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DER GLAUBE.
Einen Gläubigen haben wir vor uns, wenn ein Geist, oder schlimmer noch eine Seele, von jedem Zweifel verlassen ist. Die Religion begrüßt das. Und der Nutznießer von Propaganda.
Unter dem Namen eines Freundes sehe ich zunehmend Kriegspropaganda im Netz. Das geht ja an, wenn er von dem Überfall auf die Ukraine ergriffen ist. Vieles wird stimmen; vielleicht alles. Aber er verliert jede kritische Distanz. Er will sie geradezu verloren haben. Ein glühender Mitkämpfer. Ich vermute daher, sein Account ist gehäckt und eine professionelle Desinformation wirkt unter seinem Namen. Vielleicht ein Roboter. Vielleicht der Bot eines Geheimdienstes.
Die Vermutung, dass Bots der Propaganda wirken, ist möglich, aber nicht leicht zu sichern; wohl gemerkt für diese oder jene Kriegspartei. In der Publizistik (der Wissenschaft) streitet man über die Zuverlässigkeit der Analyseverfahren, die Roboter entdecken. Mir ist das bei meinem Freund eigentlich schnurz; eher wäre es noch tragischer, wenn er wirklich inbrünstig glaubt, was sein Material in so großer Beharrlichkeit vermuten lassen will.
In der Religionsausübung gilt die INBRUNST als Glaubensbeweis, ein milder FUROR für etwas; zuweilen auch gänzlich unmild, eher Zorn als die Entschiedenheit des Wahnsinns. Bei meinem Störgefühl gegenüber einer KAMPAGNE löst die übergroße Entschiedenheit den Eingangsverdacht aus. Glaubensstärke ist ein irritierendes Signal. Ich habe da viel von einem Soziologen gelernt, der die „Binnenbindung“ (das, was zusammenhält) in SEKTEN untersucht hat. Es fehlt dort gesunder Zweifel und es herrscht eine kranke Selbstgewissheit.
Wenn ich meinen Freund darauf ansprechen würde, fürchte ich ihn zu verlieren, denn er wäre beschämt, auch wenn ich irre. Und so sehen wir betroffen, der Vorhang zu und alle Fragen offen.
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FUSSECK.
Aus dem rüden englischen Fabrikfussball der dortigen Rüstungsindustrie entwickelte sich eine kultiviertere Form dieses Mannschaftsspiels in Deutschland, nämlich der Rasenballsport. Er kommt ohne das ansonsten ja uferlose Marketing, sprich ohne jegliche Werbung aus.
Ich habe keine Ahnung von Fußball. Trotzdem merke ich in Leipzig, Sachsen, an, dass mir der örtliche Fusseck-Verein österreichisch inspiriert erscheint. Von einem einschlägigen Rechtspopulisten aus Salzburg. Ich erwähne beiläufig ein mir erinnerliches derartiges Gerücht. Und das in einer Vatertagsgruppe mit Vorsprung. Freunde, da war was los.
Also, die mit zwei roten Ochsen bebilderte Truppe im Stadion des Rasenballsports zu Leipzig geht dem Rasenballsport absolut AUTHENTISCH nach; hier spielen nur Sachsen und zwar solche aus der Stadt des Rasenballsports. Keine aus Dresden. Insofern sei das, lerne ich, mit BAYERN LEVERKUSEN vergleichbar. Ich dachte zwar, die Münchner hießen 1860; aber wer will sich schon mit angetrunkenen Fans streiten? Auf Vatertag. Zudem habe ich von Fußball eigentlich keine Ahnung.
Als ich aus beruflichen Gründen noch einen anderen authentischen Verein zu besuchen hatte (ich war in meinem Leben nur zweimal in einem Rasenballstadion), hatte mir meine damalige Sekretärin in meinen Tagesterminplan für die zweite Halbzeit geschrieben: „Achtung. VfL spielt jetzt auf das andere Tor!“ Sie wollte verhindern, dass ich wegen spontaner, aber falscher Begeisterung tot im Wolfsburger Kanal lande. Das andere Mal war ich bei Bayern Leverkusen, die in der Nähe von Köln spielten.
Und traf eine viril wirkende Dame namens Tante Käthe in der sogenannten VIP-Lounge, über die mir allen Ernstes erzählt wurde, dass ihr lockiges Haar darauf zurückzuführen sei, dass ihr gegnerische Spieler Speichel zur Verfügung stellen. Man nennt das „holländische Minipli“ im Rasenballsport, erzählt man mir. „Dauerwelle versus Minipli“: Ist das nicht ein Lied von den ÄRZTEN? Man könne aber auch drei Weizenbier trinken. Tja, die Bayern in Leverkusen; ich weiß nicht. Also, man sollte auch nicht alles glauben, was im Rasenballsport so erzählt wird.
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POPULISMUS.
Mich erreicht der persönliche Vorwurf des Populismus; moralisierend. Darauf nicht auch persönlich einzusteigen, gelingt mir leider nicht. Man sollte es aber begrifflich versuchen. Was darf SATIRE?
Die Freischärler der Feder beteiligen sich nicht an PROPAGANDA. Also an Machtausübung, die ihre Ziele und Hintermänner verbirgt, um Volkeswillen gegen dessen Interessen zu missbrauchen. Aktuell betrifft das vor allem den Rechtspopulismus, der eine liberale Demokratie zum Feindbild hat. Ich kenne mich in der NEUEN RECHTEN aber ideologisch nicht so gut aus.
Wer es in älteren politischen Kategorien mag: im Rechtspopulismus formulieren sich PRÄFASCHISMUS oder PROTOFASCHISMUS, was auch immer man für den plausibleren Begriff hält. Die historisch eher linksgesinnte Satire kommt aus einem anderen Lager; sie verfolgt vor allem aber andere Absichten. Sie will der AUFKLÄRUNG dienen, also dazu anregen, dass das Publikum den Mut entwickelt, sich seines Verstandes ohne die Anleitung durch Autoritäten, sprich selbstständig zu bedienen. Mit welchem Ergebnis auch immer. Öffentlicher Gebrauch der Vernunft im Sinne Kants.
Es stimmt schon, das Links-Rechts-Schema hat die Plausibilität verloren, die es mal hatte. Das mag an den (historischen) Zeiten liegen oder am Lebensalter, sprich Wissen und Erfahrung. Jedenfalls fällt es für mich nicht mehr mit moralischen Welten zusammen. Der Konstruktion, dass das Gute vorübergehend mal das Böse sein muss, damit wir dann alle im Endzustand des ewigen Glücks landen, begegne ich mit tiefer Skepsis. To say the least.
Natürlich darf SATIRE nicht alles. Vor allem darf sie sich nicht REPLIK verbieten. Schade eigentlich.
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Liebe Nation: Mutti ist die Beste!
TROTZ ANDERSLAUTENDER LIPPENBEKENNTNISSE: DIE SOZIALDEMOKRATIN MERKEL UND IHR AUSSENMINISTER WOLLEN WEITERREGIEREN
TV-Duelle sind so berühmt, weil auf ihnen ein doppelter Mythos ruht. Zunächst einmal erscheinen alle Duelle wie die dramatische Auseinandersetzung zweier Helden, von denen nur einer überleben kann. Kampf um Troja, großes Kino. Es geht um Krieg oder Frieden, um Wohl oder Wehe. Schon der Altgrieche Homer hat dabei über das Imponiergehabe der duellierenden Feldherren Menelaos und Paris spotten lassen. Auf den Paukböden der studentischen Verbindungen hat sich dann der Kult der Duelle über die Zeiten gerettet. Und seit einem halben Jahrhundert glauben wir daran, dass im Fernseh-Streitgespräch sogar Wahlen entschieden werden. Damals trat der sonnengebräunte John F. Kennedy gegen einen bösbärtigen Richard Nixon an. Nixon wollte sich wie ein verletzter Gladiator in Kennedy verbeißen, dieser aber übersah ihn, gab den Sonnyboy, lächelte in die Kamera und gewann. Die politische Sensation war perfekt.
Aber auch das ist ein Mythos, denn TV-Duelle entscheiden keine Wahlen. Sie bestätigen die ohnehin vorhandenen Ressentiments, bei Freunden wie Feinden der Kandidaten. Das Fernsehen mobilisiert bestenfalls, aber es erteilt Wählern keine Lektionen. Alles andere ist Kaffeesatzleserei, an der sich leider auch seriöse Meinungsforscher und eitle Professoren beteiligen. Die wissenschaftliche Tiefe solcher Duell-Analysen entspricht im Kern den Diskussionen beim Hahnenkampf im mexikanischen Hinterhof oder den Wetten beim Kirmesboxen auf dem Schützenfest. Es gewinnt immer die Politik, und es verliert der Wähler. Das TV-Duell hat keine Wahl geboten, es suggerierte alternative Lösungen, die additiv sind. Die Helden der großen Koalition haben sich in Wirklichkeit im Doppelpack angeboten. Was die Sozis programmatisch offerieren, das kriegt die Nation auch bei Angela Merkel. In Wahrheit wollte Steinmeier schon den ganzen Wahlkampf über die große Koalition. Die Republik kollabiert politisch in der Mitte.
Das Gerede, Getue, Geplätscher beim TV-Duell Merkel-Steinmeier war mitnichten ein Kampf. Es war wie beim letzten Familienfest das übliche Geplänkel von Tante Paula und Onkel Günter, nur dass die Tante jetzt Angela hieß und der Onkel Frank Bindestrich Walter. Gleichwohl hat Angie, wie ihre Fans sagen, gewonnen; zusammen mit ihrem Lieblings-Außenminister Steinmeier. Denn Deutschland fühlt sich gut regiert.
Merkel ist ferner zu skeptisch und zu sehr Ossi, um dem Zwang zu erliegen, ständig einen Punkt machen zu müssen. Sie geht in keine Luther-Pose: „Hier steh` ich und kann nicht anders“. Kein Männer-Brimborium. Näher ist ihr das Vermögen des geseiften Ferkels, jedem Zugriff entwischen zu können. Merkels Rede ist wie Warmduschen, ohne nass zu werden. Aber man merkt, dass eine Wölfin in dem Schafspelz lauert. Man weiß, Mama kann auch anders! Aber Mama lässt es bei mütterlichem Ernst und liebevoller Unbeholfenheit. Sie ist nie brillant, sie ist nie peinlich. Middle of the road, heißt das im Englischen.
Steinmeier ist davon nicht weit weg, er war mittelmäßig wie immer. Er gab weder den strahlenden John F. Kennedy, noch den kühnen Menelaos, jenen Siegreichen aus dem trojanischen Krieg. Er hat kein Hai-Lächeln wie Schröder und keine Zornes-Stirn wie Joschka Fischer. Sein Gesicht bleibt Teig. Kein Spieler, kein Kämpfer, kein Schlitzohr, kein Showstar, er hat etwas Orientalisches. So reiht er Sprechblasen über Gewichtiges, und die zerplatzten Blasen legen sich wie Mehltau über uns.
Merkel will nicht auf den Punkt kommen, er kann nicht. Wie Merkel ist er nicht sportlich, nicht schön, nicht das, was Jugendliche „geil“ nennen. Er ist ermüdend authentisch, ein authentischer IG Metall-Sekretär, der es zum Büroleiter geschafft hat, den es dann irgendwie an die Spitze eines Wahlkampfes gespült hat. Jemand, der sich redlich Mühe gibt. In Schulnoten ist er immer vier plus und Merkel immer zwei minus. Wir wollen Blut und Spiele und kriegen Worthülsen und Schachtelsätze. Man hat eher Mitleid mit Steinmeier. Seine Freunde loben ihn so, wie man es in der Sonderpädagogik tut: besorgt gönnerhaft. Dafür, dass er es eigentlich nicht kann, war er nicht schlecht. So auch unser Urteil, ein Achtungserfolg. Es ist also wie bei Homer. Zu dem unterlegenen Duellanten Paris sagt dort die schöne Helena: „So kommst Du vom Kampfe zurück, lieber sähe ich Dich getötet. Noch kürzlich prahltest Du, ihn zu besiegen.“ War wohl nix, würden wir heute sagen. Getretener Quark, hat Goethe gesagt, wird breit, aber nicht stark.
Haben Plasberg, Illner und Konsorten die Wahl entschieden? Senken wir unsere Daumen nach einem Kampf der Gladiatoren im Circus Maximus? Die Spitzen der Talkmaster-Kunst haben einen bunten Abend veranstaltet. Wahlkampf im Seniorenheim. Mehr nicht. Jedes Volk hat die Politiker, die es verdient. Und die Journalisten obendrauf. Gute Nacht.
Quelle: starke-meinungen.de