Logbuch

DAS GEHEIMNIS DES LEBENS.

Keine kleine Nummer. Die Doppelhelix der DNA wurde 1953 von den Engländern Crick & Watson entdeckt. Ja, aber... Sie sollen es in den Cavendish Studios in Cambridge vollbracht haben. Schrieb gestern auch die WELT am SONNTAG. Und bezichtigt sie eines PLAGIATS und einer sexistischen Attitüde gegenüber der bestohlenen Wissenschaftlerin ROSALIND FRANKLIN vom Londoner King‘s College. Und sie hätten eine Bemerkung über deren Frisur gemacht. Ach je. Damit hatte man das Thema im Zeitgeist der „political correctness.“ Gefällt mir nicht, weil zu zeitgeistig. Das war anders, habe ich selbst vor Ort erfahren. Ich war vor einigen Jahren anlässlich einer Buchrecherche mit zwei Kumpel vor Ort. Die Geschichte hat, wurde uns versichert, einen anderen SPIN. Richtig ist, dass die beiden „Entdecker“ ihre Erkenntnis aus der Literatur hatten, nicht dem Labor. Und wo sind sie drauf gekommen? In der Kneipe. Die beiden Trunkenbolde standen jeden Abend nach Dienstschluss in einem Pub namens THE EAGLE, der in Cambridge bekannten RAF-Bar (nach einem Luftwaffenoffizier, aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte). Ich erinnere mich gut, eine entsprechende Gedenktafel im EAGLE gesehen zu haben. Der Wirt wusste zu erzählen, dass ein Enkel von Watson die angebracht habe. Er dementierte auch nachdrücklich das Gerücht vom Plagiat. Die genialen Scotch-Trinker hätten halt nur zwei & zwei zusammengezählt; so sei das in der Spitzenforschung, man müsse belesen sein und kombinieren können. Vielleicht hilft auch ein wenig Demut. Und natürlich die ortsübliche Kultur des Feierabend-Absackers im Pub. Wehmut, Zeiten waren das. Übrigens steht auf der anderen Straßenseite vom EAGLE jener Apfelbaum, dessen Frucht ISAAK NEWTON unter dem Baum liegend auf den Kopf gefallen sei, womit er die Schwerkraft entdeckte. Das halte ich allerdings für einen Mythos.

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SO NETT.

So nett, das Sonett. Eine Gedichtform, nicht ganz einfach. Erst zwei Strophen als Vierzeiler, dann zwei Strophen als Dreizeiler, Quartett und Terzett genannt. Die Endreime sind kompliziert angeordnet, zum Beispiel zunächst ABBA ABBA (umarmender Reim) und dann CDE DEC. Kann nicht jeder. Goethe und Shakespeare mal außen vor. Tja, das Sonett in Jamben (ein Versmaß), da bin ich endgültig überfordert. Jetzt aber mal Butter bei die Fische:

„Als wir zerfielen einst in DU und ICH / Und unsere Betten standen HIER und DORT / Ernannten wir ein unauffällig Wort / Das sollte heißen: ich berühre dich. // Es scheint: solch Redens Freude sei gering / Doch wenigstens wurd „sie“ so unverletzlich / Und aufgespart wie ein gepfändet Ding. // Blieb zugeeignet und wurd doch entzogen / War nicht zu brauchen und war doch vorhanden / War wohl nicht da, doch wenigstens nicht fort //Und wenn um uns die fremden Leute standen / Gebrauchten wir geläufig dieses Wort / Und wussten gleich: wir waren uns gewogen.“

Des besonderen Bezuges wegen ist dies Gedicht nicht zum Schulgebrauch geeignet, auch nicht im sogenannten „Home Schooling“; davor rettet auch nicht der Hinweis auf den „anerkannten“ Dichter (Hochliteratur). Es ist der aus Augsburg stammende Berthold Eugen („Aigihn“) Brecht, den die Nazis über die Welt vertrieben. Daher viele unfreiwillige Trennungen, einige vielleicht willentlich, aber halbherzig; siehe oben.

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STRIPTÖSE.

Seltener Fund im Archiv: „Gedanken eines Revuemädchens während des Entkleidungsaktes“ Ein INNERER MONOLG von Bertolt Brecht, 1928, nach Besuch des „Chien Jaune“ am Nollendorfplatz. Geht so: „Mein Los ist es, auf dieser queren Erde / Der Kunst zu dienen als die letzte Magd / Auf dass den Herrn ein Glück bescheret werde / Doch wenn ihr fragt // Was ich wohl fühle, wenn ich mich entblöße / In schönen schlauen Griffen und des Lichts / Der goldenen Lampen teilhaft, als Striptöse / Antworte ich: nichts. / Es geht auf Zwölf. Ich komm zu spät zum Bus. /// Halbvoll: Am Samstag! Heut wird‘s wieder zwölfe. / Mehr Lächeln. Diese Luft ist ein Skandal. / Halt‘s Maul da vorn, ich zeig sie dir schon. Wölfe!“ So geht das Gedicht des Großen BB. Woher ich weiß, wo Brecht war, bevor er dies in sein Notizbuch schrieb? Nun, das Chien Jaune war in Berlin ein Begriff. In den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Und in der letzten Strophe des Gedichts heißt es: „Den Hintern aber zeig ich heut nicht. // Das Essen / Im Gelben Hund ist so, dass man‘s erbricht.“ Das mit „erbricht“ ist auch dem Endreim auf „nicht“ geschuldet, vermute ich. Aber Belegschaftsessen, schon immer ein Problem in der Gastronomie; soll selbst in Spitzenrestaurants und Sternehotels miserabel sein. Dazu gibt es sicher manchen inneren Monolog, der es nicht in die Weltliteratur geschafft hat.

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Der kleine Bruder vom großen erlaubt sich Scherze

Wie bringt man einen Junkie um? Indem man ihm die Droge nimmt. Trocken legen, cold turkey. Das wäre gemein. Oder indem man ihm den Goldenen Schuss ermöglicht, sprich Überdosis. Entweder ich werfe das hübsch weiße Drahtlose Numero Fünf weg (und kaufe nicht das bunte Numero Sechs) oder ich speichere so viel auf ihm, dass die notorisch Neugierigen einen Overkill kriegen.

Der geneigte Leser merkt, schon dass wir heute bestimmte Klarnamen vermeiden. Bei Klarnamen schaltet bei den notorisch Neugierigen die Maschine an, jedenfalls war das früher so. Heute will sie wohl alles wissen, die Maschine. Und das hübsch weiße Drahtlose Numero Fünf erzählt ihr auch alles. Ich habe mich entschlossen, sie an der Nase herumzuführen. Wenn ich schon der kleine Bruder vom großen bin, will ich meinen Spaß haben.

Heute war ich bewusst auf einer Wahlveranstaltung der CDU mit Röschen aus Hannover (vulgo: von der Leyen). Sie zeigte sich mit einem Abgeordneten Fuchs, der mit dem buschigen, auf wwtv, meint: „Westerwald TV“. Noch aus dem Studio in Urbar habe ich telefoniert, Mails verschickt und ein Foto gemacht. Die notorisch Neugierigen glauben jetzt meinem hübsch weißen Drahtlosen Numero Fünf und zählen mich zu den Schwarzen. Ha!

Anschließend bin ich nach Koblenz in die Affenschaukel, einem Schwulentreff, und hab noch vom WC aus meine Apps aktualisiert und eine SMS geschickt. Darin habe ich meine „Schwester“ auf den Geburtstag unserer Mutter aufmerksam gemacht. Jetzt halten die notorisch Neugierigen meine Geliebte für meine Schwester, weil sie ja wissen, dass ich ein schwuler Schwarzer bin und „hello sister dear“ gesimst habe.

Gleich geh ich mit dem Hund raus. Ein Borderline Colly, der mein Verbündeter ist. Dabei nehme ich mein Ei-Dog mit. Ja, das Fünfer; das bunte Sechser habe ich noch nicht. Das Wort Ei-Dog wäre jedem Londoner verständlich. Im Cockney Rhyming Slang ersetzt man signifikanten Begriffe durch solche, die in Redensarten zusammen mit einem Lautgleichen zu dem zu Ersetzenden auftauchen. Haben Sie nicht kapiert? Nun, die notorisch Neugierigen auch nicht.

Gegenüber Cockney sind die notorisch Neugierigen völlig machtlos. Linguistisch erklärbar: Die Neugierigen brauchen irgendeinen Algorithmus. Gerade eine Diktatur kommt nicht ohne Mathematik aus. Der Cockney aber, der „street wise“ ist, braucht eine (proletarische ) Soziokultur und Proletenwitz, und den Mechanismus des Substituens und Substitendums. Das ist eine Tradition seit dem 14. Jahrhundert. Wer sagt, dass einfache Leute doof sind? Ich nicht. Nie. Ich liebe die „gentlemen of the road“.

Gerade habe ich den gesamten Text der Encyclopaedia Britannica, insgesamt 19 Folianten, auf meinen Ei-Dog gespeichert. Und zwar unter „top secret / confidential“ und an eine Mailadresse geschickt, die vier Umlaute enthält und ein „ß“. Das haben Sie gar nicht gern, das mit dem Ess-Zett. Ich nutze dazu den Internetanschluss jener Cockney-Kneipe („The Globe“ in Southwark, London), in der Bridget Jones gedreht wurde. Bridget, the midget and Gertrud the groupie! Und ich nenne mich in dem Mails Bridget, was ich als Schwuler ja wohl darf.

Ich muss jetzt Schluss machen, weil mein „trouble“ ruft („trouble and strife“ : „wife“); ich soll in die „roses“ kommen (Bon Jovi, Kinder, Bon Jovi!). Vorher werde ich aber mein Ei-Dog meinem Borderline Dog wie einem Bernhardiner das Rumfässchen umhängen und ihn rausjagen, er soll mal streunen. Mal sehen, wo die nachher glauben, dass ich vorhin war.

Quelle: starke-meinungen.de