Logbuch
MULTI KULTI.
Die Neue Rechte ist zwar eine reaktionäre Truppe, aber sie hat Humor. Ein Beispiel aus England. Ich höre dabei Kipling aus dem Grab lachen.
Am Fall der englischen Stadt Leicester (sprich: Lester) sehe man klar, dass Multikulti nicht funktioniere, sagt die amtierende britische Innenministerin Suella Breverman, der man zutraut Regierungschefin werden zu können. Das ist biografisch interessant.
Die Dame ist Einwanderungskind eines Inders, der aus Kenia kam, und einer Tamilin aus Mauritius, die sich in GB trafen und ihre Tochter Cassiana unter dem Familiennamen Fernández auf eine englische Schule schickten. Eine Kurzzeitehe mit einem Rael Breverman beschied die strebsame junge Frau später mit ihrem sprechenden Nachnamen („tapferer Mann“).
Wie kommt es zu dem synthetischen Vornamen Suella, den sie heute trägt? Nun, ihre Eltern liebten die amerikanische TV-Serie DALLAS und dort besonders die Gattin des Helden JR Ewing, eine Alkoholikerin namens Sue Ellen, was der Taufname von Cassiana Fernández wurde: Sue-Ellen. Jetzt heißt es: „Suella 4 leader“.
Das Vielvölkergemisch im englischen Leicester ist ihr lästig; sie will illegale Zuwanderer nach Ruanda, Afrika, deportiert wissen. Ihren Amtseid für das Kabinett Ihrer Majestät hat sie auf ein unaussprechliches indisches Kochbuch abgelegt; sie ist Buddhistin.
Zu all dem könnte ich in meiner Lieblingsrolle als JR etwas sagen. Aber da werden sich nur die Älteren unter uns erinnern. Ich sage daher in den Worten eines amerikanischen Zirkusdirektors: „Noch nie hat man ein Publikum verloren, indem man es unterfordert .“
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HALTUNG.
Gestern im San Giorgio in der Mommsen für eine Sekunde aus dem Augenwinkel sehe ich den Koch ins Restaurant kommen; und zwar im HABIT, der weißen doppelgeknöpften Kochjacke. Das gefällt mir. Der Mann hat sich vom früheren Chef, dem grantelnden Domenico, in der italienischen Küche unterrichten lassen und genießt mein Vertrauen.
Penne mit Salsiccia und dicken Bohnen, Kalbsnieren in Rotwein mit Rosenkohl, Cassata in Schnaps. Jetzt führt Frabrizio, Demenicos Sohn den Laden, fabelhaft. Wir trinken einen Braide Alte 2019 aus Venezien zu einem fairen Preis. Und der Koch im Habit. Alles, wie es soll.
Es ist ja erwiesen, dass ein Chefarzt seinen Beitrag zum Heilerfolg durch den Arztkittel der höheren Wahl erbringt. Chefvisite ist Autorität in weiß. So wie an der Alma Mater die Spektabilität am Talar hängt. Der Rocker an der Kutte. Für Montanseelen ist das eh klar, der Habit macht der Steiger. Man verwechsele das nie mit der militärischen Uniform, die dem Prahlen mit der Hierarchie dient.
Der Habit entstammt den Kulturkämpfen der Bettelorden des 13. Jahrhunderts; er war das Gegenteil von SCHMUCK, eine bewusst einfache Kleidung. Die Kutte verbarg Macht und vermied Eitelkeit. Das ist auch der Sinn der Robe vor Gericht, eine Verneigung vor der Sache. Wie das Hoody der Kapuziner (ihre Kapuze) und die Soutane des Klosterbruders.
HABIT kommt vom Lateinischen „habitus“, der HALTUNG. Man zeigt seine grundsätzliche Zuordnung zu einer höheren Sache. Davon ist der sprichwörtliche „Haltungsjournalismus“ ein übler Abklatsch. Man kann nicht schlechter gekleidet sein als Linke. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte. Dann doch lieber zu der nicht ganz veganen Frage, wie die Nierchen waren? Großartig!
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AMADEUS.
Das Wunderkind Mozart war ein Sklave seines Vaters, der ihm die Kindheit raubte, um durch die Salons Europas zu tingeln, das Genie von Wolferl und Nannerl , seinen Infanten, vermarktend. Gottlieb hat er ihn genannt, eigentlich Liebgott, den Ama Deus.
Ich höre in der Berliner Philharmonie drei Symphonien von Amade’ wie er sich nannte, unter der Leitung des Römers Riccardo Minasi; eine vom Blatt, zwei aus dem Kopf. Ich habe keinen Musikverstand und bin auf Augen und Ohren angewiesen. Und für eine überraschende Erkenntnis , nein, Erfahrung gut: Mozart macht glücklich.
Sein Werk ist Ausdruck komplexen Glücks. Selbst aus albernen Stories lässt er tiefe Lebensfreude sprießen. Man sieht gestern dem Geigensolisten, irgendein Ami, der hier oft besetzt ist, die Freude an. In der Pause lerne ich von einem Klugscheisser am Buffet, das er eine Violine von Carlo Bergonzi spielt. Kostet soviel wie ein Oberklasse-Oldtimer. Das aber ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.
Mozart macht glücklich. Aber er war es nicht. Geschuftet wie ein Sklave, getingelt wie eine Wanderhure, eine tiefe Depression ständig im Nacken, früh gestorben und nur den Himmel der Freimaurer zum Trost, also keinen. Es ist nicht ein Wohlleben, das aus seinem Werk spricht; es ist die zur Kunst gewordene Sehnsucht nach Lebensfreude.
Wieder zeigt sich, was bei KUNST immer gilt, dass WERK und AUTOR aus unterschiedlichen Welten sind.
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Der hässliche Deutsche ist Schweizer
Früher dachte ich, der hässliche Deutsche sei Österreicher. Nicht nur wegen des Herrn Schicklgruber, der als Postkartenmaler nach Deutschland rüber gemacht hat und dann als Führer zu zweifelhaften Ehren kam. Bei den sogenannten Freiheitlichen, das ist eine Kontraktion aus FDP und NPD bei den Ösis, habe ich Töne gehört, die mich weniger wegen des reaktionären Inhalts empörten als durch den geilen Stolz, den die Herren dabei empfanden. Zu berichten ist von einem Ausflug nicht nach Wien, sondern in die teuerste Stadt Europas, nach Zürich. Die Bratwurst mit Brötchen am Bahnhof kostet umgerechnet satte sechs Euro; auch ein Wort denke ich. Auf der eher beschaulichen Bahnhofstraße sehe ich, dass Omega eine Seamaster, die ich in Berlin in Stahl für 4000 € gesehen habe, hier in einem Gelbgoldgehäuse anbietet, zum Preis von 17500 CHF. Das entspricht einem „goodwill“, sprich Aufschlag, Gold bereits abgerechnet, von guten 10000 €. Die Verkäuferin ist eine sehr gepflegte Asiatin, die mich zunächst in Russisch, dann in bestem Englisch anspricht, als ich den Laden betrete. Aber so viel guter Wille, der ist dann doch meiner Brieftasche fremd. In meiner Jugend waren mir nationale Ressentiments völlig fremd, außer dem gegen mein eigenes Vaterland. Ich empfand mich als weltoffen, weil ich Bob Dylan hörte und mit dem Interrail-Ticket Europa bereiste. Der hässliche Deutsche, das waren Exemplare in der Generation meiner Eltern und Großeltern. Und Österreich, das war damals „Tauben vergiften im Park“. Die Schweiz waren Heidi und Rütli-Schwur. Aus England grüßten die Rolling Stones. Und die USA hatten sich mit Woodstock einen Platz in unseren Herzen gesichert. Als Deutscher meiner Generation hatte man ein gebrochenes Verhältnis zum eigenen Nationalcharakter. Das Weltoffene verliert sich bei mir. Seit dem ich Beat Bünzli kenne, weiß ich, der hässliche Deutsche ist Schweizer. Bünzli ist Devisenhändler einer Großbank vom Paradeplatz in Zürich und verdient sein Geld mit Frontrunning; das ist die zielsichere Anwendung von Insiderwissen bei Devisengeschäften. BB, wie seine Freunde ihn nennen dürfen, mag das Wort Devisenspekulationen gar nicht; das zeige, dass man es mit Kommunisten zu tun habe. Eine Spekulation sei eine einzelne Wette, der Devisenhandel aber ein ernsthaftes 24-Stunden-Geschäft. Die meiste Zeit macht es ein Computer für Bünzli. Ich war mit BB in der Widder Bar, eine Hotelbar in der Altstadt Zürichs, die eine stattliche Whisky Sammlung ihr eigen nennt. Wir tranken jeder zwei Hellboys, ein Cocktail, der hier erfunden wurde und aus dem rauchigen schottischen Single-Malt Laphroaig, Chili und Honig besteht; sehr viel Chili und ein wenig Honig und viel Eis. Man muss einen Magen aus Asbest haben, um den Pfeffer zu überleben, aber die Kombination aus Torfgeschmack und Bienenhonig versöhnt. Bünzli soll mir erklären, ob die Schweiz sich als europäische Nation empfindet, auch jenseits von EU und Euro. Die Frage hat ja einige politische Brisanz. Beat findet zunächst, der Shutdown in den USA zeige, dass die Amis „saublöd“ seien. Man könne doch nicht wegen Parteiengezänk eine Situation riskieren, deren Ausgang niemand verlässlich vorhersagen könne. Kein Frontrunning möglich, das hat er nicht so gern. Er findet dann auch,ganz beiläufig, dass der Einfluss der Juden auf die amerikanische Politik „noch immer“ irrsinnig groß sei. Ich verweigere eine Diskussion um die ultrakonservative Tea Party und die jüdische Community in den USA, weil ich mit wachsendem Entsetzen darüber nachdenke, vor welcher Perspektive er eigentlich „noch immer“ meint. Angetrunken gehen wir zu einzelnen Empfehlungen des Bartenders über, nette kleine Whiskies (4 cl) mit einem Tropfen Wasser, die den Boden des Old-Fashion-Glases bedecken. Ich nenne sie im folgenden, obwohl das ein wenig vordergründig ist, jeweils mit Preis, und zwar in Schweizerfranken pro einzelnem Glas (Barmaß 4 cl); Erdnüsse waren gratis. Black Bowmore final editon 1964 31 Years: 1200 CHF. Highland Park 1968 40 years Orcadian Vintage: 550 CHF. Lagavulin 12 years white label:350 CHF. Machte zusammen mit den Hellboys und Trinkgeld: schlappe 5000 CHF. Das sind gute 4000 € für zwei Jungs und ein paar Drinks. Ich hatte zwischendrin gesagt, dass ich zahle, weil ich ja um das Gespräch gebeten hatte. Nun bleibt es mir nicht erspart, mit bleichem Gesicht auf die Rechnung zu starren. Beat Bünzli lacht, wirft seine Kreditkarte auf den Tisch und versichert mir, die Schwyzer seien gar nicht geizig, wie ihnen immer vorgeworfen werde. Das seien Vorurteile der Dütschen. Aber das kenne man ja, die Dütschen und ihre Vorurteile. Ich solle mich entspannen, er könne das in der Bank als Spesen verrechnen. Peanuts.
Quelle: starke-meinungen.de