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HOTDOG.

Hunde verzehrt man hierzulande nicht. Auch nicht, wenn sie als Brät in Schafsdärme gepackt sind und mit Röstzwiebeln sowie eingelegten Gurken verziert in einem süßen Weizenbrötchen dargereicht werden. Außer es sind knall rote Pölser; dann schon.

Der Speckdäne und der IKEA-Schwede färbt Fleisch auch mal wie Kulturnationen die HARIBOS, knall rot zum Beispiel. So habe ich auf Jütland Salami gesehen und in Stockholm Würstchen. Die Unart stammt allerdings aus Coney Island in den USA, wo deutschstämmige Migranten die Frankfurter Würstchen als Brötcheneinlage populär machten. Das Würstel vom Main ist gekochtes Schweinefleisch, das danach noch geräuchert wurde; etwas edles. Warum das dann mit süßem Senf, Ketchup und Mayonnaise zugeferkelt werden muss, wissen die Götter. Ja, und Röstzwiebeln und Gurkenscheiben. In einem Milchbrötchen. Weder koscher noch halal.

Bei dem Event in Montabaur, das ich letzte Woche besuchte, hatte der örtliche Caterer statt Frankfurtern oder Wienern dazu eine weiß gefärbte Bratwurst verwendet, die so kurz auf dem Grill war, dass der angebräunte Schafsdarm den fälschlichen Eindruck vermitteln konnte, es handle sich um Grillgut; das Schweinebrät war aber innen noch kalt, ekelhaft. Rohes Schwein im Schafsdarm mit Zuckersauce und panierten Röstzwiebeln. Och, nä.

Und der Sponsor, ein in die Jahre gekommener Hersteller von verglasten Holzhütten, nutzte das Ereignis als banale Werbung für sein Gezimmere auch als Gewerbebau. Das war echt peinlich. Übrigens an den Fenstern des Musterbaus Leerstandsanzeigen; die hätte man vielleicht abhängen sollen. Also, das hat mich nicht überzeugt. Man kann zudem an allem sparen, aber nicht am Buffet.

Wer im Holzbau noch IKEA unterschreiet, der tut diesem wunderbaren Gewerbe keinen Gefallen. Wegwerf-Qualität gehört nicht in die Architektur. Man baut, wenn man baut, für Generationen oder lässt es. Ich weiß nicht, wer die Schutzheilige der Zimmerleute ist, aber das hätte ihr nicht geschmeckt.

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MACH. FETTICH.

In meiner Heimat mochte man keine Dampfplauderer. Als Montaner nahm man Verantwortung und wurde ihr gerecht. „Get things done“ heißt an der Ruhr: MACH FETTICH. Schwätzer straft man hier mit Verachtung.

Ich zitiere die wunderbare Publizistin Hatice Akyün, die aus Duisburg stammt: „Nochen Spruch, Kieferbruch.“ Fertig machen. Szenenwechsel. Letzten Donnerstag traf ich im Westerwald meine Bundestagsabgeordnete, die als Rote einen schwarzen Wahlkreis geholt hat, und bat sie, dem Kanzler bitte auszurichten, dass ich meinen früheren Spott zurückziehe. Er macht das nicht schlecht. Am Freitag sah ich ihn dann im Fernsehen zu UNIPER. Unaufgeregt, sachlich, korrekt. Er macht das sogar ganz gut.

Man korrigiert gerade den fortgesetzten energiepolitischen Schwachsinn früherer Jahre. Es wurde damals die Fusion der RUHRGAS AG mit dem Stromerzeuger E.ON gegen die Bedenken des Kartellamtes per Ministererlaubnis durchgesetzt (erster Fehler) und dann hingenommen, dass die windigen Stromer die kreuzbraven Gaser an einen finnischen Saftladen verscheuern (zweiter Fehler). Die spinnen, die Finnen, eh klar.

Das alles auf dem Rücken der Erbsünde, dass man dem Betreiben des Chemiegiganten BASF nachgegeben hatte, die den Russen den direkten Marktzugang zu den deutschen Stadtwerken ermöglicht haben. Und damit den Produzenten die Endverbraucher auf dem Tablett serviert. Das war die GRUNDSTOFFCHEMIE. Deren Lobbyist war übrigens ein gewisser Helmut Kohl, ehemaliger Praktikant der BASF. Heute sitzt die Lobby der GRUNDSTOFFINDUSTRIE in Essen, in dem sagenumwobenen Casino der EVONIK; aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.

Es gab übrigens bei dem Empfang im Westerwald ein so untergründiges Catering, dass von dem dort servierten HOT DOG später noch die Rede sein wird. Zuerst musste hier ein Kanzler abgewatscht werden und ein anderer gelobt. Erledigt. Fertig gemacht.

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TATTOO.

Nicht, dass ich Freibäder aufsuchte, aber auch im Straßenverkehr nehmen sie dramatisch zu: TÄTOWIERTE Menschen. Bis ins Gesicht. Die Knastträne für jedermann.

Früher ein Kultzeichen von Seeleuten, genauer gesagt der gewöhnlichen Matrosen, der Langeweile an Bord geschuldet. Man machte sich einen Anker auf den Arm. Für die Insassen von Haftanstalten galt wahrscheinlich Ähnliches. Die Langeweile gebar eine Meerjungfrau. Ich habe ein gewisses Verständnis, weil die Langeweile eine wirklich böse Folter ist. Und so zeichnet die Maßnahme gegen Stupidität lebenslang den Stupiden aus.

Eigentlich entstammt die PERMANENTE STIGMATISIERUNG der Viehzucht auf gemeinschaftlichen Weiden. Das Brandzeichen zeigte den Besitzer der Kuh. Mit dem amerikanischen Imperialismus wurde die Welt der Kuhjungen zum Kollektivsymbol. Freiheit und Abenteuer, so hieß es in der Marlboro-Werbung. Cowboys. Was für ein vormoderner Kult aus einer vormodernen Nation; fällt mir dabei auf. Wie der Waffenkult zeigt, sind sie noch immer nicht wirklich weiter.

Man erzählt sich, dass die ORGANISIERTE KRIMINALITÄT unserer Tage tätowiere und weiß es von jener der vorigen Republik. Das ist das TATTOO im Wortsinn der PERMANENTEN STIGMATISIERUNG. Das verstehe ich ja noch. Eine Gruppenzugehörigkeit ausweisen; warum aber auch, dass man ein Langweiler ist? Was sind diese großflächigen Tapetenmuster, die sich Menschen auf alle möglichen Körperteile machen lassen? Im besten Fall magische Muster, meist aber von der Kreativität eines Ostblockhemdes der sechziger Jahre. Künstliches ohne Kunst.

Sagen wir es klar, das ist Stammes-Deko, Tribalismus. Wenn die Geschmacklosigkeit am eigenen Körper noch spektakulär wäre. Sie ist piefig. Und da sie die Kathedrale der Seele, den Körper, verunziert, wäre sie eigentlich gotteslästerlich, wenn sie nicht so belanglos wäre. Ein Dokument schlechten Geschmacks. Die übelste Art zur Vertreibung von Langeweile: das Arschgeweih. Zur Verzierung ausgerechnet des Steißbeins. „Atergo in Ehren“, pflegte mein Freund Jürgen zu sagen, „kann niemand verwehren.“ Ein Landser-Spruch; das ist das Milieu. Stammeskult der Stupiden.

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Nächtens im Hinterzimmer um Posten schachern: Geht so Politik?

Dem Wähler wurde europaweit versprochen, er habe das Sagen. Er sei der Souverän. Er allein dürfe die Regierung Europas wählen, indem er für das Europaparlament stimmt. Die Erwartung wurde gründlich enttäuscht. Bekommen hat er eine Kandidatin, die Angela Merkel mit den anderen Regierungschefs ausgekungelt hat. Unser Autor Klaus Kocks grübelt nun über das Wesen von Politik.

Wie naiv kann man sein? Alle europäischen Völker stimmen ab und ihr gemeinsamer Wille gebiert dann den künftigen Chef der vereinten europäischen Regierung. Demokratie pur. Ach, wie lauter. Aber Honigkuchen. Es wird nächtens in dubiosen Hinterzimmern zwischen den Regierungschefs um die Posten geschachert und dann holt Angela Merkel unter dem Beifall der anderen Regierungschefs ein Kaninchen aus dem Hut, das gar nicht zur Wahl stand, aber jetzt gewählt sein soll. Das ist Machtpolitik pur, nennen wir es Politik nach Merkel & Machiavelli. Die vermeintlichen Spitzenkandidaten schluckt am Ende das Sommerloch. Überrascht? So naiv darf man eigentlich nicht sein. Aber man gewinnt plötzlich zum eigenen Entsetzen rechtspopulistischen Parolen gegen Europa etwas ab, die eigentlich nur den Antisemitismus des 19. Jahrhunderts aufwärmen. Die Stimmung wird reaktionär.

Wenn Politik das Dunkel sucht

Aber der Reihe nach, denn dies ist ein Lehrstück. Man kann begreifen lernen, wie Politik gelegentlich wirklich funktioniert. Vergessen wir für einen Moment, wie das Leben sein sollte. Und beschäftigen wir uns uns mit der hässlicheren Wirklichkeit. Erstens: Politik geschieht nicht immer im hellen Licht der Aufklärung, sondern oft im Schatten oder gar im Dunkel der Nacht. Es geht eben auch um Intrigen, Ränkespiele, Rache und Gunsterweisungen. Alles Dinge, die man klammheimlich betreiben kann, aber nicht erkennen lassen darf. Das Merkelsche Schweigen, ihr sphinxhaftes Lächeln, das Sich-nicht-in-die-Karten-schauen-lassen passen in dieses Halbdunkel. Man pokert nächtens. Im Dunkeln ist gut munkeln. Erst wenn die Messe in der Krypta gesungen ist, treten die Hohen Priester wieder ans Licht, sprich vor die Kameras.

Vertraulich, daher an geheimen Orten

Zweitens: Politik findet nicht immer auf Marktplätzen oder Foren statt, nur selten in Parlamenten oder Palästen, sondern agiert eben auch aus verborgenen Hinterzimmern. Dort ist das Biotop der lichtscheuen Gestalten, die eigentlich eine lichtscheue Elite sind. Die Brüsseler Bürokratie hat viele dieser geheimen Orte, nicht nur in den gigantischen Bürokomplexen, vor allem in den Casinos der einschlägigen Vertretungen, in den Luxushotels oder auch nur an den Handys der wirklich Mächtigen aus einer Unzahl von Limousinen. Im Hinterzimmer fühlt man sich nicht beobachtet, kann einander also trauen. Der Lateiner nennt das „genius loci“, Geist des Ortes, nämlich die Heimlichtuerei. Man kann die Uhr danach stellen, dass die Spinner beginnen, von Geheimbünden zu faseln.

Das Sagen hat ohnehin nicht das Parlament

Drittens: Man muss die Physik der EU verstehen. Nicht alles, was hier gewichtig klingt, hat auch was zu melden. Die wirklich Mächtigen sitzen nicht im Europäischen Parlament, das eigentlich gar kein veritables Parlament ist. Es hat kein Initiativrecht. Es braucht nicht mal eine 5 % -Klausel. Weil es, lax gesagt, eigentlich nix zu entscheiden hat; das sagt etwas vornehmer selbst das Bundesverfassungsgericht. Das Zentrum der Macht, das ist die Versammlung der Regierungschefs, der Rat. Und diese sind alle demokratisch in ihren Herkunftsländern gewählt; nichts ist dümmer als das englische Argument, dies seien Ungewählte. Die Ratsmitglieder, sprich die Regierungschefs, haben in der EU das Sagen, auch wenn das Parlament bei der Verabschiedung von Verordnungen und Richtlinien in der Regel ein echtes Mitentscheidungsrecht hat. Ich habe mal in dem alten Versammlungsraum des Rates gestanden, eine riesige Runde von  28 Nationen. Voller Respekt dachte ich, hier also holt Barthel den Most. Das Parlament darf abnicken und könnte hier und dort Schwierigkeiten machen, wenn es dazu den Mut hat. Der Rat ist der Olymp, hier sitzen die Götter.

Diplomatische Kunst oder ordinäres Schachern?

Viertens. Fast dreißig Nationen, deren Regierungen auch noch aus Koalitionen unterschiedlicher Parteien bestehen können, unter einen Hut zu kriegen, das kann nicht einfach sein. Wer sich hier durchsetzen will und auch noch um Einstimmigkeit bemüht ist, muss mit allen Wassern gewaschen sein. Diplomatische Fähigkeiten sind gefordert, die schon an regelrechte Künste grenzen. Merkel & Machiavelli können das. Diplomatie oder  wird zwischen den Ratsmitgliedern, sprich den Regierungschefs, nur geschachert?

Spätestens jetzt sollte man einhalten und nachdenken über das, was da als Wesen der Politik im Frust des getäuschten Wählers aufscheint. Das Schachern ist ein Wort aus dem Jiddischen und ein altes antisemitisches Vorurteil. Es entstammt einem Denken, in dem der deutsche Kaufmann eine ehrliche Haut ist, aber der reisende Händler jüdischer Herkunft die Menschen über’s Ohr haut. Es unterstellt dem ehrbaren Hanseaten lautere Motive und dem Schacherer unseriöses Profitstreben. Gustav Freytag hat im 19. Jahrhundert in seinem Roman „Soll und Haben“ zwei Figuren gegeneinandergestellt, die dieses Vorurteil illustrieren sollten: Ein Anton Wohlfahrt stand gegen einen Veitel Itzig. Man braucht nicht viel Fantasie, um zu raten, wer von beiden der Schurke war. Wir nehmen das hier zum Anlass, uns zu fragen, ob wir in unserer Beschreibung der Politik solche Vorurteile aufwärmen.

Posten ergattern oder Verantwortung übernehmen?

Fünftens folgt ein Lieblingsvorurteil des Populismus. Es gehe allen Beteiligten, so lautet das europafeindliche Narrativ, nur um ihren persönlichen Vorteil. Die Politiker sind, sagt der Volkszorn, postengeil. Nur auf ihren Vorteil aus. Es würden Pfründe gesichert. Das ist ein Ressentiment, das sich vor allem bei jenen hält, die sozial und ökonomisch weit entfernt leben müssen von dem Standard, der in den Eliten herrscht. Es wird als ganz besonders angenehm verstanden, wenn jemand Verteidigungsministerin war und nun Kommissionspräsidentin wird. Wenig gehört werden kundige Stimmen, die diesen Populismus Lügen strafen.

Man kann es ohne Schnörkel sagen: Verteidigungsministerin ist ein echter Sch***job. In der EU an der Spitze der Kommission zu ackern, ist weder gut bezahlt noch ein Vergnügen. Es geht jenen, die hier Posten ergattern, sicher nicht nur um Verantwortung für das Gemeinwesen, schon richtig. Aber um den persönlichen Vorteil geht es eben auch nicht. Jeder Rentner mit einer halbwegs anständigen Pension lebt besser als die Kanzlerin. Es geht um Macht. Und deshalb war es angebracht, hier immer von Merkel & Machiavelli zu reden. Das ist, was Angela Merkel ausmacht; sie ist ein Genie der Macht. Persönlich bescheiden und machtpolitisch unverschämt. Und dieses Genie hat gerade listenreich das höchste Amt mit einer Vertrauten besetzt. Angie lässt regieren. Machiavelli im Quadrat.

Quelle: starke-meinungen.de