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TOD DURCH BLITZSCHLAG.
Nichts ist elender als zu warmer Wein. Denn ein falsch gelagerter Tropfen verdirbt leicht die Freude am Abendmahl. Dabei ist es nicht schwer. Der Sekt vorweg hat 6 Grad Celsius zu haben, der Weißwein 8, eine Rose vielleicht 12 und der Rote 16, allerhöchstens 18 (ich trinke ihn aber auch lieber kalt, wie der Franzose den Pinot Noir). Diese seine Temperatur hat der Wein seit Monaten, weil so gelagert, und nicht erst durch Schockfrosten oder albere Wasser-Eis-Bäder in Sektkübeln. Klar? Grundsatz.
Nun zu Ede Schleiser und Georg Wilhelm Richmann. Ede war auf der Penne in Essen-Kettwig mein Physiklehrer; ein Original, wie man so sagt. Er hatte in einer Freistunde ein veritables Experiment aufgebaut mit allerlei Glasröhren und Thermometern, um uns Flegeln an den Verstand zu bringen, was eine Mischtemperatur ist; es endet in einem Wutanfall, weil die verdammten Thermometer nicht zeigten, was Ede wollte; wir hatten echt Spaß.
Das Richmannsche Gesetz besagt, dass die Mischtemperatur das gewichtete arithmetische Mittel der Ausgangstemperaturen ist, was kein Schwein versteht. Fünf Liter Leitungswasser mit sechs Eiswürfeln in einem Sektkübel werden aus einer pisswarmen Sürge in einer Glasflasche keinen spritzigen Wein machen, auch wenn die Pulle darin Stunden dümpelt. Klar? Neuerdings stülpen sie eine Manschette aus der Tiefkühltruhe über‘s dicke Glas der zu warmen Flasche; darf ich erwähnen, dass der Werkstoff ein hervorragender Isolator ist? Alles Krampf. Banausen und Barbaren.
Kein gut gekühlter Wein wird bei einem einstündigen Essen am Tisch warm, wenn er gescheit gelagert war. Auch nicht, wenn dekantiert. Der Erfinder des Mischgesetzes Richmann war im 18. Jahrhundert ein deutscher Physiker aus dem Baltischen, genauer gesagt ein in Halle und Jena studierter Este, der seine Experimentierfreude mit dem Leben bezahlte. Er hatte nach seinen kalorimetrischen Berechnungen die Spannung eines Blitzes mit einem Voltmeter messen wollen. Nun, sie war zu hoch. Richmann verglühte. Das drohe ich meinem Wirt, dem fabelhaften Fabrizio, an, falls der Wein noch mal zu warm. Es könnte ihn der Blitz treffen.
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SCHLAFLOS.
Früher habe ich zu NIKOLAUS regelmäßig ein Büchlein verlegt und vertrieben, als Weihnachtsgruß an Freunde, Partner und Kunden; leider eingeschlafenes Hobby. Ich hätte noch gerne etwas gemacht zu MAX WEBER und seinem epochalen Vortrag zu POLITIK ALS BERUF. Übrigens ein beiläufiges Unterfangen vor liberalen Studenten in einer Münchner Buchhandlung.
Man muss wissen, dass der Politiker selten allein ist; eigentlich zum Gruppensex verdammt. Wenn er vor Kummer schlecht schläft, liegt es meist daran, dass er nicht allein im Bett ist. Da liegen noch zwei, drei andere neben ihm in seinen Laken. Und man ist sich in der tragisch gemischten Partie nicht mal grün. Der Reihe nach.
Da ist der Amtsträger, eine würdevolle Person, die sich mittels Eid zur Loyalität verpflichtet hat, ein Organ des Staates im besten preußischen Sinne. Auf dessen Kopfkissen ist der Satz gestickt: „Dienend verzehre ich mich.“ Richtiges Geld verdienen andere.
Daneben räkelt sich der Parteipolitiker, der sich in seinem Laden nach oben gekämpft hat und dabei manches ertragen musste, was nicht engelsgleich zu nennen ist. Der Parteigänger gehört in seinem Biotop dann meist auch noch einem Flügel an, der anderen Flügeln nicht grün ist. Die Steigerung von Feind, sagt man dort, ist Parteifreund.
Zwischen beiden, also auf der Ritte des Doppelbetts, schlummert die Person; dem Menschen ist nichts Menschliches fremd, selbst das nicht, was KANT sein Tiersein nennt. Aber auch soziale Rollen schlafen hier, das Geschlecht, das Alter und natürlich Zipperlein. Ein Raubbau an der eigenen Gesundheit ist Usus.
Nun stehen um das Doppelbett mit Dreier zu allem Überfluss auch noch Zuschauer. Der Politiker hat einen Wahlkreis zu repräsentieren, lauter nette Menschen, die zwar Gewissensfreiheit zubilligen, aber konkrete Erwartungen haben, wenn es um ihre Anliegen geht. Die „constituency“ will unterhalten sein.
Man bemerkt unschwer, dass POLITIK ALS BERUF kein Hobby ist. Durch die Fenster des bevölkerten Schlafzimmers blicken nämlich noch sensationslüsterne Medien, die ihr Publikum mit Bettgeschichten bei Laune halten wollen. Neuerdings beteiligen sich alle selbst daran, indem sie ihre Privatheit im Internet prostituieren. Das Schlafgemach bekommt so die Betriebsamkeit eines Swingerclubs. Das muss man wollen wollen.
Wenn es einem Politiker gelingt, diese strukturellen Schizophrenien zu verbergen und er seinen Wählern als Charakter aus einem Guss erscheint, dann spricht MAX WEBER von CHARISMA. Aber wer hat das schon, und selbst wenn, wer hätte es ewig? Wir erleben häufig die Entzauberung von Politik. Ich empfinde keine Häme, oft eher Mitleid, immer Respekt.
Ich sehe den Aufstieg charismatischer Politik ohne Neid und den Niedergang ohne Schadenfreude. Ich weiß, welche Opfer hier erbracht werden. Gott gebe mir ruhigen Schlaf.
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EINEN SCHNAPS DRAUF.
Mein geschätzter Großvater mütterlicherseits nutzte gelegentlich diese Redewendung und erstaunte so seinen Enkel, der seinen Erzählungen lauschte. Er formulierte als Lob, dass dieser oder jener einen Schnaps oben drauf habe, sprich nicht minderbemittelt sei. Eine Metapher der Wertschätzung.
Das fällt mir wieder ein, als ich GREGOR GYSI lausche. Eine fabelhafte ostdeutsche Versicherung hatte den politischen Mut, ihn zwecks Festvortrag einzuladen, und ich sehe an vielen Gesichtern im Publikum, dass die Menschen hier im Saal ihn mögen. Man verzeiht ihm auch populistische Untiefen und würdigt eine deutsch-deutsche Figur von Gewicht, jedenfalls mit Witz. Ich will gar nicht wissen, was er als Rechtsanwalt und Notar in der DDR so getrieben hat. Man freut sich, jemanden zu hören, der nicht ganz so doof ist. Einen Schnaps oben drauf.
GYSI erwähnt in einem Nebensatz, dass er eine besondere Beziehung zu LAMMERT gehabt habe. Er meinte den langjährigen Bundestagspräsident NORBERT LAMMERT, ein CDU-Politiker seines Alters, den ich schon als Kommilitonen an der Ruhr Universität Bochum kennengelernt habe. Der rechte Nobby trat damals an der Abteilung 8 (die Soziologenbrut) als RCDS-Mann auf (die Schwatten), wozu in dem Umfeld einiger sozialer Mut gehörte. Im Unterschied zu der amtierenden Weinkönigin war er aber nicht doof. Einen Schnaps, Sie wissen schon.
In die gleiche Kiste gehört übrigens WOLFGANG KUBICKI, etwas jünger als die Vorgenannten, Rechtsanwalt mit eigenartigen Mandaten wie GYSI und ein Parlamentshocker wie LAMMERT. Aber nicht doof. Jetzt haben wir einen gelernten Kommunisten, einen Schwarzen aus dem Pott und einen schneidend Liberalen (übrigens aus Braunschweig) genannt, alles ALTE WEISSE MÄNNER, alles keine moralischen Vorbilder, jedenfalls mit dem grünen Zeitgeist nicht so recht kompatibel.
Gehen wir nun zu den ganz Alkoholfreien über? Ach. GYSI erwähnt bei seinem Auftritt zurecht, dass man selbst bei der LINKEN einen riesigen Influx von jungen Leuten habe. Er sei bald der einzige Linke, der schon in der SED dabei war. Es kommen neue Generationen. Und Bubble Tea oder Smoothie Bowls. Keine Pointe.
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Männer ohne Eigenschaften, und ab und zu eine nüchterne Frau
Man stelle sich vor, die FIFA erklärte zum Ende der Fußballweltmeisterschaft, dass jetzt zwar Holland im Endspiel gegen „…schlaand“ gewonnen habe, aber die Entscheidung, wer nun Weltmeisters sei, wäre eigentlich einem FIFA-Statut vorbehalten, nach dem die Regierungschefs aller Nationen noch mal zusammentreten und dann unter sich entscheiden, wer denn nun endgültig gewonnen habe, wobei England dagegen sei, dass der, der gewonnen hat, auch der Gewinner ist und Ungarn den Inglesen beipflichtet.
Nichts kann den Ruf der Mafia oder den der FIFA ruinieren, aber das vielleicht doch. Die deutsche Regierungschefin war zunächst für Holland, hat es sich dann aber nach einem Anruf aus Allensbach noch mal überlegt, und ist jetzt für „…schlaand“, will aber beim nächsten Mal vielleicht gar nicht mehr spielen lassen, sondern gleich England folgen. Der deutsche Wähler war ohnehin fehlgeleitet. Die Sozis boten ihm auf den Plakaten einen Maddin Schulz und die CDU zeigten Angie. Aber die wollte gar nicht nach Brüssel. Merkel, der Mäander. Zumindest, sag dann einer in der Runde, kein Alk. Welch ein Argument.
Wir sitzen wegen der sommerlichen Temperaturen vor dem A LA MORT SUBITE und genießen unser Bier mit Bessen-Genever, eine wunderschöne Brasserie im alten Bankenviertel der belgischen Metropole. Niemand der Anwesenden ist in der Lage, in drei Sätzen den Unterschied von Rat, Kommission und Parlament zu erklären. Die EU ist ein institutionelles Monster. Wer macht da was? Wen haben wir gerade wofür gewählt? Tumultartige Gespräche. Obwohl wir in Brüssel sind, der Hauptstadt eben dieser EU, allgemeine Verunsicherung.
Vielleicht ist die Metropole der EU aber auch Straßburg, was im Elsass liegt und wo das Bier besser ist, vor allem aber der Wein. Der Elsässer träumt von einem langen Leben bei gutem Essen. Das Paradies ist dort eine „winstub“. Hier in Belgien nennt man Kneipen „Zum plötzlichen Tod“ und es gibt folgende Biersorten (kein Scherz): Kirsch, Himbeer, Erdbeer, Pfirisch. Und das dunkle Trapistenbier, zu dem uns ein holländischer Genever mit Beerenzusatz („Bessen“) gereicht wird, was das Gesöff zum Likör macht. Wer Kummer hat, der hat auch Likör. Und Erdbeerbier, ich bitte Sie!
Ich kann mir auch nüchtern nicht mal die Namen dieser EU-Politiker merken. Doch, die Außenministerin ist eine Lady Ashton, deren Mimik ich aber nicht qualifizieren werde, weil ich ihren Mann kenne und schätze, eine Größe in der Demoskopie. Und dann ist da noch so ein belgisches Männlein, Rammpeu oder so, der dem Rat vorsitzt. Und dieser geplusterte ewige Portugiese, dem die Franzosen angeblich trauen. Männer und Frauen ohne Eigenschaften. Was ist das für ein Personal? Wer wählt so was?
In der Antike stand dem Idiotischen das Politische gegenüber, als Gegensatz. Das Idiotische waren Haus und Hof, Erwerbstätigkeit. Das Politische war erhaben. Wenn schon nicht Helden, so doch Ausnahmeerscheinungen, wichtige Figuren der Geschichte, so sollten die Staatenlenker sein. Politiker sind unserem Anspruch nach edle Gestalten, die ihr Leben nicht Idiotischem widmen, sondern der Gestaltung des Gemeinwesens, dem europäischen Projekt. Sie haben Charisma, das sind seltene Eigenschaften, die ihren Anspruch auf Führung rechtfertigen.
Der Selektionsprozess für die politische Elite Europas scheint nach anderen Gesetzen zu funktionieren. Darwin steht hier auf dem Kopf: survival of the unfittest. Die Evolution erlaubt sich eine Nische. Wer in seinem Heimatland scheitert, der wird nach Brüssel oder Straßburg getrieben. Das mag der Personalpolitik der nationalen Regierungschefs entgegenkommen, die ihre Versager so entsorgen, aber dem Ruf der EU nützt das nicht. In diesem Milieu der Gescheiterten und Verkannten entstehen dann perverse Wünsche, wie dem nach Erdbeerbier oder einem plötzlich Tod, oder beidem.
Das britische Argument gegen Brüssel war immer, dass hier „unelected officials“ wirken, irgendwelche Eurokraten, die niemals eine Wahl gewonnen haben, jedenfalls keine für ihre supranationale Macht. Die Kraft dieses Einwands hat der englische Premier jetzt ein für alle Mal ruiniert, indem er ausgerechnet jenen Kandidaten ablehnt, der eben dieses Volksvotum hat. Man mag die Rechtspopulisten in Europa verdammen, weil sie mit Zündhölzern am Stroh faschistischer Gesinnungen zündeln. Aber man kann natürlich auch deren Geschäftsmodell erleichtern, indem man die Verächtlichungmachung Europas erleichtert.
Vor dem MORT SUBITE kommen wir mit schwerer Zunge auf Schong Kloht Junker, dem allerorten hinter vorgehaltener Hand vorgeworfen wird, dass er Raucher sei und gelegentlich einen oder zwei trinke. Das leuchtet uns, den Jungs mit dem Gevever im Hirn, den Erdbeeren im Bauch und der Marlboro im Mundwinkel nicht ein, nicht wirklich. Da stimmt uns schon skeptischer, dass der Maddin „Spaßbad“ Schulz aus Würselen ein Trockener Alkoholiker ist, so wie George „Dabbel Juh“ Busch. Und Merkel, da sind sich meine Kumpane sicher, die sei so ruhig und relaxed, dass sie garantiert Grass rauche. Die Ossis durften ja nicht nach Woodstock oder Punah; das holen die jetzt per Cannabis und Puhdys nach. Von ihrem Mann wissen wir, dass er grusinischen Weinbrand sammelt; dafür musste man dereinst nicht in den Intershop.
Was ist mit Cameron? Man tippt in den ungewöhnlich gut unterrichteten Kreisen vor dem „Plötzlichen Tod“ auf Cocain. Der Mann ist Etonian und war in Oxbrigde; das nehmen die da wie andere Aspirin. Hollande (diesmal nicht Fußball, sondern französische Politik): Schuhe mit Plateausohlen und Viagra. Und diese dänische Spitzenpolitikerin, die allenthalben als nächste EU-Präsidentin gehandelt wird? Peer aus Malmö kennt sie von seinem Kaffeefahrten nach Kopenhagen. Er setzt bedeutungsschwanger sein rosa Gerstenkaltschale ab, nimmt noch mal einen tiefen Zug und flüstert dann: „Evian!“ Wir sind star vor Entsetzen. Es gibt solche Momente, in denen der plötzliche Tod als Erlösung erscheint.
Quelle: starke-meinungen.de