Logbuch

MADE IN GERMANY; das war mal ein Warnhinweis der Engländer. Als Sheffield noch industriell Spitze war und man die Konkurrenz aus Solingen diskreditieren wollte. Lange bevor man die eigene Rückständigkeit als Brexit nostalgisch verklärte. Kulturelle Überlegenheit. SWISS MADE. Überlegen, weil man etwas kann, das anderen verwehrt ist. Zum Beispiel hochwertige SCHWEIZER UHREN, mechanische natürlich. Stolz trage ich eine alte ROLEX AIR KING. Oder neuere SINN-Uhren mit Schweizer (!) Werken. Das macht denen keiner nach. Und bitte keine Batterien. Mein Glaube an SWISS MADE ist allerdings, das räume ich ein, mehrfach erschüttert. Beginnen wir mit dem Geburtsort dieser technischen Wunderwerke. Von Genf aus fährt man in die Berge hoch auf ein Plateau einer klassischen Armeleutegegend. Arsch der Welt. Darum hat der Schwarzwald es zu Kuckucksuhren gebracht und Sachsen zu etwas, lange vor dem Arbeiter- und Bauernstaat. Weil arme Bauern sonst im Winter nichts zu tun hatten. Handwerk als bäuerlicher Nebenerwerb. Nischen, erst technisch und dann ökonomisch. Man müsste mal was erforschen über das Diamantenschleifen, das in jüdischer Hand war und in indische übergeht. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte. Denn nicht die „soziale Frage“ des Ursprungs erstaunt mich, sondern wie winzig heute noch die edelsten der Uhrenmanufakturen sind. Man könnte sie für eine etwas größere Garage halten. Calvinistische Bescheidenheit. Uhrmacherarbeitsplätze sind halt sehr, sehr klein. Vergessen ist längst die peinliche Marketingverirrung namens Swatch. Es werden wieder Kaliber ganz seltener Qualität gebaut. Zu seltenen Preisen. Ich habe kürzlich eine luftdruckgetriebene Tischuhr zur Revision ins Schweizer Stammwerk eingeschickt, da hat der vorgeschriebene Versandkarton mehr gekostet als eine dieser Quarzuhren. Ich höre von Experten, dass es für einzelne Rolex elendlange Wartelisten gibt, die einen regelrechten Schwarzmarkt befördern. Also Buzzen im Schweizer Jura, das war das erste. Neue große Marken in Buzzen in Sachsen (Nomos) und Sachsen-Anhalt (Dornblüth) das zweite. Jetzt aber die wirkliche Überraschung: Seiko ist ein Edelproduzent. Die Japaner! Die Marke hatte bei mir einen billigen Klang, falsch, ganz falsch. Ich habe mir gerade Grand Seiko angesehen, insbesondere die SNOWFLAKE. Eine mechanische Automatik mit einer quarzgesteuerten Regulation, ohne Batterie, versteht sich; selbsterzeugter Strom als Steuerenergie. Spring Drive. Ich verstehe zu wenig davon, höre aber, Gangabweichung max. 2 Sekunden im Monat. Gangreserve 8 Tage. Das Zifferblatt zeigt ein Schneegestöber. Hammer. Die Japaner, wer hätte das gedacht. Von wegen „America first“: Nicht der Rede wert, dass es keine exzellenten US-Uhren gibt. Man muss sich nur in einem GM setzen. Wenn jetzt einer hier Tesla sagt, gibt es Tote.

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Ich interessiere mich nicht für SPORT, schon gar nicht Fußball. Lerne aber an einer zufällig gesehenen TV-Szene, dass man UNSPORTLICHES VERHALTEN pfeifen kann. Ein Stürmer hatte Spott getrieben, als er den Ball gänzlich ungehindert in ein verlassenes Tor treten konnte. Das sei unsportlich, höre ich. Da hat sich also mitten in Organisierter Kriminalität eine Alltagsverstellung moralischer Art gehalten, die der FAIRNESS, das finde ich interessant.

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NIKOLAUS soll ein Türke gewesen sein.

Echt jetzt? Dann wäre er aber doch von der falschen Seite des Mittelmeers. Also der afrikanischen. Obwohl, es gibt ja zwei falsche Seiten, weil die Adria ja auch eine falsche hat, die, wo Jugoslawien liegt. Irgendwie haben die RÖMER es geschafft, den Stiefel zum Zentrum der Welt zu stilisieren. REICH DER MITTE. Mit Rändern, von Schottland bis in den Mittleren Osten. Das ist HEGEMONIE. Zwar war im alten Rom vieles von den Griechen geklaut, dem Weltreich davor, aber sie haben den Anspruch, jetzt die Mitte der Welt zu sein, auch mit einiger Konsequenz durchgesetzt. Das phönizische Karthago (lag in Afrika, griff aber auf Sizilien über) etwa wurde nicht nur unterworfen, sondern dem Erdboden gleich, in eine Salzwüste verwandelt. Cato der Ältere hatte dazu im Übrigen eine Meinung. Hmmm, Nikolaus war ein Türke. Die Sache wird ja noch schlimmer, wenn man an die HEILIGEN DREI KÖNIGE denkt, die eigentlich Wahrsager, sprich Sternendeuter wahren. Ich höre, dass einer von denen jetzt nicht mehr gezeigt werden kann.

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Die beste Regierung aller Zeiten

Nie waren die Deutschen zufriedener mit ihrer Bundesregierung. Schon immer haben sie Politik, das schmutzige Geschäft und die ewigen Kontroversen, misstraut. GroKo hieß dagegen das Zauberwort, und das Bündnis von Union und SPD hat gehalten, was wir uns von ihm versprochen haben, business as usual. Dem deutschen Wesen ist Routine und Harmonie wichtig. Weihnachten ist, geht es nach der Volksseele, am liebsten immer. Das hat Mutti geschafft: das Ende von Politik. Jedwedes Regierungshandeln soll alternativlos wirken. Normal, solange dieses Land seine Füße unter den Familientisch streckt, wird gemacht, was man halt machen muss. Normaaal.

Man muss diese politische Ödnis nicht in den Bildern einer Familienidylle beschreiben; man kann es auch begrifflich fassen. Das Kabinett Merkel perfektioniert in der Politik einen flexiblen Normalismus. In dessen Situationsethik ist immer richtig, was gerade geht. Was im Kleinen wie im Großen gerade geht, darüber behält sie eine Definitionshoheit, die nicht zur Diskussion steht, auch nicht im Parlament. Man liefert eigentlich keine Waffen in Kriegsgebiete, außer es passt gerade. Man hält die Kernenergie für eine industrielle Option, außer es passt gerade nicht. Man will Wahlen in Europa, außer die Briten mögen den Gewählten nicht. Man gewährt politisches Asyl, außer diese Hungerleider kommen wirklich und wollen auch noch bleiben. Dieses Kabinett ist immer ein bisschen schwanger; auf Wunsch aber auch ein bisschen Jungfrau, und manchmal etwas bitchy… Mutti kann jede Rolle, solange sie die Hosen anhat.

Auch die EU pflegt das Janusköpfige: Sie ist ein alberner Moloch, der uns nach den Glühbirnen die Staubsauger nimmt, und dabei beiläufig der halbseidenen Ukraine einen NATO-Beitritt verspricht, was die Russen so beantworten, wie sie so etwas beantworten müssen. Let’s have a little war or two. Die britische Kritik an den „unelected officials“ ist verständlich und reaktionär zugleich. Die Zukunft kann ja nicht in einer Rückbesinnung auf verfeindete Nationalstaaten liegen. Schon gar nicht in einem Regress auf solche von der Größe Schottlands oder der Disparität des Balkans oder Belgiens. Europa müsste definieren und behaupten können, was der Westen kulturell und politisch ist. Und dann gehörte die Türkei des Kalifen Erdogan eben nicht dazu, aber viele meiner Freunde, die vielleicht nicht katholisch oder evangelisch, sondern islamisch sind, aber eben doch europäisch. Man muss aus Europa wegen uneuropäischem, unwestlichem Verhalten rausfliegen können. Zumindest der Menschenrechtskatalog sollte gelten, prinzipiell; dann kann man immer noch schauen, ob es auch im Einzelfall passt…

Einen Genscher hätte ich nie nach den Prinzipien der deutschen Außenpolitik gefragt, weil dessen Liberalismus ohnehin nur die Camouflage für bedingungslosen Pragmatismus war. Er hat das Beckerbauer Prinzip des Schaun-mer-mal in die internationalen Beziehungen eingeführt. Der Mann stand für nichts und bog sich für vieles; vielleicht nicht für alles, aber für vieles. Bei dem Sozialdemokraten Steinmeier hätte ich gerne gefragt, wie es um das Verdikt seines Ziehvaters steht, nach dem Putin ein lupenreiner Demokrat sei. Aber inzwischen käme ich mir doof dabei vor. Zumindest gegen Krieg jedenfalls war er, bis gestern. Jetzt rüsten wir die Kurden gegen die Islamisten auf und provozieren einen Bürgerkrieg in der Ukraine. Dieses Rezept der Stellvertreterkriege blickt ja auf eine lange Erfolgsgeschichte zurück.

In der Sozialpolitik muss bei uns der demografische Wandel gemeistert werden. Das verstehe ich, und die dem entsprechende Rente mit 70 wäre goldrichtig. Es gibt aber eine mit 60. Das verstehe ich nicht. Den Mindestlohn halte ich für sinnvoll, wenn von Maximallohn nicht mehr die Rede ist. Unten zu, oben auf: das ist sozial und liberal. Ich bin nicht sicher, ob die Andrea aus der Eifel das auch geschnallt hat und nicht doch wieder an die Umverteilung von oben nach unten geht. So verteilt man nämlich das Brot, das gar nicht mehr gebacken wird. Man munkelt in der SPD vom linken Flügel, der das aber trotzdem wolle. Darf ich mal den rechten Flügel sehen und den Körper des Vogels in der Mitte, einschließlich des Kopfes? Oder gibt es gar keinen Kopf? Sigmar, bist Du der Kopf in dem Gewurtschtel?

„Muddling thru“ heißt das, da ist Germany nicht allein. An dem afroamerikanischen Präsidenten Obama kann man lernen, wie das geht, wenn man sich doppelgesichtig durchmogelt. Flexibler Normalismus, das heißt, dass man Werte hat, wenn sie nicht gefragt sind, und sich anpassungsfähig zeigt, wenn es schwierig wird. Obama beherrscht ja immer beides: Sozialpolitiker und Imperialist, Bürgerrechtler und Folterfreund, Farbiger sein und Rassismus im eigenen Land tolerieren. Liegt dieser farbige Schuljunge in Jeans und T-Shirt mit acht Einschüssen im Rücken mitten auf der Kreuzung und reckt noch im Tod zwei leere Hände in die Luft, sagt der weiße Sheriff: So’n schrecklichen Selbstmord hatten wir hier schon lange nicht mehr. Shit happens. Yep.

Merkel kultivierte eine unaufgeregte Normalität, die das Publikum beruhigt und erst gar nicht den Verdacht aufkommen lässt, dass hier Intrigen geschmiedet würden. Sie verbirgt Macht hinter Routine, sie überdeckt Inspiration mit Transpiration und vermeidet den Eindruck von Esprit, weil das Dummköpfen nicht gefällt, wenn Witze gerissen werden, die sie nicht verstehen. Schon darum musste Steinbrück, der pointengeile Schlaumeier, scheitern. Andere Länder mögen Helden haben, wir haben Hosenrollen. Der Stil einer preußisch protestantischen Katharina der Großen prägt die gesamte politische Klasse. Siehe Frau von der Leyen, einst liebevoll als „Röschen“ liebkost, die sie heute in der Union „das Fretchen“ nennen, die Panzer mit McKinsey führt, und Muttis Nachfolgerin werden soll. Muttis Mehltau liegt auf dem Land. Ich habe den Verdacht, dass das Trinkwasser heimlich mit Valium versetzt wird. Ich wäre eher für Viagra. Ich wandere aus.

Quelle: starke-meinungen.de