Logbuch
WÄRMEMARKT: NO FREE LUNCHES.
Keine Schnäppchen. Schon gar nicht durch die grünen Innovationen. Ich schwör. Der Strompreis für Wärmepumpen steigt und wird so teuer werden, dass der Preis für die Raumheizung bei allen möglichen Alternativen in etwa gleich hoch sein wird. No free lunches. Woher weiß ich das?
Ich habe Steinkohle gemacht, Mineralöl, Erdgas, Kernenergie, Strom… Ein „street dog“ der PR in der Energiewirtschaft. Und ich bin dabei auch zu dem Vorzug gelangt, zu lernen, was ein „anlegbarer Preis“ ist. Die Preisbildung hat wenig mit den Gestehungskosten zu tun; erste bittere Wahrheit. Jeder Anbieter schöpft sein Marktpotential weitestgehend aus; zweite bittere Wahrheit. Du schlägst ESSO nicht, indem Du Shell tankst, nicht mal Jet hilft Dir wirklich (2 Cent/Liter). Schon gar nicht im Tesla, weder bei Betrieb noch bei Unterhalt; da platzen gerade die Träume.
Der Preis für Erdgas ist nach oben (!) immer dem für Heizöl gefolgt, dem theoretischen Ersatz im Wärmemarkt. Das wird auch für Strom gelten, dessen Verschwendung in Raumheizungen wir früher (!) nicht für angebracht gehalten haben. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte. Dritte Logik: Das Substitutionsniveau ist entscheidend, nicht die Gestehungskosten, jedenfalls nach oben. Deltas werden ausgecasht. Alle Anbieter schöpfen ihr Potenzial im Markt mittelfristig maximal aus. Schnäppchen sind Sternschnuppen.
Und wenn das die Regierung nicht gut findet? Dann kann sie den Preiswettbewerb durch Subventionen verzerren. Solange, wie sie zahlt und in dem Maße, in dem sie zahlt. So wie sie das in der Landwirtschaft tut. Weshalb wir so zufriedene Bauern haben.
Disclaimer: Ich habe keine Ahnung von Ökonomie, nicht mein Fach. Nur Erfahrungen eines staunenden Laien.
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KOLLEGIALITÄT.
Die Präsidentin der Elite-Universität Harvard ist des Abschreibens überführt und deshalb die Führungsposition los, wenn auch nicht ihren Hochschuljob. Das Netz munkelt, weil es sich um eine Afroamerikanerin handelt. Was soll das Theater um PLAGIATE?
Es gibt Doktorarbeiten, die komplett oder in weiten Zügen plagiiert wurden, zusammengestohlener Inhalt, ein Betrugsversuch. Es gibt minderschwere Fälle, in denen Paraphrasen auch wörtliche Übernahmen enthalten, die als solche nicht gekennzeichnet sind. Und es gibt handwerkliche Fehler, in denen die berühmten Gänsefüßchen vergessen wurden. Oder Fehlzitationen, bei denen eine andere Quelle angegeben wird, eine gewichtigere als die tatsächlich genutzte; Prahlerei also. Was den akademischen Laien wundert, ist der Aufstand, der darum an Hochschulen gemacht wird.
Das kann man erklären. Die Philologie nimmt sehr genau, womit der Dichter zu spielen weiß. Sie will exakt wissen, wessen Worte zur Geltung kommen. Und wo man die gefunden hat. Ich versuche einen Vergleich: Eine Bank kann sich keine Laxheiten darin erlauben, wessen Geld gerade über den Tresen geht und wieviel. Da kann es keine tiefen Taschen oder schwarze Kassen geben. Und das gilt für Pfennige wie für Millionenbeträge. Weil, wer den Pfennig nicht ehrt und so weiter.
Plagiate sind Betrugsversuche; das ist der Kern. Und unter Kollegen, da bescheißt man nicht. Rechtsanwälten ist diese KOLLEGIALITÄT geradezu aufgegeben, weil sie Organe der Rechtspflege sind. Ja, ich weiß. Die sprichwörtliche Laxheit in Fragen des geistigen Eigentums, die der Dichter Brecht für sich in Anspruch nahm, ist eine kecke antibürgerliche Pose, kann aber nicht Motto eines Notars sein, um einen anderen Beruf zu nennen, der es genau nehmen muss.
Und was die amerikanische Uni angeht: Hier sind Studenten religiert worden, weil sie als Schüler auf TikTok ein Unwort benutzt haben; was ich falsch finde, aber einen Maßstab setzt. Akademische Auseinandersetzungen sind Kämpfe mit Regeln.
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CHARISMA.
In der Fraktion rumort es. In der Partei wächst der Zweifel. Landesfürsten begehren auf. Die blutleere SPD wird sich ihrer Totenblässe klar. Das könnte für den SCHOLZOMATEN ungemütlich werden.
Ich gestehe, dass ich Olaf Scholz in vielen Fragen so schlecht gar nicht finde. Etwa sein Zögern gegenüber den Kriegsgelüsten der Bellizisten, das gefällt mir. Mit Massenvernichtungswaffen sollte niemand in Wut und Zorn umgehen. Allerdings lässt er den Zweifel zu, ob da ein kluger Kopf die Nerven behält oder die hasenfüßige Entscheidungsschwäche einen Zögerlichen lähmt. Prokrastinat im Kanzleramt? Puuuh.
Alte Parteifeinde nutzen das schwache Charisma des Kanzlers, um Rechnungen zu begleichen. Selbst meinen Freund Sigmar Gabriel habe ich da im Verdacht, wenn er plötzlich Pumuckl lobt. Der unruhige Geist aus Goslar verlautet, er würde als Roter für einen Schwarzen Wahlkampf machen; gemeint ist der Rothaarige aus Sachsen, den sie daheim Pumuckl nennen, wie mir ein Insider verraten hat. Der Mann soll mutig sein; das wäre ja mal was. Und jeder Spott hilft, wenn man berühmt werden will. Pumuckl for President.
Nun muss man warnen, wenn der Ruhm vergangener Helden zum Maß der Dinge gemacht wird. Ich habe Willy Brandt gut gekannt, Helmut Schmidt stets gemieden, Oskar Lafontaine verachtet und Rudolf Scharping für gänzlich leer gehalten. Den von mir geschätzten Gerd Schröder schließlich hat die Partei im Regen stehen lassen, so wie es sich jetzt bei Olaf Scholz abzeichnet. Ob Boris Pistorius zum Kanzler taugt, da muss ich erst Doris fragen, was freilich, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte ist.
Die Union wird die nächste Bundesregierung stellen, wenn sie mit der AfD koaliert. Absolute Mehrheit. Ich sage: WENN. Wer das kann, wird Kanzlerin oder Kanzler. Pumuckl wär dafür ein Kandidat. Ob ich mir das wünsche? Seit wann geht es darum, was ich mir wünsche?
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Sic transit gloria mundi
Der britische Premierminister gerät in diesen Tagen unter Druck, weil er sehenden Auges einen Regierungssprecher eingestellt hatte, der in dem Pressereich des dortigen Axel Springer, eines Australiers namens Rupert Murdoch, eine Boulevardzeitung durch illegales Abhören von 600 Promi-Handies und Schmieren von Polizisten schlau gemacht hatte. Der Boulevard-Journalist Andy Coulson wurde Medienberater der Konservativen Partei und zog dann in die Regierungszentrale als Camerons Sprecher ein; jetzt muss er, da nach 130 Prozesstagen verurteilt, in den Knast.
Freigesprochen wurde die Verlagsleiterin Rebekah Brooks, eine Frau, die ich wirklich bewundert habe. Sie hatte den Charme einer Heiligen, die Macht einer Regentin und den Jargon der Gosse; die Kombination ist unschlagbar. Brooks ist eine Journalistin, die sich hochgeschrieben hat von der halbstudierten Schulschönheit zur ungelernten Tippse zur Skandalreporterin zur Chefredakteurin einer rüden Boulevardzeitung zur Chefin des Verlagshauses; alle Achtung. Wegen ihrer wilden roten Haare nennt man sie ehrfurchtsvoll mehrdeutig „the red top.“
Mit Freunden war ich von Oxford aus auf’s Land gefahren. Der Dekan der Altphilologen hatte ein Landhaus, bescheiden Hütte (cottage) genannt, in den Cotswolds, einer Idylle des englischen Landlebens, und John nahm uns an einem sonnigen Nachmittag mit zu einer Garteneröffnung in der Nähe von Chipping Norton. So etwas gibt es nur in der Nation der Gartenverrückten. Wenn das Grün hinter’m Haus einigermaßen in Schuss ist, lädt man Freunde und Bekannte zu einer Eröffnung, auf der Tee und fingerbreite Gurkensandwiches gereicht werden. Man staunt dann pflichtschuldig über Rosen und Stauden und den Ginkgo, der dieses Jahr besonders prächtig ist. Der örtliche Pfarrer ist anwesend. Als er erfährt, dass ich Deutscher bin, sagt er den Satz, den er auf Deutsch kann: „Nickt auf den Bodden spukken.“ Ob das entsprechende Emailschild noch immer in deutschen Zügen hänge, will er wissen. Man hält die als Hunnen titulierten Deutschen hier nicht unbedingt für eine Kulturnation.
Mitten in einem belanglosen Gespräch über bunte Blumen namens Cosmeen, auf deren Erde man Teereste gießen soll, erfahre ich, dass die Rote Spitze ihr Pferd an David ausgeliehen habe. Man tuschelt. Ich versuche wissend auszusehen, was mir nicht gelingt. John klärt mich auf, nachdem er mich an die Seite gezogen hat. Der Premierminister David Cameron hat seine Hütte (siehe oben) ganz in der Nähe. Und Rebekah (siehe auch oben) lässt ihn reiten, auf ihrem Gaul, versteht sich. Gelächter. Man zitiert im Garten eine E-Mail von Rebekah an den Parteichef der Konservativen, dass man in dieser Sache jetzt zusammen sei, die bei einer Untersuchungskommission herausgekommen sei. Die Sache ist allerdings nicht Sex’n Ride, sondern das Engagement dieses Teils der Boulevardpresse für eine bestimmte Partei angesichts der nächsten Wahl. Man hatte in der „Sun“ (Porno auf Seite 3) die Sozialdemokraten unter Gordon Brown aufgegeben und sich den konservativen Oxfordjungs unter Cameron angeschlossen. Die Gartenparty in den Cotswolds hat mir gezeigt, was es heißt, wenn die Eliten eines Landes noch nicht separiert sind. Wer wundert sich dann, dass man einen gefallenen Journalisten auch dann in die Regierungsmannschaft nimmt, wenn seine Enttarnung als Krimineller droht?
Und dann kam sie selbst. Sportlich gekleidet, groß, schreitend, unglaubliches Lächeln, leichte Züge des Lasziven, ein Schwall an lockigem Haar in feuerroter Farbe, alle Männer entzündet und wohl auch die eine oder andere Frau, der vertikale Ausdruck einer sehr horizontalen Idee. An diese Szene werde ich jetzt erinnert, da es Rupert Murdoch gelungen ist, seinen CEO Brooks aus dem Strafprozess unbelastet herauszuholen. Wir sehen nämlich hier, was der Traum des unbeholfenen Christian Wulff mit den Schwitzhändchen war, als er noch in der Gnade der Chefredakteure des Boulevard stand und unter den Reichen der Republik wandelte, auf wessen Kosten auch immer. Die Spitze des Staates mit den tiefsten Brieftaschen und dem Sex der Vorstädte vereint, so sieht das Glück jener aus, die in der Klassengesellschaft ganz nach oben wollen. Auf der Hinfahrt hatte der River Avon Flut und strahlte als prächtiger Strom in der Morgensonne. Jetzt, da wir wieder in die Steinwüste Oxfords streben, beherrscht Ebbe das Bild: Man sieht nur noch ein Tal voller Schlamm und Schmutz und mitten drin ein Rinnsal. Sic transit.
Quelle: starke-meinungen.de