Logbuch

WUTBÜRGER.

Die Bahn meldet sich mal wieder ab. Ein mehrtägiger Streik der kleinen Gewerkschaft der Lokführer sei der Grund. Man kann sich nicht mehr auf die Bahn verlassen, ein Vollausfall.

Es gehört zu den erwartbaren Managementleistungen des Vorstandes, dass er seine Beziehung zur eigenen Belegschaft anders regelt als durch chaotische Abfolgen von Streiks. Das ist der Job des Arbeitsdirektors.

Ich möchte daran erinnern, dass ich Wasser, Gas, Kraftstoff und Strom erhalte, ohne einem willkürlichen Zufallsmanagement ausgesetzt zu sein. Ausgerechnet das Staatsunternehmen Bahn kann das nicht garantieren? Eine Behörde mit satten Boni?

Ich streiche die Möglichkeit, auf der Schiene reisen zu können, aus meinem Bewusstsein. Nicht mit der bundeseigenen Deutschen Bahn AG. Ein Dritte-Welt-Land. Bitter.

Hinzukommt ein ironischer Umgangston der aufgezwungenen Vertrautheit, den ich als übergriffig empfinde. Man zwingt mir den von der BVG stammenden Getto-Ton auf. Die aufgesetzte Fröhlichkeit von Frau Nikutta und das Zornesponem des Herrn Weselsky, welch ein Maskenball, was für ein Hohn. Ohne das Auto wäre ich aufgeschmissen, in einer Republik, die genau das politisch diskriminiert.

Die FDP hat sich mit der Übernahme des Bundesverkehrsministeriums keinen Gefallen getan.

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PRESSE-CORPS.

Ein Pressechor singt keine Lieder. Das ist jene Gruppe geneigter Presse, die die Regierenden begleiten darf, um deren Ruf zu mehren. Es ist eine Einladung aus Brüssel, eine Pressereise. Ich bin dabei, obwohl ich eigentlich kein Journalist bin. Also bemühe ich mich um gutes Benehmen.

Der Abflug von Frankfurt-Hahn (das liegt nicht in Frankfurt) gelingt nicht, so dass die Delegation in Paris Le Bourget den Regierungsflieger nicht kriegen würde, weshalb es mit dem Heli nach Köln-Wahn geht. Wir überfliegen die Eifel. Ein Erlebnis.

Unter uns die gewaltigen Mare wie riesige Augen. Sie starren wie blöd in den Himmel. Die Landschaft ist schneebedeckt und aus den runden Augenhöhlen blickt ungerührt ein tiefes Schwarzblau. Die mit Regenwasser vollgelaufenen Krater sollen, weiß der Kollege der RHEIN-ZEITUNG, bis zu 70 Meter tief sein, eine gewaltige Menge an Wasser, findet er. Ich bin unausgeschlafen und hungrig und kritisch drauf. „Das ist ja nur halb so tief, wie der Kölner Dom hoch ist.“ Und nur ein Zehntel des Wassers der Möhnetalsperre.

Ich hab keine Ahnung, wo die Möhne ist, aber er nervt, der Klugscheißer. Die vulkanische Aktivität der Eifel sei nicht erloschen und man erwarte alle zehntausend Jahre einen neuen Ausbruch des glühend heißen Magmas. Bimms, Tuff, Basalt. Da daraus der Kölner Dom gebaut wurde, könne man dann ja weiterbauen, witzelt der blasierte Schreiberling von der RHEINISCHEN. Der letzte Ausbruch sei vor 13.000 Jahren gewesen. Die Uhr ticke also. Ich führe den Gedanken fort.

Wenn sich wieder Megatonnen von Lava ins Rheintal ergießen, dann sei Koblenz das neue Pompei! Jetzt habe ich einen Lauf. Die Einwohner des unsäglichen Kobbelenz sollten aber nicht erwarten, dass wir sie dann auf den Höhen des Westerwaldes aufnähmen. Eine rechtzeitige Warnung vor der Katastrophe sei durch die Landesregierung zwar eh nicht zu erwarten, aber sollte Roger, der Rodger, oder Malu und ihre Malutiösen von der SPD doch auf die Idee kommen umzusiedeln, dann bitte in die Pfalz und das Saargebiet.

Da hatte ich was gesagt. Nenne nie, wenn ein Journalist von der Saar anwesend, das Saargebiet Saargebiet. Die verlieren sofort die Fassung. Da half auch der witzige Plan, die Piefkes aus Kobbelenz zu Malu und den Sozis nach Trier zu ziehen, nicht mehr.

Der Flieger in Le Bourget haben wir dann doch noch verpasst und sind griesgrämig mit dem Zug zurück nach Hause. Ich gehe fest davon aus, dass die nächste Reise ohne mich stattfindet.

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GEGEN RECHTS ALSO.

Gestern steckte ich, im Auto von Leipzig kommend, in Berlin am ICC fest. Zug war mal wieder ausgefallen. Ungewöhnlich für mich mit fast leerem Tank, ohne Thermoskanne oder Wasser, keinen warmen Mantel im Auto. Nichts ging mehr, man stand im Stau. Man war der Stau. Und eine Schreibblockade. Das Elend war perfekt.

Ich sinniere über die Ursache. Die Bauern vielleicht. Oder das LKW-Gewerbe. Aber ich höre kein Hupen, das die Berliner die letzten Nächte genervt hatte. Beide Proteste richteten sich gegen die AMPEL, die im Amt dilettierende Regierung. Eine außerparlamentarische Opposition, mit eilfertiger Unterstützung der Union und der Freien Wähler und der AfD. Mit Apo, da kenne ich mich eigentlich aus.

Man hörte in letzter Zeit auch braune Töne und deren Vervielfältigung durch Medien. Ein Warnton „gegen Unterwanderung durch Rechts“ entstand. Und ein begriffliches Kontinuum von liberal über konservativen dann reaktionär bis schließlich faschistisch. Alles in einen Topf, weil „rechts“. Ich räume ein, dass es zur deutschen Staatsräson gehört, hier hellhörig zu sein. Zumal, wenn man mit Apo groß geworden ist.

Ich frage mit Ernst: Droht also eine faschistische Machtergreifung wie 1933? Wohl wahr, es gibt in Hinterzimmern wieder Rassenvernichtungsideologien, und das auch noch österreichischer Zunge. Wohl wahr, wir sind eine multikulturelle Gesellschaft und das ist auch gut so. Schließlich wahr, dass sich die Demokratie gegen Milieus ganz unterschiedlicher Art verteidigen muss. Kein Grund, sich ins binäre Bockshorn jagen zu lassen.

Statt stattlicher Brandmauern zwischen dem bürgerlichen Konservatismus und einer Wiedergeburt des Faschismus erleben wir aber eine schlüpfrige schiefe Ebene, in der die Übergänge fließend scheinen. Darüber dachte ich in der erzwungenen Pause nach. Mir fiel aber keine Episode ein, mit der man das zu einer gefälligen Glosse hätte verarbeiten konnte.

Ich verstehe schon das Kalkül, mit dem die Mitte-Links-Regierung Kritik zurückweisen will, indem sie diese als RECHTS brandmarkt und dabei assoziiert, dass dies RECHTSEXTREM sei und einem FASCHISMUS Tür und Tor öffne. Ich kenne den Mechanismus aus der Adenauer-Ära, in der die SPD die fünfte Kolonne Moskaus war und Willy Brand alias Herbert Frahm ein kommunistischer Vaterlandsverräter.

Es ist in beiden Fällen ein Kampf um die Vorherrschaft im Zeitgeist. Es geht um Propaganda, die sich selbst epochal denkt. Fachleute nennen das HEGEMONIE. Das süße Gift der Vorurteilsbewehrten wird dabei verabreicht und erzeugt die Seeligkeit des besseren Menschen in bösen Zeiten. Die dabei verabreichte Droge ist im Kern religiöser Natur. „Alle Kritik beginnt mit der Kritik der Religion.“ (Karl Marx)

Während ich grüble, wo das bei Marx steht (in der „Deutschen Ideologie“?) rollt der Verkehr wieder und ich kann meinen SUV an die nächste Diesel-Säule bringen. Plus großen Café Creme zum Mitnehmen. Nie mehr ohne warmen Mantel in den Verkehr.

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No more „tax and spend“ (Steuererhöhungen? Aus, die Maus!)

Jürgen Trittin, der König des Dosenpfands und Erfinder der Windmühlen, ist aus der Zeit gefallen. Über Nacht wirkt der klammheimliche Revoluzzer aus Göttingen (als Student: Kommunistischer Bund Westdeutschland) wie ein düpierter Freier, der sich den Schwarzen unter Mutti zur Koalitionsehe angeboten hat, aber eben die war nicht so leicht zu kriegen, wie er dachte. Nun bemängelt er verbittert Linientreue in der CDU und CSU. Mutti wollte nicht mit ihm in die Kiste, Mist! Dieser buhlende Opportunismus wird die Grünen von innen zerfressen.

Soviel Pech zwingt selbst erfahrene Politiker zur Ehrlichkeit. Der grüne Spitzenkandidat analysiert den Wahlausgang als verlorene Schlacht. Wie also kam man von 24 Prozent auf gerade mal acht? Jetzt wird es spannend. Was sagt der verhinderte Finanzminister? Man habe den Fortschritt in zu großen Stücken versprochen. Der Brocken ging nicht durch den Hals der Wähler. Ein Verstoß gegen das Gebot des „spoonfeeding“, gegen das Milupa-Prinzip der Politik, nach dem man nur süßen Brei und selbst den nur löffelweise verfüttern darf. Das Baby in diesem schrägen Denken ist der Souverän. Sie behandeln uns wie Kinder, die Grünen, eine Erkenntnis, die durchaus Ambivalenzen weckt.

Im Wahlkampf  waren die Grünen insgesamt ein Medienopfer, finden sie selbst mittlerweile. Der manipulierte Wähler hatte den Eindruck, dass eine Bande von Kinderschändern die Steuern erhöhen wollte und ihm,dem Wähler, die Wurst vom Brot nehmen, sprich mit Spinat zwangsernähren. Das sei aber ganz falsch. Man dürfe weiter Schnitzel essen, könne beim Verkehr künftig ruhig auf Volljährigkeit achten und es ging nicht um Steuern, sondern vor allem um Subventionsabbau. Ach so! Die Tugend-Diktatur der kleinbürgerlichen Ökos versucht sich selbst wieder als Wohlfahrtsausschuss zu bewerben.

Das hat auch der unselige Steinbrück nicht verstanden. Man mag Steuerfahnder und die Finanzämter achten, aber lieben? Es gibt in diesem Land keinen Spielraum mehr für Jubel zu Steuererhöhungen. Nicht mal der kommunistisch gegründete Exzess der SED-Nachfolgerin Die Linke, dass man die Millionäre ein wenig enteignen solle, sorgt noch für populistische Wellen.  Deutschland ist da, wo die Anglo-Amerikaner schon länger sind: Es wird plötzlich allgemein bemerkt, dass Steuern nicht vom Himmel fallen, sondern unser Geld sind, das man uns fürsorglich abgenommen hat. Ich weiß nicht mehr, ob in Berlin ein Drittel aller Bewohner Transferempfänger sind oder zwei Drittel den Leistungsträgern auf der Tasche liegen, aber ich weiß, dass es reicht.

Bei den Steuern gilt: Nur das Kleinvieh macht Mist. Die Älteren unter uns kennen noch das Beispiel aus der Schule: Eine Salzsteuer bringt mehr als eine Champagnersteuer. Leider ist der analoge Trick mit der Erhöhung der Mehrwertsteuer aber schon bei der letzten Großen Koalition verballert worden. Die CDU wollte ein Plus von zwei Prozent. Die SPD war ganz und gar dagegen. Gekriegt haben wir dann, dank einer Großen Koalition von Union und Sozis, drei Prozent. Ein staatspolitisches Lehrstück erster Güte. Begründet wird dies immer mit einer jeweils neuen Fürsorge.

Dass die Fürsorge des Sozialstaates eine zwangsfinanzierte Tugend-Diktatur werden kann, das war mal ein Argument der FDP. Die Stimme der Frösche-Killer ist im Parlament verstummt. Deshalb muss es die  Weisheit von New Labour nun hergeben, dass der Staat seine Aufgaben zu erfüllen hat, indem er seinen Haushalt umschichtet. Nicht dadurch, dass er die gewachsenen Verschwendungen und den allgemeinen Schlendrian belässt, wo er nistet, und uns erneut zur Kasse bittet. Die Nummer ist durch: no more tax and spend! Steuererhöhungen? Nein, aus die Maus.

Quelle: starke-meinungen.de