Logbuch
OLAF HAT KEINEN HUSTEN.
Heute in einem Jahr, da wird in Niedersachsen der Ministerpräsident gewählt; das interessiert mich wirklich, weil ich damals dabei war, als hier Gerd Schröder gewann und als Sigmar Gabriel verlor, um dem unglückseligen Christian Wulff Platz zu machen, der dann als Bundespräsident eindrucksvoll endgültig scheiterte. Wer jetzt als dessen Nachfahr für die Union antritt, weiß man nicht, ein Unbekannter.
Das Bundesland Niedersachsen ist unter dem Prädikat einer gepflegten Langeweile ein sehr spannendes Exerzitium der Deutschen. Das ist das eine, wozu ich Anmerkungen machen möchte. Das andere hat mit der Formel 44 von Wick zu tun, dem legendären Hustensaft. Die Älteren unter uns werden sich erinnern. Ein Werbespot aus den siebziger Jahren: „Olaf hat Husten! Was? Das darf er nicht.“ Wir sehen eine Szene großer Besorgnis in der Zirkus-Garderobe. Olaf kriegt dann den auszulobenden Hustensaft. Und schließlich sehen wir, woher die allzu berechtigte Sorge. Er ist in der Nummer der Hochseilartisten der unterste Mann. Auf seinen Schultern ruht das Schicksal der anderen. Da darf Olaf nicht husten.
Das andere, was ich zu erwähnen hätte, ist, dass der Friese Olaf Lies, der in Hannover wieder als Landesvater antritt, es kann. Der Mann ist kein weiterer Dampfplauderer in der Kaste der Schwadronierer. Olaf ist Ingenieur. Olaf hat gedient, Marinefunker. Olaf fährt einen VW 1600L, meine erste Karre. Olaf war Umweltminister, bevor er in die Staatskanzlei zog. Im Fall Volkswagen zeigt er Mut und Rückgrat. Aus solchem Holz schnitzt man Kanzler. Kurzum: Auf Olaf ist Verlass. Er hat keinen Husten. Olaf kann‘s.
Moment mal, das klingt ja wie Wahlwerbung. Tjo. Darf ich erwähnen, dass ich der erste war, der Gerd Schröder als „den Auto-Kanzler“ in die Debatte einführte. Da war selbst er überrascht. Ich erinnere mich noch, wie sein Sprecher mir davon abriet. Aber der Erfolg für beide, die Blechbieger wie den künftigen Kanzler war nicht aufzuhalten. Wenn ich sage, der Olaf kann‘s, dann hat das Gewicht. Die Formel 44 der Wahlwerbung.
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MIT FEINER IRONIE.
Gespräch beim Essen des Mittags mit einem Gelehrten über Friedrich Nietzsche und Richard Wagner. Er findet auch, der taugt nix, der Bayreuther. Wir sitzen in einer Markthütte am Rande eines Küchengartens, der man ansieht, dass sie eigentlich ein Provisorium, und wählen von der betont kurzen Karte Fischstäbchen aus Lachs mit hausgemachter Remoulade und Kartoffelstampf. Friedrich sei gegenüber Richard nicht um Einwände verlegen. Das sei alles ein pompöses Getöse leerer Größer, eine falsche Fabrikation fader Dekadenz, deren Attitüde ins Christentum dann endgültig gänzlich peinlich.
Das Gespräch dreht sich auf Thomas Mann. Was der wohl, hätte Nietzsches Gesundheit lange genug durchgehalten und die beiden sich getroffen, sagen wir an Venedigs Lido, von ihm gehalten hätte. Und eine Carmen auf dem Badetuch daneben. Mein gelehrter Gast glaubt nicht an die Wirkkraft der Mannschen Ironie; er hält sie, wohl wie ich, für einen Versuch, dem im Charakter Miefigen und Piefigen zu einer kulturellen Größe zu verhelfen. Ich kann dem nur zustimmen. Mir selbst geht der moralische Vorbehalt Manns auf den Zeiger. Ich mag ihn, was den historischen Faschismus angeht, nicht unter die wirklichen Widerstandskämpfer rechnen wollen, obwohl er sich angesichts der Barbarei geräuspert hat.
Das nach der Hausnummer 11 A benannte Restaurant am Küchengarten könnte ein Unternehmen junger Köche sein, die des morgens die Märkte nach frischer Ware durchstreifen und so ihre Gäste mit Originellem erfreuen. Seltenen Gemüsen verwegener Gärtner, Raritäten von der Angel. Stattdessen Kaninchen. Mein Gast nahm das Wiener Schnitzel, wie sonst im BORCHARDT üblich. Ich sehe aber nach dem Lunch den Kühllaster der METRO anrücken und ein paar schäbige Paletten in die rückwärtigen Lagerräume verfrachten. Nicht mal hochwertige Convenience, nur Kram aus dem ordinärsten Großhandel. Nicht gut genug.
Das ist, was da zu berichten ist, aus Hannover-Linden, dem abgerockten Stadtteil hinter den drei warmen Brüdern. Was am Ort Spitznamen für Schornsteine sind. Sage ich ja. Ironie bringt es nie.
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DAS GEHEIMNIS.
Eine KI, die unsere wichtigsten Fragen zu beantworten weiß, gibt es schon seit fast fünfzig Jahren. Sie heißt DEEP THOUGHT und hat im Hitchhiker durch die Galaxie, dem Roman, die Antwort auf alle finalen Fragen der Menschheit benannt: 42. Zweiundvierzig also. Die zeitgenössischen Rechner ergänzen das durch 67 (sprich: six seven). Man wird demnach den Brockhaus und die Encyclopedia Britannica ersetzen können durch „fortytwo six seven“.
In diesem Moment warnen die Besitzer der gigantischen Rechner davor, dass die Entwicklung der KI so rasant, dass man sie besser verlangsamen solle, da sie sonst schon bald in der Lage sei, die Menschheit als ganze Art auszulöschen. Die Büchse der Pandora ruht in ihren Händen. Anteile daran gibt es zu kaufen.
Auch andere Skurrilitäten sind zu berichten. Etwa von sich selbst erhaltenden Kolonien auf dem Mars. Ich habe dazu nur eine Anmerkung. Es handelt sich um Kurspflege. Immer und überall. Alles, was erzählt wird, dient der Manipulation der Finanzströme auf den Kapitalmärkten. Es gibt keine andere Entelechie, nur die.
Die Herrschaften sind keine genialen Erfinder oder fantastischen Ingenieure, sie wissen nichts wirklich Neues in der Sache oder etwas epochal Sensationelles der Wissenschaft; sie verdienen ordentlich Geld. Darum twittern sie. Kurspflege, mehr ist nicht.
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Der Klima-Klamauk in Kopenhagen: ein Kongress der Öko-Heuchler
Am Schluss der globalen Klimakonferenz wird es heißen: außer Spesen nichts gewesen. 16.500 Politiker tagen in Kopenhagen zur Klimakatastrophe. Die Atmosphäre werden die globalen Weltverbesserer allein dadurch am Ende um 41.000 Tonnen Kohlendioxid angereichert haben.
Aber das ist ein sehr vordergründiges Argument gegen die Öko-Heuchelei, die den Klimawandel zur größten profanen Weltreligion hat werden lassen und sich nun anschickt, unser Leben nachhaltig zu lenken. Wie immer beginnt das mit einem Griff in unsere Brieftasche. Von dem, was da an symbolischen Handlungen geplant ist, werden sich die Kongresspesen noch als das geringste erweisen. Man hat es schon merken können, als sie uns die guten alten und spottbilligen Glühbirnen abnahmen, um zehnmal so teuren Sondermüll in unseren Wohnstuben leuchten zu lassen: Den Ablasshandel werden wir zahlen, ob die Apokalypse damit aufzuhalten ist oder nicht.
Die politischen Klassen aller Länder tanzen um das Grüne Kalb, um die neueste Endzeitstimmung populistisch zu bedienen und sich so der Gunst des grünen Zeitgeistes zu versichern. Das Theater findet statt, weil die Staats-Schauspieler glauben, dass wir es im Publikum sehen wollen; mit unserem Applaus machen die Akteure dann politisch Kasse.
Die meisten Staaten folgen dem Drama widerwillig bis zögernd, viele aber mit Inbrunst und in einem quasi-religiösen Fanatismus mit erhobenem Zeigefinger. Und wie immer, wenn es um Belehrung geht, sitzen die deutschen Musterschüler in der ersten Reihe. Am deutschen Wesen soll die Welt genesen. Angela Merkel, die gelernte Umweltministerin, doziert, allerhöchstens um zwei Grad Celsius dürfe sich das globale Klima erwärmen, nicht aber um drei. Und der smarte neue Umweltminister Norbert Röttgen argumentiert das ins Detail. Den Hollywood-Stars Kirk und Michael Douglas nicht unähnlich, eignet er sich besonders für das Staatsschauspiel.
Gleichzeitig kann man wissen, dass es mehr als zweifelhaft ist, was die Menschheit auf den Thermometern abzulesen hat. Vor allem aber ist fraglich, ob wir überhaupt von Dingen reden, die durch symbolisches Handeln beeinflussbar sind; also etwa dadurch, dass ich mir ein Toyota-Hybrid-Fahrzeug anschaffe, wozu mir von der Grünen-Politikerin Künast geraten wird.
Die Klimakatastrophe ist, lese ich bei dem fabelhaften Bryan Appleyard in der Sunday Times, „hoax, error or just another end-of-the-world-story“, ein wissenschaftlicher Betrug oder ein verhängnisvoller Irrtum, jedenfalls ein politischer Mythos. Der Mythos vom apokalyptischen Drachen der Erderwärmung dient vor allem einem Zweck: die Drachentöter zu inszenieren.
Wie bei allen Massenhysterien schickt sich jedermann an, dem Trend zu folgen. Von den Grünen und Greenpeace geboren beseelt die ökologische Endzeitstimmung nun auch die CDU, schwarz-grüne Morgendämmerung nach dem rotgrünen Katzenjammer. Unzweifelhaft ist Norbert Röttgen einer Renate Künast an Intelligenz und Konzilianz überlegen; wo diese in abgeschmackter Politroutine nur noch hetzt, argumentiert er lächelnd.
Die ganze politische Klasse hat gelernt, dass sich auf dem Klimaticket gut reisen lässt. Die Pressesprecherin von Lothar de Maiziére ist so Kanzlerin geworden, und der von Schröder geschnittene Harzer Roller Sigmar Gabriel Parteivorsitzender; nun also Röttgen, der sich so davor schützt, als Lobbyist beim BDI dienen zu müssen.
Und wir werden, soviel Prophetie muss sein, alle Öko-Politiker noch an der Spitze ihrer Lager sehen: Trittin, Gabriel, Röttgen. Das Ressort ist eine Kaderschmiede, weil man als Gutmensch glänzen kann, aber niemals an den Folgen des eigenen Handelns zu messen ist. Dazu ist die Natur zu träge, ausbaden müssen allenfalls künftige Generationen. Und es gibt häufig wechselnde Moden, denen man dienen kann. Gestern noch sollten wir Müll trennen und Alu-Dosen meide, um eine Eiszeit zu verhindern, die dem Waldsterben zu folgen drohte.
Der totgesagte Wald lebt. Heute betreiben wir altersschwache Nuklearpötte zur Stromerzeugung weiter, weil die Erde sich erwärmt und die regenerativen Energien noch nicht so weit sind. Die Klima-Künstler wollen Macht und Geld, um uns vor etwas zu beschützen, auf dass sie gar keinen Einfluss haben. Hier liegt die strukturelle Demagogie der Öko-Heuchelei.
Niemand weiß gesichert, ob wir auf eine Klimakatastrophe zusteuern, weil man das nicht gesichert wissen kann. Niemand weiß, was die Verringerung des Kohlendioxidausstoßes bewirkt. Man kann darüber nachdenken, ob es nicht dringendere Probleme gibt, für die wir das Geld ausgeben sollten.
Wir befinden uns in einer fundamentalen Paradoxie: Nichts genaues weiß man nicht, aber Eile ist geboten, weil Gefahr im Verzug, also lasst uns mal in den blauen Dunst hinein wursteln. So sehen politische Paradoxien immer aus; man muss Verantwortung wahrnehmen, wissend, dass man das nicht verantworten kann. Daran kann man verrückt werden, oder einfach seinem Instinkt folgen.
Fragen wir unseren Bauch, unser Herz oder unseren Alltagsverstand. Ein exponential wachsender Rohstoffverbrauch mag bewirken, was er will, aber ist er klug, wenn er vermeidbar ist?
Warum sollen wir Raubbau betreiben, wenn es auch nachhaltig geht? Welchen Sinn macht es, gigantische Zerstörungen der Natur vorzunehmen, wenn es mit kleineren und intelligenteren Eingriffen geht? Warum wollen wir uns mit dummen Maschinen umgeben, statt zu lernen, intelligente zu bauen? Effizienzsteigerung ist nicht nur ein technologisches und industriepolitisches Kriterium, sondern auch ein ökologisches.
Konkret? Ich fahre einen Sportwagen deutscher Fertigung mit satten 300 PS, der bei Tempo 130 auf der Autobahn weniger als 6 Liter Diesel verbraucht, eine ökologische Sensation. Und ich fahre ihn selten, weil ich weite Strecke mit der Bahn erledige und innerstädtische mit dem Bus.
Weil ich gegen ein generelles Tempolimit bin, zetert mich in einer Talkshow eine notorische Spitzenpolitikerin von den Grünen an. Nein, diesmal sollte es nicht eine Hymne auf Toyota und Batterie-Autos sein. Diesmal ging gegen die Raserfraktion. Das war meine Rolle, die des „car guy“, der die Eisbären ertränkt.
Die Dame selbst hatte, um ins Studio zu kommen, innerdeutsch, also von Berlin nach Köln ein Flugzeug genommen, und vom Flughafen ins Studio allein in einer S-Klasse-Limosine chauffieren lassen; das alles wahrscheinlich auf Kosten des Steuer- und Gebührenzahlers. Ich neide ihr den gehobenen Lebensstandard nicht. Das bringt auch Mutter Erde nicht um, der unverhältnismäßig große „carbon footprint“ der Politiker.
Aber es zeigt, wes Geistes Kind diese Öko-Heuchler sind. Sie führen die Zukunft der Menschheit im Maul, kämpfen aber so ganz nebenbei um die Privilegien ihrer Kaste. Solchen Pharisäern sollte man keine Macht geben, jedenfalls auf die Finger schauen. Auch wenn es so gepflegte Händchen wie die von Norbert Röttgen sind.
Quelle: starke-meinungen.de