Logbuch

WIEDERHOLUNGSZWANG.

Sehe im Staatsarchiv unter strenger Aufsicht Handakten von Max Brod durch. Mit weißen Handschuhen, sehr behutsam. Dabei eine erschütternde Erkenntnis zur Mentalität seines Freundes Franz K., der über einen „Herrn K“ schrieb, vielleicht also über sich selbst.

Der Mann litt unter einem massiven WIEDERHOLUNGSZWANG. Ein und dasselbe Stück in vier, fünf Varianten, mit nur sehr geringfügigen Abweichungen. Selbst Tagebucheintragungen zu einem Urlaub am Gardasee zigmal wiederholt. Zögern, zaudern, zweifeln. Ein Alptraum für Verleger.

Etwa die Frage, warum Karl Rossmann in DER VERSCHOLLENE nicht nach seinem Koffer schaut. Zermürbende Ungewissheit in zermürbenden Wiederholungen, immer wieder neu gewendet. „Kerl, kümmere Dich um Dein Gepäck!“ möchte man als Leser brüllen. Aber Karl zermartert sich wie Herr K sich zermartert hat, vielleicht sogar der Franz K. Der Mann hat es nicht leicht mit sich gehabt. Wenn es noch um etwas gegangen wäre… Immer zappelt seine Seele.

Natürlich fehlte ihm eine regelrechte stramme Affäre mit einer bodenständigen Frau, dem ständig sehnend Verliebten. Oder mehrere. Vielleicht hätte in einem solchen Harem jener irdische Segen gelegen, den er so vermissen musste. Das Tinteklecksen ersetzt nicht das Über-die-Stränge-schlagen. Und er kleckste viel. Die Handschrift immer fahriger, von Entwurf zu Entwurf. Ich leide beim Lesen des Geschreibsels.

Gardasee war ja ein Anfang; wäre er nur weitergereist. Mal eine große Tour! Venedig, Capri. Zu Zeiten der Italienreise Goethes, seiner GRAND TOUR, galt Venedig als das größte Bordell Europas. Von wegen blühende Zitronen, handfeste Exzesse. So war er, der Wolfgang aus Weimar. Ach, Franz.

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DER VERSCHOLLENE.

Ein Sachbearbeiter der Versicherungsgesellschaft zu Prag steht eines Abends vom Abendbrottisch auf, wortlos seine Frau und die Kinder zurücklassend, wirft sich den Mantel über den Arm, und ist zwanzig Jahre verschwunden, ohne jedes Lebenszeichen. Als er wiederkehrt, der Schlüssel passt noch, setzt er sich an den Tisch, seine Frau legt noch ein Gedeck auf, und man isst wortlos zu Abend. Auch die zwischenzeitlich herangewachsenen Kinder fragen nichts. Man geht zu Bett.

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DIE AMPEL KOMMT.
MIT KRÖNCHEN.

Ich lege mich jetzt mal fest. Die nächste BUNDESREGIERUNG wird eine AMPEL. Wir kriegen Rot/Gelb/Grün. Daran schmieden gerade die Hinterzimmer in Berlin. Der Grund: Alle großen Parteien bringen es nur noch auf ein Fünftel, sprich jeweils höchstens zwanzig Prozent.

Die Schwarzen fallen nach Angela Merkel von einem Drittel runter. Die Roten packen es nicht mehr bis zu einem Drittel wie noch unter Gerd Schröder. Die Grünen haben das Drittel wg Annalena Bärbock und ihres Kobolds verspielt. Zudem keine Koalition mit der Links-Partei oder der AfD, also bleibt nur noch ein Dreierbündnis. Sprich: Ampel. Nennt sich „Wahlmathematik“.

Das Olaf-Scholz-Kalkül, ich korrigiere mich, war richtig. Mein Spott über den SCHOLZOMATEN war unangenessen; das muss ich einräumen. Das ist die Situation: Die Union hat keine Führung mehr, hinter der sie ein Drittel oder gar die Hälfte der Wähler sammeln könnte. Scholz (SPD) wird KANZLER. Lindner (FDP) Vizekanzler; er kriegt FINANZEN. Und Habeck (GRÜNE) nimmt die aufgewertete UMWELT. Eine perfekte Ampel: diese drei können es eben auch als Person.

Auf dieses Dreigestirn muss aber noch ein Krönchen, mit dem eine gefallene Prinzessin belohnt wird. Da ist noch die inzwischen notorisch versteckte Kanzlerkandidatin der Ökos. Hochgestapelt, tiefgefallen. Nun, Frau Baerbock löst Frank-Walter Steinmeier im Bundespräsidialamt ab. Das war sein KALKÜL. Er hat der SPD mit seinem Wunsch nach einer zweiten Amtszeit ein Krönchen geschenkt, das man jetzt der gefallenen Prinzessin aufsetzen kann. Steinmeier verzichtet. Frau Bärbock wird unter der Ampel von Scholz/Lindner/Habeck als neue Bundespräsidentin die Erste Frau im Staate.

Dieser Versuchung als STAATSOBERHAUPT eine grüne (!) Frau (!) zu haben, wird die Eitelkeit der Ökos nicht widerstehen; die machen das. Ohnehin stand die Kandidatin „aus dem Völkerrecht“ schon mit beiden Beinen im Himmel, war also im Konkreten für die Praxis der Galaxis zuständig. Weiter so!

Damit habe ich mich festgelegt. Und erwarte nun, wie jeder gute Kolumnist, dass sich das Leben an meine Meinung hält.

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Eine Schweinepolitik ist das mit der Schweinegrippe

Die junge Ärztin, die gerade die Praxis ihres Vaters übernimmt, ist eigentlich von zarter Gestalt und fürsorglichem Ton. Jetzt platzt es aus ihr heraus. Eine Schweinerei sei, was unsere Gesundheitspolitik sich bei der vermeintlichen Massenseuche namens Schweinegrippe erlaube. Wenn sie mich impft, erhält sie fünf Euro Honorar.

Dafür nimmt sie meine Krankengeschichte auf, erwägt meinen Gesundheitszustand und trägt die ärztliche Verantwortung. Aber sie impft mich nicht, weil ich nicht bei der Feuerwehr bin, uralt und schwanger. Zudem, und das ist meine Schuld, ich habe meinen Impfpass verloren. Es geht um so einen Lappen wie der alte Führerschein, in den unzählige Helferinnen mit Kuli und Gummistempel gekrakelt hatten. So wie man früher an der Grenze ohne Pass ein Gar-Nichts war, ein staatenloses, so ist man heute ohne Impfpass nicht mal ein Patient, den man impfen kann.

Ich biete diese Scheckkarte an, die ich von meiner Krankenkasse habe. Frau Doktor reißt die Arme hoch: Der Chip weiß, wie ich heiße, aber sonst schlicht nichts.

Mein Apotheker ist nicht fürsorglich, hübsch und verzweifelt, sondern riecht schon morgens nach Schnaps. Er politisiert. Der Impfstoff gehört ihm nicht. Alle Arzneien darf er erwerben und verkaufen, aber das Mittel gegen die Pandemie mit dem Schweinetitel, das darf er nur „händeln“. Er reicht staatlich gesteuerte Zuteilungen weiter. „Wie in der DDR“, sagt er, und natürlich laufe es mit der HO Pharma nicht.

Es sei eine Schweinerei, wie sich die Politik von den Pharmakonzernen vorführen lasse. Da ich ihn gut kenne und er gefügig wirkt, flüstere ich über die Theke, ob er mir nicht etwas zustecken könne von der besseren Droge, die Regierung und Militär bekämen. Die Ehefrau des Verteidigungsministers lässt nämlich gerade verlauten, sie habe auch nur das Mittel für Normalsterbliche bekommen. Wenn Regierungs-PR solche home stories absondert, weiß ich als Bürger, die Sache stinkt. Da ist eine Schweinerei im Gange. Ich will das Zeug, das ihr Gatte Karl Theodor zu Guttenberg gekriegt hat, nicht die Ersatzspritze für den Plebs.

Und dafür ist S-Klasse-Ulla („Das steht mir zu.“) auch durch den Spott der Pharma-Lobby gelaufen, ihre zu eng gewordene Kostümjacke immer wieder zwanghaft mit Gewalt zusammenziehend, als ob sie sich so vor Angriffen schützen könnte. Sie galt als verlässlicher Kaltblüter, ein sozialistisch erzogenes Schlachtross, und hatte mit der in der DDR sozialisierten Kanzlerin die ideale Bündnisgenossin für Kollektivismen wie den Gesundheitsfonds. Nur die FDP erhob gelegentlich die Stimme. Darauf müsste man jetzt bauen können.

Die schwarz-gelbe Wende: jetzt also aus Hannover der in Bundeswehrkasinos erzogene Philipp Rösler, der aus Vietnam stammende Obama der FDP, der so nett rüberkommt.  Was aber erwarten wir jetzt von diesem Marktliberalen im Geschenkkarton eines gefallsüchtigen Menschen, dem idealen Schwiegersohn im zweiten Kabinett Merkel? Er eiert herum wie sein Parteichef, der erste Außenminister dieser Republik, der seinen Antrittsbesuch in der Talkshow von Herrn Beckmann macht und sich dort, frisch im Amt, zu seinen sexuellen Präferenzen verbreitet.

Rösler erweist sich allenfalls als politisch klug, so wie sich diese politische Klasse als klug erweisen will. Er lädt fix alle Gesundheitsminister der Länder nach Berlin und stellt sie gesammelt vor die Kameras. Für die SPD spielt Malu Dreyer aus Rheinland-Pfalz den „nützlichen Idioten“ (Lenin) und verhindert die parteipolitische Polarisierung. Jetzt hätte die SPD-Opposition mal zeigen können, was von der politischen Wende zu halten ist. Dazu ist diese Partei aber zu staatsbürgerlich oder, was parteipolitisch auf das Gleiche herauskommt,  zu doof.

Das kennt man ja schon. Herr Steinmeier hat die Rolle des nützlichen Idioten für Frau Merkel im Fall Opel ja auch gespielt. In der Tagesschau sehen wir die Gesundheitsminister aller Parteien den Kopf hinhalten für einen unprofessionellen Komödienstadl, der alles hat, um zur Tragödie zu werden. Minister Rösler und die FDP haben alle Chancen, sich an der Schweinegrippe zu infizieren; Ausgang wie im wirklichen Leben offen.

Verdächtiges Schweigen aus den Pharmakonzernen. Keine Gelegenheit für den Ministerpräsidenten aus NRW,  den selbsternannten Arbeiterführer Jürgen Rüttgers, von der hässlichen Fratze des Turbokapitalismus zu reden. Nach Jahren der Demütigungen, lästig zwar, aber folgenlos, ist man endlich wieder am Drücker. Solche Macht pflegt man dort, wo die wirkliche Macht ist, still zu genießen.

Wer die Kostenstrukturen im Gesundheitswesen kennt, weiß ohnehin, wo der Löwenanteil unseres Geldes hingeht. Während wir unsere Ärzte schlechter bezahlen als unseren Friseur, während wir der Pflege für Putzfrauenlöhne die menschlich schwerste Arbeit überhaupt aufhalsen, pflegen diese Herren in Deutschland einen der lukrativsten Pharmamärkte der Welt. Mein Apotheker nennt das eine Schweinerei, aber, wie gesagt, er ist nicht ganz nüchtern und kommt aus dem Osten. Was aber sagt der FDP-Mann Rösler? Bisher lächelt er bübisch gegen jedermann. Harald Juhnke in jungen Jahren.

Die Gefahr, dass ich selbst außer starken Meinungen auch Schweinegrippeviren verbreite, ist noch nicht gebannt. Denn geimpft bin ich nach wie vor nicht, weil ich diesen vermaledeiten Impfpass nicht finde. Warum brauche ich einen Lappen statt einer intelligenten Karte? Dann könnte ich zu jedem Arzt und müsste mich nicht diesem Gesundheitsamt-Regime unterwerfen.  Manches könnte man doch bei einem Notfall in Sekunden brauchen.

Nichts ist plausibler als ein kluger Chip, der meinen Arzt aufklärt, zweifelsfrei und kompetent, zumal wenn der Patient dies nicht mehr kann. Warum haben wir das nicht? Das wiederum weiß meine nette Ärztin zu beantworten: Weil die FDP das nicht will. Wegen Datenschutz. Ich finde, auch das ist eine Schweinerei. Das wird mir Rösler nicht weggrinsen.

Quelle: starke-meinungen.de