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DAS RAD DER GESCHICHTE zurückdrehen. Geht? Mit der Wiedereinführung der Heimarbeit, in unsäglichem Jargon Home Office (engl.: Innenministerium) genannt, ist es wie mit der mediterranen Abschaffung des Acht-Stunden-Tages; das wird auf ewig bleiben. Bei den Mediterranen gibt es wegen der Hitze am Mittag eine kleine Pause. Ein Päuschen, so von 11.30 bis 16.30 h. Morgens zwei Stunden Arbeit, abends drei, dazwischen eben die Siesta. So lässt sich leben. Das schafft niemand mehr ab. So wird es mit den neun oder zehn Stunden der Heimarbeit auch gehen; die schafft auch niemand mehr ab. Warum sollte ein Arbeitgeber zum Vierfachen des Gehalts einer Sekretärin, sagen wir für 200.000€ im Jahr, einen Büroarbeitsplatz in der City unterhalten, wenn er die Mitarbeiterin für 40.000€ Jahresgehalt zuhause in der Vorstadt arbeiten lassen kann? Und die Heimarbeiterin noch happy ist, dass sie gleichzeitig Kinderhüten, Einkaufen und Putzen kann? Das wird bleiben. Ich höre gerade, dass die Britische Fluggesellschaft BA nicht mehr in die vorübergehend geleerten Büros in Heathrow (sündhaft teuer, weil so zentral) zurück will, mit der Verwaltung. Und Banken nicht an die Themse. Bürotürme werden verwaisen. Marmorpaläste leer stehen. Mutti tippt am Couchtisch, Vati hat Telco im Keller, die Kids Video-Games im Schlafzimmer. Hmmm. Hier stimmt doch was nicht. Ganz im Grundsätzlichen.

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DIE ZWEI BEIDEN.

Heldenepos. Als die SPD noch zwischen Willy Brandt schwankte und Helmut Schmidt, da war klar, wer sie war. Sie war genau dazwischen. Als sie noch zwischen Gerhard Schröder schwankte und Oskar Lafontaine, wusste man, worum es ging. Bis der Fahnenflucht beging. Dieses Schwanken gehört zu ihren Erbanlagen; ich sage nur Karl Kautsky vs. Eduard Bernstein, Karl Liebknecht vs. Philipp Scheidemann, Carlo Schmid vs. Kurt Schumacher, SPD vs. USPD. Aus diesem Stoff sind Heldensagen. Wie komme ich drauf? Ich lese etwas zur afro-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung in den USA. Die schwankte zwischen Martin Luther King jr. und Malcom X. Der eine die Bibel unter dem Arm, der andere zeitweise sunnitischer Moslem, eher eine Maschinenpistole handhabend. Die Historische Forschung sieht die beiden mittlerweile nicht mehr als „Dichotomie“, sondern eher als unterschiedliche Enden eines Spektrums. Martin & Malcolm hatten Schnittmengen, haben aber einen Teufel getan, dies zu zeigen. Man bekämpft sich nach außen, aber im Herzen auf gemeinsamen Terrain. Gemeinsames etwa in den Zusammenhang von „black dignity“ und „black citizenship.“ Die Debatte um den Vietnamkrieg habe King radikalisiert und die Schnittmenge gemeinsamer Überzeugung vergrößert. Daran mangelt es im Moment, an einer solchen epochalen Frage, die die Geister nicht scheidet, sondern zusammenbringt. Dabei hätte Corona das doch sein können. Aber wo sind die großen Geister? Gähnen ist die Geste der Stunde. Müde Bräsigkeit im Kanzleramt wie in Bellevue, Laienschauspieler um den Parteivorsitz bei der Union, linkische Grinsemänner bei Roten wie Grünen, eine marginalisierte Linke wie Rechte und die Liberalen ein Pausenzeichen … Wir erleben die VERLANGWEILIGUNG DER POLITIK. Das ist sträflich. Ich will Helden kämpfen sehen. Blood on the carpet!

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WAS IST DEIN GIFT.

So lautet im Englischen die Frage nach dem bevorzugten Getränk. „And what’s your poison?“ Wenn man dann eine Jungfrau Maria bestellt („virgin mary“), ist man immer auf der sicheren Seite; das ist gewürzter Tomatensaft. Eigentümlicherweise früher das Lieblingsgetränk jener Fluggäste, die nach der Landung klatschten. Eine „bloody mary“ ohne Gin oder Vodka. Kann ich sehr empfehlen. Man ist der Einladung zu einem Cocktail gefolgt, füllt sich aber nicht mit Alkohol ab. Klarer Kopf. Nach der sechsten Jungfrau Maria meldet sich allerdings der Magen. Renny mitnehmen! Manche wollen aber ohnehin keinen klaren Kopf. Eine Anlageberaterin einer großen Bank, die ihren Kunden gezielt einen bestimmten faulen Wert angedreht hatte, räumt gerade vor dem WIRECARD gewidmeten Untersuchungsausschuss ein, von den alerten Betrügern aufs Oktoberfest eingeladen worden zu sein, ins Käferzelt. Gregor Samsa lässt grüßen, aber das ist nun wirklich eine andere Geschichte. Ich habe keine Ahnung, was ein Käferzelt ist und warum man anschließend in das P1 am Englischen Garten muss , aber da klingelt bei mir was im Hinterkopf. Der geltungssüchtige Christian Wulff hat sich, wenn ich nicht irre, doch seinerzeit von einem Filmunternehmer auch zum Käfer einladen lassen. Warum wollten die alle unbedingt in dieses Zelt? Für miegenwarmes Bier aus Bottichen („Maß“) und gegrillte Unterschenkel vom Schwein („Haxen“)? Die Stimmung muss halt gut sein. Mir erzählte einst eine Kellnerin im Königsgrill zu Berlin, dass es auf der Damentoilette vom Käferzelt so sei wie auf der im Königsgrill, morgens müssten die Putzfrauen erstmal mit einem Schneepflug durch. Also, von dem meinungsstarken ALAN POSNER erfuhr ich gerade, dass das Streben nach Glück („the persuit of happyness“) heutzutage das RECHT AUF RAUSCH sei. Deshalb wohl der Käferkult. Aber das sind die METROPOLEN München und Berlin. Die Provinz ist da simpler gestrickt. An der Ruhr trank man etwas, das in der Montanregion STAHL&EISEN hieß oder anderswo SAMTKRAGEN; das sind 6cl Korn, eiskalt, in geeisten Glas, mit einem aufgesetzten Underberg, handwarm. Ein Event, jedenfalls ein Ritual. Man schaut dem oben schwimmenden SAMTKRAGEN kurz und sentimental zu, wie er in den Korn diffundiert, reißt auf Ansage das Glas hoch und stürzt den Inhalt ex. Sehr bekömmlich, wegen der 68 Kräuter im Underberg, eine Kur für den sensiblen Magen. Der Korn dagegen heilt nicht nur, sagt man, er hebe auch noch die Stimmung. Nachgespült wurde gemeinhin mit Pils. Da kamen die Käfer erst am nächsten Morgen. Dann doch lieber einen klaren Kopf und Sodbrennen von der Jungfrau Maria.

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Männer ohne Eigenschaften, und ab und zu eine nüchterne Frau

Man stelle sich vor, die FIFA erklärte zum Ende der Fußballweltmeisterschaft, dass jetzt zwar Holland im Endspiel gegen „…schlaand“ gewonnen habe, aber die Entscheidung, wer nun Weltmeisters sei, wäre eigentlich einem FIFA-Statut vorbehalten, nach dem die Regierungschefs aller Nationen noch mal zusammentreten und dann unter sich entscheiden, wer denn nun endgültig gewonnen habe, wobei England dagegen sei, dass der, der gewonnen hat, auch der Gewinner ist und Ungarn den Inglesen beipflichtet.

Nichts kann den Ruf der Mafia oder den der FIFA ruinieren, aber das vielleicht doch. Die deutsche Regierungschefin war zunächst für Holland, hat es sich dann aber nach einem Anruf aus Allensbach noch mal überlegt, und ist jetzt für „…schlaand“, will aber beim nächsten Mal vielleicht gar nicht mehr spielen lassen, sondern gleich England folgen. Der deutsche Wähler war ohnehin fehlgeleitet. Die Sozis boten ihm auf den Plakaten einen Maddin Schulz und die CDU zeigten Angie. Aber die wollte gar nicht nach Brüssel.  Merkel, der Mäander. Zumindest, sag dann einer in der Runde, kein Alk. Welch ein Argument.

Wir sitzen wegen der sommerlichen Temperaturen vor dem A LA MORT SUBITE und genießen unser Bier mit Bessen-Genever, eine wunderschöne Brasserie im alten Bankenviertel der belgischen Metropole. Niemand der Anwesenden ist in der Lage, in drei Sätzen den Unterschied von Rat, Kommission und Parlament zu erklären. Die EU ist ein institutionelles Monster. Wer macht da was? Wen haben wir gerade wofür gewählt? Tumultartige Gespräche. Obwohl wir in Brüssel sind, der Hauptstadt eben dieser EU, allgemeine Verunsicherung.

Vielleicht ist die Metropole der EU aber auch Straßburg, was im Elsass liegt und wo das Bier besser ist, vor allem aber der Wein. Der Elsässer träumt von einem langen Leben bei gutem Essen. Das Paradies ist dort eine „winstub“. Hier in Belgien nennt man Kneipen  „Zum plötzlichen Tod“ und es gibt folgende Biersorten (kein Scherz): Kirsch, Himbeer, Erdbeer, Pfirisch. Und das dunkle Trapistenbier, zu dem uns ein holländischer Genever mit Beerenzusatz („Bessen“) gereicht wird, was das Gesöff zum Likör macht. Wer Kummer hat, der hat auch Likör. Und Erdbeerbier, ich bitte Sie!

Ich kann mir auch nüchtern nicht mal die Namen dieser EU-Politiker merken. Doch, die Außenministerin ist eine Lady Ashton, deren Mimik ich aber nicht qualifizieren werde, weil ich ihren Mann kenne und schätze, eine Größe in der Demoskopie. Und dann ist da noch so ein belgisches Männlein, Rammpeu oder so, der dem Rat vorsitzt. Und dieser geplusterte ewige Portugiese, dem die Franzosen angeblich trauen. Männer und Frauen ohne Eigenschaften. Was ist das für ein Personal? Wer wählt so was?

In der Antike stand dem Idiotischen das Politische gegenüber, als Gegensatz.  Das Idiotische waren Haus und Hof, Erwerbstätigkeit. Das Politische war erhaben. Wenn schon nicht Helden, so doch Ausnahmeerscheinungen, wichtige Figuren der Geschichte, so sollten die Staatenlenker sein. Politiker sind unserem Anspruch nach edle Gestalten, die ihr Leben nicht Idiotischem widmen, sondern der Gestaltung des Gemeinwesens, dem europäischen Projekt.  Sie haben Charisma, das sind seltene Eigenschaften, die ihren Anspruch auf Führung rechtfertigen.

Der Selektionsprozess für die politische Elite Europas scheint nach anderen Gesetzen zu funktionieren. Darwin steht hier auf dem Kopf: survival of the unfittest. Die Evolution erlaubt sich eine Nische. Wer in seinem Heimatland scheitert, der wird nach Brüssel oder Straßburg getrieben. Das mag der Personalpolitik der nationalen Regierungschefs entgegenkommen, die ihre Versager so entsorgen, aber dem Ruf der EU nützt das nicht. In diesem Milieu der Gescheiterten und Verkannten entstehen dann perverse Wünsche, wie dem nach Erdbeerbier oder einem plötzlich Tod, oder beidem.

Das britische Argument gegen Brüssel war immer, dass hier „unelected officials“ wirken, irgendwelche Eurokraten, die niemals eine Wahl gewonnen haben, jedenfalls keine für ihre supranationale Macht. Die Kraft dieses Einwands hat der englische Premier jetzt ein für alle Mal ruiniert, indem er ausgerechnet jenen Kandidaten ablehnt, der eben dieses Volksvotum hat. Man mag die Rechtspopulisten in Europa verdammen, weil sie mit Zündhölzern am Stroh faschistischer Gesinnungen zündeln. Aber man kann natürlich auch deren Geschäftsmodell erleichtern, indem man die Verächtlichungmachung Europas erleichtert.

Vor dem MORT SUBITE kommen wir mit schwerer Zunge auf Schong Kloht Junker, dem allerorten hinter vorgehaltener Hand vorgeworfen wird, dass er Raucher sei und gelegentlich einen oder zwei trinke. Das leuchtet uns, den Jungs mit dem Gevever im Hirn, den Erdbeeren im Bauch und der Marlboro im Mundwinkel nicht ein, nicht wirklich. Da stimmt uns schon skeptischer, dass der Maddin „Spaßbad“ Schulz aus Würselen ein Trockener Alkoholiker ist, so wie George „Dabbel Juh“ Busch. Und Merkel, da sind sich meine Kumpane sicher, die sei so ruhig und relaxed, dass sie garantiert Grass rauche. Die Ossis durften ja nicht nach Woodstock oder Punah; das holen die jetzt per Cannabis und Puhdys nach. Von ihrem Mann wissen wir, dass er grusinischen Weinbrand sammelt; dafür musste man dereinst nicht in den Intershop.

Was ist mit Cameron? Man tippt in den ungewöhnlich gut unterrichteten Kreisen vor dem „Plötzlichen Tod“ auf Cocain. Der Mann ist Etonian und war in Oxbrigde; das nehmen die da wie andere Aspirin. Hollande (diesmal nicht Fußball, sondern französische Politik): Schuhe  mit Plateausohlen und Viagra. Und diese dänische Spitzenpolitikerin, die allenthalben als nächste EU-Präsidentin gehandelt wird? Peer aus Malmö kennt sie von seinem Kaffeefahrten nach Kopenhagen. Er setzt bedeutungsschwanger  sein rosa Gerstenkaltschale ab, nimmt noch mal einen tiefen Zug und flüstert dann: „Evian!“ Wir sind star vor Entsetzen. Es gibt solche Momente, in denen der plötzliche Tod als Erlösung erscheint.

Quelle: starke-meinungen.de