Reichtum ist unterschiedlich verteilt in dieser Republik, auch die Arbeit, unter Arbeitsplatzbesitzern und Arbeitslosen und unter Fleißigen und Faulen. Ein verlässliches Maß zur Beurteilung der Frage, ob der „bore-out“ eine Modegrille oder Volkskrankheit ist, wäre die Freizeitorientierung der Menschen und natürlich die Rate der Frühverrentungen, der Berufsunfähigkeit aus langeweilegestützter Krankheit.
Erzeugen berufliche Unterforderungen die eingebildeten Kranken im Massenmaßstab? Wie oft schlägt Unterforderung in Larmoyance und dann in Hypochondrie um? Und bei wem besonders? Siehe da, das Problem betrifft Bürotätigkeit und dann vor allem Mitarbeiter im öffentlichen Sektor.
Wir reden über ein Behördensyndrom. Nur jeder dritte Beamte erlebt die Altersgrenze von 65 Jahren überhaupt noch im Job. 64 Prozent der deutschen Beamten erreichen gar nicht ihr Ruhestandsalter. Nun kann man verstehen, dass ein Jetpilot bei der Bundeswehr mit 41 Jahren aus dem fliegenden Staatsdienst ausscheidet. Aber ein Lehrer für Sport und Erdkunde? Ein Polizist, der auf der Straße vor der Ministerwohnung steht, Tag wie Nacht? Nicht so recht kann man nachvollziehen, dass 18 Prozent aller Beamten sich wegen Dienstunfähigkeit vorzeitig verabschieden.
Aus der Struktur der Beamtenschaft folgt, dass dies vor allem in den Ländern geschieht, namentlich bei Lehrern und Polizisten. Was ist am Steißtrommeln ohne Leistungsdruck oder Grünen-Tuch-Tragen auf Lebenszeit so mannmordend, dass es jeden Fünften dienstunfähig macht?
Hier in die Idiotie des Gerhard Schröder zu verfallen, nach der alle Lehrer faule Säcke sind, ist unter aller Würde. Die Behörde erzeugt den Frust, nicht die Beamten, jedenfalls nicht die jungen. Anzuwenden wäre der Lehrsatz, dass Beamte nicht als Faulenzer geboren werden, sondern zu Faulenzern gemacht.
Man wird den Blick auf das System der Lebenszeitbeamtung lenken müssen, auf die Organisation des Lebens durch Behörden, will man nicht in schlanker Menschenverachtung enden. Das Problem ist, sprichwörtlich gesagt, nicht die Made, sondern der Speck. Im historischen Konzept des preußischen Beamten war von Speck ohnehin keine Rede.
Beamte konnten jederzeit überall hin versetzt werden, sie hatten Residenzpflicht. Sie waren nicht arm, nicht reich, aber stolz, eine sichere Partie. Mein Großvater, ein Bergmann, pflegte über die Bahnbeamten zu spotten, die keinen Speck zur Suppe hatten, aber die Kinder auf der Höheren Schule. Den Industriearbeiter rupfte die Weltwirtschaftskrise, den Beamten war die Fürsorge des Staates gewiss.
So die guten alten Zeiten. Wer den letzten Lokführerstreik miterlebt hat und die Pose, in der dabei ein unerträglicher Beamtenlobbyist die Fahrgäste als Geiseln nahm, weiß: Aus dem Dienen ist Selbstbedienung geworden. Heute sind die Privilegien der Beamten geblieben, aber die Lasten aufgekündigt.
Inzwischen hat die Made Speck. Eine Gruppe dieser Gesellschaft hat sich durch eine verdeckte Patronage der Politik und konsequentes Rosinenpicken in eine Sonderrolle gebracht, die sozial obszön ist. Eine durchschnittliche Rente liegt bei 1200 €, eine durchschnittliche Pension bei 2300 €. Das Doppelte, darunter tun sie es nicht, die Damen und Herren Staatsdiener. Seit Mitte der neunziger Jahre sind die Renten für Normalsterbliche um 12 Prozent gestiegen, die Pensionen der Staatsdiener um 33 Prozent. Beamte erhalten etwa 70 Prozent ihres aktiven Verdienstes im Alter, Angestellte und Arbeiter per Gesetz immer unter 50 Prozent.
Altersarmut mag stattfinden, wo sie will, aber nicht bei den Beamten, die trotz des Lebenszeitprivilegs so überdurchschnittlich gut versorgt sind, dass man die Gerechtigkeitsfrage stellen muss. Schließlich begünstigt sie staatliches Handeln aus unseren Steuergeldern. Da hört man manche Stimmen, die aus dem industriellen Arbeitgeberlager kommen und jene Propaganda machen, für die die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft berüchtigt geworden ist.
Nicht jeder Gutachtername hat da einen jungfräulichen Klang. Also höre man auch andere Seiten. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat im Auftrag der gewerkschaftsnahen Hans-Boeckler-Stiftung das Vermögen deutscher Haushalte untersucht und dabei auch die Anwartschaften auf Altersversorgung aus unterschiedlichen Quellen addiert. Gefragt wurde also nach vorhandenem und zu erwartendem Vermögen.
Danach warten auf Arbeiter und Angestellte 40.000 €, auf höher Qualifizierte 80.000 € , auf aktive Beamte des gehobenen und höheren Dienstes 130.000 € und auf die „fat cats“, sprich die Pensionäre, 300.000 €. Hier hat sich eine Kaste im Stillen die Speisekammer gefüllt. Dabei geht es nicht um Kleingedrucktes.
Festzuhalten ist, in den letzten 15 Jahren haben sich die Renten um 11 Prozent verbessert, die Pensionen um 30 Prozent. Die Beamtenlobby hat den Ihren einen so kräftigen Schluck aus der Pulle erlaubt, dass heute die durchschnittliche Pension mehr als doppelt so hoch ist wie eine Rente. Wobei Beamte während ihres gesamten Dienstes nicht einen Cent an Renten- oder Arbeitslosenversicherung gezahlt haben. Ein vorzeitiges Ausscheiden unterliegt zudem nicht den dramatischen Abschlägen, die Normalsterbliche hinnehmen müssen.
Das aktive Beamtenleben mag karg sein, wie die Lobby der Staatsdiener notorisch beteuert und den vielzitierten kleinen Polizisten zu Ehren kommen lässt, die pensionierte Made lebt im Speck, im Speck auf Pump. Die Ausgaben des Staates dafür werden in den nächsten Jahren explodieren.
Allein bei den Bundesländern, die dann die Armada der Lehrer und Polizisten bezahlen müssen, steigen die Altersversorgungsausgaben bis 2050 von heute 18 Milliarden € auf 110 Milliarden €. Das sind zugesagte Pensionen, auf die die Menschen einen Anspruch haben. Daran kann man anständigerweise nicht rühren, pacta servanda, das werden wir an Steuern aufbringen müssen.
Gönnen wir den alten „fat cats“ ihren Speck, aber hören wir mit der Zucht auf. Schluss mit dem Beamtentum, Feierabend mit der Lebenszeitanstellung, außer dort, wo es die Hoheitspflicht zwingend macht. Richter sollten Beamte sein. Staatsanwälte können beamtet werden, aber auch da habe ich Zweifel, eigentlich kann man sie stellen wie angestellte Rechtsanwälte. Lehrer und Polizisten gehören aber ohne jeden Zweifel nur noch in jederzeit kündbare Arbeitsverträge.
Wenn der frische Wind der Globalisierung endlich durch die miefigen Amtsstuben weht, dann nimmt auch die Langeweile ab. Dann wird die Behörde sich wie ein verantwortlicher Unternehmer verhalten müssen, statt nur halbherzig und übellaunig Verwaltungsvollzug zu organisieren.
Quelle: starke-meinungen.de