Logbuch
ALLES IDEOLOGEN.
Außer ich. So leidet die grüne Seele, nachdem der Trauzeuge in Bremen zuhause geblieben ist. Ich sehe das ohne Schadenfreude.
Die grüne Wählerschaft versteht sich selbst zu einem guten Teil als BEWEGUNG. Das ist ein historisch belasteter Begriff, aber er trifft zu. Man glaubt nicht nur an eine gute Sache, sondern auch an eine sehr große. Ich teile diesen Tunnelblick nicht, verstehe aber, was er mit den Menschen macht.
Das Argument der Effizienz ist in sich plausibel, möglichst geringer Verzehr von Ressourcen, klar! Deshalb baut man auch nicht neu, sondern renoviert, um nur ein Beispiel zu sagen. Die Bundesumweltministerin will zuhause weiter ihren Benziner fahren, solange er es tut; das ist klug. Dienstlich fährt sie ein neues Batterie-Auto und fliegt, die Steffi. Das ist Politik.
Jetzt zu Bremen und dem Bundes-Effekt: wenn ich mich in den Ruch einer Sekte bringe, die Vetternwirtschaft und Cousinenkultur antreibt, dann sind die Schwärmer verstört. Wenn ich die Monopolisierung von Strom im Wärmemarkt erzwingen will, dann muss ich das anders plausibel machen als mit der einäugigen Verteufelung von Öl und Gas.
Alles Ideologen, außer ich; das reicht dann nicht.
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STILLE. DUNKELHEIT.
Ein hohes Gut ist die Stille, wenn Nachtruhe. Und die Dunkelheit, allenfalls im Kerzenschein. Und glimmende Glut im Kamin, trockenes Landhaus und warm.
Heute Nacht gegen zwei bin ich durch Haus und Hof geirrt, um eine Lärmquelle zu finden. Der wummernde Bass einer schlechten Musik hatte mich geweckt und vermuten lassen, eine Schaltuhr habe ein Radio angestellt, was zufälliger Manipulation der geschätzten Putzfrau entstammen kann. Oder meiner Ungeschicklichkeit.
Auf dem Land ist Stille eines der Güter, die das Leben wertvoll machen. Das weiß zu schätzen, wer die große Stadt zum Vergleich hat. Nun wohne ich in Berlin in der Nähe einer Feuerwache und genieße die Sirenen zehnminütig. Aber auch grölende Fröhlichkeit der Zugedröhnten auf den Straßen der Nacht. Und laute Nachbarn, zumal die AirB‘n’B-Idioten aller Herren Länder in den schwarz vermieteten Wohnungen.
Der Großstadtverkehr auf Asphalt und in der Luft, er reißt nicht ab. Auf dem Land kann ich Stunden im Garten sitzen, ohne dass man auch nur ein Auto hört. Ab und zu, jedenfalls samstags, ein alter Trecker mit einem Schiffsdieselgetucker. Sonst nur die Vögel im Morgengrauen. Zur fehlenden Lärmbelastung kommt das hohe Gut der Dunkelheit: kein Lichtmüll allenthalben wie in den Neonwüsten der Metropolen. Hier hat die Straßenbeleuchtung mittels Stadtgas eine neue Kultur geschaffen, das pulsierende Nachtleben. Auf dem Dorf schläft man nachts, der Herr wie das liebe Vieh.
Außer es ist Muttertagskirmes im Nachbardorf mit einem Live-Concert einer mediokren Cover-Band bis tief in die Nacht, eine kulturelle Entgleisung. Einst eine Kontraktionsform aus „Kirchweih“ und „Messe“ („Kirmes“) nennt es der Berliner treffender „Rummel“. Jetzt auch auf dem Dorf. Kleinrummel. Paaah.
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DREI JAHRESZEITEN ARBEIT.
Der Vorschlag einer Vier-Tage-Woche muss von Leuten stammen, denen das wirkliche Leben erspart bleibt, weil sie sich in die Verwaltung dessen gerettet haben. Hier droht die Arbeit schon bald nach der Mittagspause auszugehen und ganz sicher am Donnerstag. Freitag um Eins, da macht jeder seins.
Transferempfängertum. Schmarotzer. Dieses Milieu der wirtschaftlichen Nachhut, die sich politisch zur Vorhut macht (Zeit hat sie ja mangels Arbeit), erfüllt die Grünen und die Sozis in besonderer Weise. Von nichts hat sich die SPD mittlerweile stärker entfernt als von einer Partei der Arbeit; gilt für die Labour Party noch mehr. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.
Mein Vorschlag: Großzügiger denken! Wir arbeiten drei Jahreszeiten stramm durch und nehmen uns im Sommer frei. Alle. Wir machen den Laden dicht. So wie die Franzosen heute schon, in Anfängen. Acht Wochen ist dort national dicht. Ich sage: Zwölf! Drei Quartale hart arbeiten, eines feiern.
Erst der Sommer ist das Leben wert. Hören wir wie Skakespeare seine Geliebte preist: „Vergleich ich Dich mit einem Sommertage?
O, der ist nicht so lieb und mild wie Du.
In Stürmen schwankt die Maienros' am Hage,
Dem frühen Ende eilt der Sommer zu.
Oft glüht zu heiß des Himmels Auge droben,
Noch öfter ist getrübt sein goldnes Licht:
Und alle Schönheit ist so zart gewoben,
Der Zeit, dem Zufall widersteht sie nicht.
Dein Sommer aber, ewig soll er dauern
Mit aller Schönheit, die Du ihm verdankst;
Tod sich nicht blähn, Du gingst in seinen Schauern,
Wenn du auf Liedern in die Zukunft rankst.
So lange Menschen leben, Augen schaun,
So lang lebt dies und gibt Dir Leben, traun!“
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Ohne Eier keine Feier: Osterbotschaft für die Grünen
Die Parteispitze der Grünen mag nicht so recht Opposition spielen, weil sie 2017 mit der Union eine Koalition bilden will. Da heißt es brav sein. Nur keinen Ärger mit Mutti. Mutti hat ein Elefantengedächtnis. Wenn das nicht klappen sollte, wollen die Ökos mit den Sozis an die Regierung. Da heißt es schön brav sein. Nur keinen Ärger mit Siggi. Siggi hat ein Elefantengedächtnis.
Und so agieren sie dann, die Herren SchemÖtz-die-mir und Toni Leisereiter. Es gibt kleinere Anmerkungen zur GroKo, aber moderat und detailverliebt. Nur keinen Zorn erregen. Wer mannhaftes Auftreten gegen die Regierung sehen will, muss auf die Linke warten. Und auch hier sind es Männlein. Ein Kampf der Titanen sollte es sein. Die Helden sind aber hohl.Ersatzbesetzung: Rumpelstilzchen.
Der Niedergang der Grünen erinnert an das Verschwinden der Liberalen als politischer Kraft. Die FDP marginalisierte sich zur Boy Group. Schon machen böse Satiren die Runde. Merkel habe einen Aufnahmeantrag in die SPD gestellt, den Gabriel zu genehmigen gedenke. Die beiden machen den Parteivorsitz dann zusammen.
Ich habe mit dem Blut-und-Boden-Teil der Grünen nie etwas anfangen können. Aber es gibt dort doch gestandene Männer, deren Biografie eine kommunistische Jugend in Westdeutschland ziert. Das waren jene Herrschaften, die zu beachtlichen Radikalitäten bereit waren, etwa der allgemeinen Volksbewaffnung. „Sieg im Volkskrieg“, dieser Imperativ stand in Bochum an der Mensa.
Ein Witzbold aus meinem Freundeskreis hat das damals übermalt. Dann las man dort: „Sieg im Volkstanz.“ Das war von prophetischer Qualität. Genau da sind sie heute angekommen. Und sie lauern hasenfüßig darauf, wieder an die Fleischtöpfe zu dürfen. Aber das Kalkül der Selbstkastration wird nicht aufgehen. Ohne Eier keine Feier.
Quelle: starke-meinungen.de