Logbuch

DAS LÄCHELN DER SPHINX.

Politikberatung ist zuweilen auch die Beratung von Politikern. Es kommt also die Person ins Spiel. Etwa, in der Frage, was soll der Mensch anziehen. Von Gerd Schröder, dem Autokanzler, lernte die Nation, wie der italienische Schneider Brioni so kleidet. Da kommt ein Hannoveraner Herrenausstatter namens Sör ins Spiel; aber das soll Bela erzählen, der war da näher dran. Zu Merkels Hosenanzügen gänzlich ungewisser Konfektionsgröße ist alles gesagt; zudem ist der Vorhang im Stück „Mutti“ noch nicht gänzlich gefallen. Das Stück ist aber erst zu Ende, wenn…

Eigentlich wäre hier noch ein Notat zu dem Janker (oberbayerische Trachtenjacke), den der Franke Söder neuerdings trägt, fällig, in dem er wirkt wie ein Tourist aus Oer-Erkenschwick beim Heimatabend in Aschau im Chiemgau. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte, die die fabelhafte Amelie Fried im Netz paraphrasiert.

Schwieriger wird es bei Frisuren und Make-Ups; auch dazu will ich als Junge nichts sagen, ist ein Mädchen-Thema. Das Mädchen, das vorübergehend feministische Außenpolitik gestaltete, hat hierzu hinreichend Haushaltsmittel erhalten. Das populistisch auszuschlachten, scheint mir zu billig. Es war ja nicht das Drei-Wetter-Taft, das mir Sorgen bereitete. Zudem ist der Deminuativ Mädchen (zu Magd) hier nicht abwertend gemeint.

Im ganzen Altertum stritt man darum, welchen Geschlechts der Sphinx sei. Die Ahnen der Ägypter wie die muslimischen Gelehrten benannten ihn maskulin, erst die Griechen setzen dem ein Ende (von nun an feminin). Der Sphinx? Die Sphinx? Wer jemals in Gizeh vor dem Monument stand, versteht den tieferen Sinn des Doppelwesens. Hier lächelt eine Frau von so großer Macht und Mystik, dass man sich ihren Körper nur als Löwengestalt vorstellen konnte. Schließlich wusste sie Fremde, die ihre Rätsel nicht lösen konnten, schlicht zu verschlingen.

Es kommt hinzu, dass es in der antiken Welt der Sphinx mit der Trennung der Geschlechter ähnlich durcheinander ging wie im neulinken Wokistan, mit den bekannten Folgen der Verblödung. Darum lächelte die Sphinx aber nicht. Das Geheimnis ihres Antlitzes liegt in der Grausamkeit, die sich hinter der Güte verbirgt. Respekt und Ehrfurcht!

Jetzt sagen wir das der politischen Aspirantin mal, die sich ihrer Werte gewiss ist, den Text kann und wo der Rock sitzt: „Wenn Sie jetzt noch, gnädige Frau, bitte lächeln könnten wie die Sphinx?“ Man sieht Politikerinnen, die schauen bös; man sieht schickere, weil im Wein die Wahrheit liegt, man sieht aber auch eine einzelne, die lächelt, wenn sie lächelt, wie die Sphinx. Kann jedermann erkennen. Ich sehe aber dahinter auch die reiche Symbolik der Löwengestalt. Davor warnt mein Vers.

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WIE EIGENTLICH GEHT ELITE?

Es beginnt nicht mit Golf, endet damit aber immer. Der sportlich gehaltene Spaziergang zu den Löchern, die die Welt bedeuten. Ich kannte einen Vorstand, der sommers jeden Montag die Werksfliege nach Spanien nahm und auf dem Green mehr für die Firma richtete, als die Trottel zuhause am Schreibtisch. Rotary muss auch sein. Da die Aufnahme in die besseren Clubs zu einem der letzten Mysterien der Neuzeit gehörte, empfiehlt sich der Umweg über die örtliche Freimaurerloge. Dort Geselle und Meister machen, dann rüberheben lassen.

Heterosexuell geht eher nicht; und wenn, dann als Scheinehe. Joopen ist allerdings auch peinlich. Verbindung zur Burschenschaft nicht abreißen lassen, wenn diese vom Verfassungsschutz noch durchgewinkt wird. Kirche kann, muss aber nicht; und wenn, dann rheinisch (der Vorsatz reicht). Parteipolitisch wird es schwierig, weil zu häufige Regimewechsel das Parteibuch schnell zur Belastung werden lassen können. Wirtschaftsrat geht immer.

Man geht zur Jagd, auf die eigene. Shopapotheke (so nennt sich das Kokstaxi). Mäzen wäre auch schön. Das Konvolut der angesagten und zusammengesammelten Werke dann der öffentlichen Hand andrehen, die dafür aus Steuermitteln ein Museum betreiben muss. Anliegerstraße des eigenen Anwesens nach Familie benennen. Wenn in England, unbedingt zum Ritter schlagen lassen, Euer Lordship. Was Karitatives, einen Teller warme Suppe für arme Kinder.

Ergänzung für Firmenbosse: eigene Kantine mit Sternekoch (nennt sich Casino). Das längste Boot mit Kapitän auf dem Mittelmeer. Privatflieger. Sportwagensammlung, gern auch Oldtimer. Hotel kaufen und als Domäne des Clans inszenieren. Was weiß ich… Mir fehlt die Kraft zu einem großen Gesellschaftsroman, weil das alles so unendlich abgeschmackt ist.

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ES IST MACHBAR, HERR NACHBAR.

Bei allen großen Debatten unserer Zeit empfinde ich eine wachsende Distanz zum Rigorosen. Da wird mit großer Wucht der grobe Pinsel angesetzt. Etwa in der Frage, was ein wachsender Einfluss des Islam mit uns Christenmenschen macht. Oder die Apokalypse der Zivilisation durch Kohlendioxid. Untergang des Abendlandes, wenn nicht der Menschheit. Ich habe aber nicht vor, Elon Musk auf den Mars zu folgen. Wäre ich ein Philosoph vom Format Hegels, würde ich sagen: „Das Allgemeine ist immer das Falsche!“ Wahrheit gibt es nur konkret und zunächst im Kleinen. Ein versuchsweiser Gedanke.

Vielleicht hülfe es, wenn wir die Welt als Nachbarschaft dächten. Auch die großen Fragen in unseren Alltag brächten. Ein Beispiel: Ich weiß nicht, was ich vom Islam halten soll, aber die Frage, ob Frauen auch in der Zuständigkeit der Menschenrechte liegen, die kann ich beantworten, wenn ich mich frage, ob man die Enkelin meines Nachbarn von formeller Bildung fernhalten und früh zwangsverheiraten soll. Den anderen Religionen gönne ich im übrigen auch keine Macht.

Es fällt doch auf, dass das multikulturelle Zusammenleben friedlicher Migranten relativ gut klappt, wo sich Nachbarschaften bilden, und relativ schlecht, wenn ich es zu fundamentalen Prinzipien des Guten & Bösen erhebe und dem folgend militärisch bewirtschafte. Weit oben werden Feindschaften geschmiedet, weiter unten gestaltet sich Zusammenleben; nicht konfliktfrei, aber am Ende eben doch. Ich bin nicht prinzipienlos, aber eben auch nicht der nützliche Idiot anderer Interesse.

Eine Alltagserfahrung: Man wartet an Ampeln auf Grün. Wenn im Vielvölkerort Berlin, namentlich in Moabit, gehe ich nicht bei Rot über die Straße; schon gar nicht, wenn Kinder an der Ampel stehen. Mein Land, meine Regeln. Ich spreche besonders dreiste Delinquenten aus aller Herren Länder auch darauf an. Ich gelte als Kautz. Nachbarn finden, ich hätte Recht. Es fängt nämlich im Kleinen an und hört im Großen auf. So rum.

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Die beste Regierung aller Zeiten

Nie waren die Deutschen zufriedener mit ihrer Bundesregierung. Schon immer haben sie Politik, das schmutzige Geschäft und die ewigen Kontroversen, misstraut. GroKo hieß dagegen das Zauberwort, und das Bündnis von Union und SPD hat gehalten, was wir uns von ihm versprochen haben, business as usual. Dem deutschen Wesen ist Routine und Harmonie wichtig. Weihnachten ist, geht es nach der Volksseele, am liebsten immer. Das hat Mutti geschafft: das Ende von Politik. Jedwedes Regierungshandeln soll alternativlos wirken. Normal, solange dieses Land seine Füße unter den Familientisch streckt, wird gemacht, was man halt machen muss. Normaaal.

Man muss diese politische Ödnis nicht in den Bildern einer Familienidylle beschreiben; man kann es auch begrifflich fassen. Das Kabinett Merkel perfektioniert in der Politik einen flexiblen Normalismus. In dessen Situationsethik ist immer richtig, was gerade geht. Was im Kleinen wie im Großen gerade geht, darüber behält sie eine Definitionshoheit, die nicht zur Diskussion steht, auch nicht im Parlament. Man liefert eigentlich keine Waffen in Kriegsgebiete, außer es passt gerade. Man hält die Kernenergie für eine industrielle Option, außer es passt gerade nicht. Man will Wahlen in Europa, außer die Briten mögen den Gewählten nicht. Man gewährt politisches Asyl, außer diese Hungerleider kommen wirklich und wollen auch noch bleiben. Dieses Kabinett ist immer ein bisschen schwanger; auf Wunsch aber auch ein bisschen Jungfrau, und manchmal etwas bitchy… Mutti kann jede Rolle, solange sie die Hosen anhat.

Auch die EU pflegt das Janusköpfige: Sie ist ein alberner Moloch, der uns nach den Glühbirnen die Staubsauger nimmt, und dabei beiläufig der halbseidenen Ukraine einen NATO-Beitritt verspricht, was die Russen so beantworten, wie sie so etwas beantworten müssen. Let’s have a little war or two. Die britische Kritik an den „unelected officials“ ist verständlich und reaktionär zugleich. Die Zukunft kann ja nicht in einer Rückbesinnung auf verfeindete Nationalstaaten liegen. Schon gar nicht in einem Regress auf solche von der Größe Schottlands oder der Disparität des Balkans oder Belgiens. Europa müsste definieren und behaupten können, was der Westen kulturell und politisch ist. Und dann gehörte die Türkei des Kalifen Erdogan eben nicht dazu, aber viele meiner Freunde, die vielleicht nicht katholisch oder evangelisch, sondern islamisch sind, aber eben doch europäisch. Man muss aus Europa wegen uneuropäischem, unwestlichem Verhalten rausfliegen können. Zumindest der Menschenrechtskatalog sollte gelten, prinzipiell; dann kann man immer noch schauen, ob es auch im Einzelfall passt…

Einen Genscher hätte ich nie nach den Prinzipien der deutschen Außenpolitik gefragt, weil dessen Liberalismus ohnehin nur die Camouflage für bedingungslosen Pragmatismus war. Er hat das Beckerbauer Prinzip des Schaun-mer-mal in die internationalen Beziehungen eingeführt. Der Mann stand für nichts und bog sich für vieles; vielleicht nicht für alles, aber für vieles. Bei dem Sozialdemokraten Steinmeier hätte ich gerne gefragt, wie es um das Verdikt seines Ziehvaters steht, nach dem Putin ein lupenreiner Demokrat sei. Aber inzwischen käme ich mir doof dabei vor. Zumindest gegen Krieg jedenfalls war er, bis gestern. Jetzt rüsten wir die Kurden gegen die Islamisten auf und provozieren einen Bürgerkrieg in der Ukraine. Dieses Rezept der Stellvertreterkriege blickt ja auf eine lange Erfolgsgeschichte zurück.

In der Sozialpolitik muss bei uns der demografische Wandel gemeistert werden. Das verstehe ich, und die dem entsprechende Rente mit 70 wäre goldrichtig. Es gibt aber eine mit 60. Das verstehe ich nicht. Den Mindestlohn halte ich für sinnvoll, wenn von Maximallohn nicht mehr die Rede ist. Unten zu, oben auf: das ist sozial und liberal. Ich bin nicht sicher, ob die Andrea aus der Eifel das auch geschnallt hat und nicht doch wieder an die Umverteilung von oben nach unten geht. So verteilt man nämlich das Brot, das gar nicht mehr gebacken wird. Man munkelt in der SPD vom linken Flügel, der das aber trotzdem wolle. Darf ich mal den rechten Flügel sehen und den Körper des Vogels in der Mitte, einschließlich des Kopfes? Oder gibt es gar keinen Kopf? Sigmar, bist Du der Kopf in dem Gewurtschtel?

„Muddling thru“ heißt das, da ist Germany nicht allein. An dem afroamerikanischen Präsidenten Obama kann man lernen, wie das geht, wenn man sich doppelgesichtig durchmogelt. Flexibler Normalismus, das heißt, dass man Werte hat, wenn sie nicht gefragt sind, und sich anpassungsfähig zeigt, wenn es schwierig wird. Obama beherrscht ja immer beides: Sozialpolitiker und Imperialist, Bürgerrechtler und Folterfreund, Farbiger sein und Rassismus im eigenen Land tolerieren. Liegt dieser farbige Schuljunge in Jeans und T-Shirt mit acht Einschüssen im Rücken mitten auf der Kreuzung und reckt noch im Tod zwei leere Hände in die Luft, sagt der weiße Sheriff: So’n schrecklichen Selbstmord hatten wir hier schon lange nicht mehr. Shit happens. Yep.

Merkel kultivierte eine unaufgeregte Normalität, die das Publikum beruhigt und erst gar nicht den Verdacht aufkommen lässt, dass hier Intrigen geschmiedet würden. Sie verbirgt Macht hinter Routine, sie überdeckt Inspiration mit Transpiration und vermeidet den Eindruck von Esprit, weil das Dummköpfen nicht gefällt, wenn Witze gerissen werden, die sie nicht verstehen. Schon darum musste Steinbrück, der pointengeile Schlaumeier, scheitern. Andere Länder mögen Helden haben, wir haben Hosenrollen. Der Stil einer preußisch protestantischen Katharina der Großen prägt die gesamte politische Klasse. Siehe Frau von der Leyen, einst liebevoll als „Röschen“ liebkost, die sie heute in der Union „das Fretchen“ nennen, die Panzer mit McKinsey führt, und Muttis Nachfolgerin werden soll. Muttis Mehltau liegt auf dem Land. Ich habe den Verdacht, dass das Trinkwasser heimlich mit Valium versetzt wird. Ich wäre eher für Viagra. Ich wandere aus.

Quelle: starke-meinungen.de