Logbuch

BRO.

Ich verbrüdere mich nicht gern. Zu oft steckt hinter der Kumpanei eine minder hübsche Absicht der schlichten Vereinnahmung. Über die Scheu vor Fraternisierung.

Eine Schauspielerin fragt in einer Talkshow: Woran fehlt es einer kriegerischen Welt? Man versteht die Frage. Und ist doch irritiert über ihre Naivität. An Brüderlichkeit? Die französische Revolution des 18. Jahrhunderts hat die uns zusammenführende Qualität FRATERNITE genannt, Brüderlichkeit. Die Getto-Kids reden sich so an: „Bro“ ist kurz für „Brother“ im Sinne einer „Brotherhood of Man“. Eine universelle Kategorie. Alle Menschen werden Brüder.

Aber die jungen Männer muslimischen Glaubens und nordafrikanischer Herkunft, die gerade die französischen Vorstädte bespielen, meinen das eher ausgrenzend. Brüder sind Glaubensbrüder, eigentlich Stammesmitglieder und Schicksalsgenossen aus einer gewaltgestützten Sozialisierung, die die gescheiterte Integration als Pauper und Paria festschreibt. Zusammengeschweißt hat sie auch die Abscheu des Staates, der sie wie Schmutz behandelt, der „weg gekärchert“ (Nicolas Sarkozy) werden muss. Klassenkampf von oben.

Die Zubilligung von Brüderlichkeit geschieht immer selektiv. Sie ist ein emotionaler Zusammenschluss einiger unter der gleichzeitigen Bedingung des Ausschlusses aller anderen. Wo sich Glaubensbrüder so benennen, als Brüder und Schwestern, demarkierten sie zugleich eine Welt außerhalb dieser heiligen Familie. Man bezieht ein, um auszugrenzen. Ich sage es im Klartext: Mir gefällt das nicht.

Die linke Tradition der Anrede als Genosse hat unter dem Vorschein des Gemeinschaftlichen auch etwas von diesem Prinzip des Ausgrenzenden. Das gilt auch für die Freunde der Freimaurerei oder des Rotarischen. Das ist die soziologische Klippe der Fraternität. Es gibt zudem eine ideengeschichtliche.

Ich lese in Berlin in einer Seitengasse der Friedrichstraße eine Inschrift zu einem Ereignis aus dem Revolutionsfrühling von 1848. Die preußischen Truppen hatten sich geweigert, weiter auf Aufständische zu schießen, die die Fahne der bürgerlichen Freiheit auf die Barrikaden gepflanzt hatten. Man feiert das VORMÄRZ-Ereignis hier mit Versen von Freiligrath:
„Es kommt dazu trotz alledem /
Daß rings der Mensch die Bruderhand /
Dem Menschen reicht trotz alledem!“

Dem Menschen die Bruderhand reichen. Selten genug.

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SPARTACUS.

Bürgerkrieg also, Anarchie. Fassungslos blicke ich nach Frankreich, wo der Mob der Vorstädte wütet. Ja, wir werden über die Ursachen der Gewalt reden, zunächst aber reden wir über sie selbst. Und über den „flic fasciste assassin“.

Hätte man Karl Marx gefragt, so hätte er den Aufstand der Halbstarken mit SPARTACUS verglichen, dem römischen Aufstand der Sklaven. An Engels hatte er geschrieben, der Gladiator sei „der famoseste Kerl der ganzen Antike“. Mir sind Vokabeln wie Mob unterlaufen, um die Rebellion der jungen Zuwanderer muslimischen Glaubens zu benennen. Fraglich, ob das angebracht ist. Famose Kerle oder üble Jugendbanden? Dünnes Eis.

In den Vorstädten wurde ein Ghetto geschaffen, dass junge Männer einer verunglückten Migration weiter fehlleitet. Der Straßenkampf wird ihre Probleme nicht lösen, sondern verschärfen; für viele wird das der Übergang von der Nebenerwerbskriminaltät ins regelrechte Milieu, dessen Gewalt sich irgendwann auch gegen die Bandenmitglieder selbst richtet. Crime eats crime. Zu wünschen wäre es, dass die neue Heimat Frankreich den Algerischen Zuwanderern ermöglichte, neue Wurzeln zu schlagen und ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Das sozialpolitische Versagen der Grande Nation ist offenkundig.

Auch polizeilich ist das nicht in Ordnung. Sich einer Führerscheinkontrolle zu entziehen, rechtfertigt nicht die Exekution des Delinquenten. Hier ist die Parallele zu den USA, wo man das Triviale erwähnen muss, nämlich dass schwarze Leben zählen, weil es im Alltag nicht trivial ist. Man braucht gegen die Clankriminalität aus Parallelgesellschaften ein anderes Polizeikonzept als den Einsatz der Fremdenlegion im Inneren. Insbesondere in einem laizistischen Staat mit kolonialer Vergangenheit.

Und was sage ich zur staatlich tolerierten Koranverbrennung in Stockholm? Ich sage: Wir verbrennen keine Bücher. Wir erschießen keine Verkehrssünder. Wir akzeptieren, dass Migration eine sozialpolitische Bringschuld hat. Wir schicken den algerischen SPARTACUS zur Schule und geben ihm einen anständigen Job. Und er sich dann ein Auto und einen Führerschein. Und den kann der „flic fasciste“ dann kontrollieren. Vive la France!

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AGENDA.

Die Agenda-Politik hat dem damaligen Kanzler Gerd Schröder viel Kritik eingebracht, allzumal aus den eigenen Reihen. Zu Unrecht. Die Geschichte hat ihr abschließendes Urteil über ihn noch nicht gesprochen.

In den Sozialen Medien denunziert ein ehemaliger Regierungssprecher ihn jetzt, weil er morgens um 11 im Einstein Wein trank. Das ist klein. Ich könnte auch etwas zu seinen geschäftlichen Aktivitäten in Russland sagen, werde es aber nicht tun. Erstens bin ich Insider und zweitens halte ich das nicht für vorwerfbar, was er nach dem Ausscheiden aus dem Amt als Geschäftsmann tut. Die Amtspflicht endet mit dem Amt.

Aber da ist ein Stigma, wie bei Tony Blair. Überhaupt wäre das der angebrachte Vergleich. Wie hat es Blair geschafft zur Unperson zu werden? Nun, all das hindert Friedrich Merz, den leeren Anzug aus Brilon, nun nicht, sein politisches Konzept wörtlich AGENDA FÜR DEUTSCHLAND zu nennen, kurz: AfD. Alter!

Merz ist nicht nur minderbegabt, ihm fehlt auch noch die Fortune. Wer rät dem Mann? Gerd hatte damals Doris geraten; sie gilt als die Mutter des Agenda-Begriffs. Merzens Gattin, das ist die Charlotte. Man weiß nicht, was sie ihm rät, die Lotte aus Brilon. Am Ende eine Lotte aus Weimar?

Wenn die SPD unter dem Weichei Lafontaine die Abspaltung der Linken hat ertragen müssen, so ist ihr gelungen, was Merzens wirkliche AGENDA wäre. Sie hat den undemokratischen Auswuchs aus ihrem Blut klein gehalten. Die LINKE ist marginalisiert. So, Fritze, das jetzt bitte mit den Bastarden aus Deinem Blut. Ringe die Braunen nieder.

Das wird nichts. Der Schwarze will sich ersatzweise lieber an den Grünen reiben. Da glaubt er leichtere Beute machen zu können. Eine AGENDA kann man sich aber nicht wünschen. Die kriegt man von der Wirklichkeit vor die Tür gelegt. Merz kneift.

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HERRENAUSSTATTUNG.

Nie mache ich zur Kleidung von Frauen in der Politik Bemerkungen; auch nicht zu dem Perlhuhn der Neuen Rechten. Gilt als frauenfeindlich. Aber auch der Herr von Welt bedarf der Ausstattung. Das ist ein echter Beruf, der des Herrenausstatters. Siehe Schröder und sein Brioni. Oder Markus Söder und das Jankerl. Aber VORSICHT. Dünnes Eis. Man will wegen solcher Bemerkungen ja nicht als Nazi gelten.

Der Jörg Pilawa aus Poppenbüttel ist seit gestern mit den höchsten Persönlichkeiten des Staates auf repräsentativen Fotos zu sehen. Er steht an der Seite der Zweiten Frau im Staate, der Bundestagspräsidentin, weil er, so vermute ich, ihr neuer „walker“ ist, die privat verbundene Begleitperson der gelernten Weinkönigin.

Ich bemühe mich hier um eine vorsichtige Wortwahl, da die Maßstäbe für den Einsatz der Justiz gegen unerwünschte Meinungen in meinem Vaterland deutlich verschoben sind; man darf die Staatsorgane nicht mehr lächerlich machen. Man wäre dann Nazi. Ich will mich daran halten; enthalte mich also eines Kommentars zu den mitgebrachten Ehefrauen beim Bundespräsidenten, dem Bundeskanzler und dem Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts. Warum bei diesen Staatsorganen am 03. Oktober die Gattinnen obligatorisch sind, wäre ohnehin eine ordnungspolitisch interessante Debatte: „Muss man dann mal mit Mutti?“

Jedenfalls kann man, ohne Nazi zu sein, sagen, dass diese Herrschaften mit Ehegattin aufgeschlagen sind und die weinselige Julia mit ihrem jüngsten Hospus. Der frisch gekürte Partner Pilawa aus Poppenbüttel kam im Schwarzhemd. Als ehemaliger Junggeselle kann ich den Vorteil des „black collar“ aus eigener Erfahrung loben; man muss nicht so oft Waschen, Hals wie Hemd. Da der Herr Pilawa aus Poppenbüttel aber einige Semester Geschichte studiert hat, darf ich etwas zu seinem Outfit ergänzen. Man trägt für diese Republik keine Schwarzhemden. Auch nicht als Inhaber eines Herrenausstatters aus Poppenbüttel.

Mussolini hat das Schwarzhemd eingeführt für seine faschistischen Schlägertruppen. Hitler hat so die SS gekleidet. Das war die Uniform des Terrors. Schwarzhemd war ein fester Begriff. Selbst die englischen Faschisten priesen das „black shirt“. Das geht zu Staatsakten dieser Republik als deren Repräsentant gar nicht. Warum weiß das der parfümierte Prolet aus Poppenbüttel nicht? Ich passe.