Logbuch
DAS GEHEIMNIS.
„Ach, wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß!“ So singt im Volksmärchen der Brüder Grimm ein böser Wicht, der der jungen Königin das erste Kind rauben will, er selbst singt es, während er um ein Feuer tanzt. Der Bösewicht wird belauscht; das Geheimnis ist verraten. Wie reagiert der so Enttarnte? Mit Vorwürfen der bittersten Art: „Das hat Dir der Teufel gesagt.“ So weit, so typisch.
Das Geheimnis ist immer ein Paradoxon; wir erkennen es erst, wenn es keines mehr ist. Das gilt als die Königsdisziplin des Journalismus, ein Geheimnis aufgedeckt zu haben. Und meist liegt dem ein kleiner Verrat zugrunde. Oft ist es nicht der Teufel, den man dieses Verrats bezichtigen kann, sondern einfach nur ein indiskretes Plappermaul oder ein niederträchtiger Neider. Journalisten des Investigativen mögen das Salz der Erde sein; ihre Informanten sind es eher nicht. Ich kenne keinen Verräter, der darüber glücklich geworden wäre.
Über Geheimnisse lebender Personen habe ich eh nichts mitzuteilen. Das fände ich überflüssig, wenn nicht teuflisch. Aber zum Segen des Arguments, nehmen wir ein historisches Beispiel. Über Bundeskanzler Helmut Kohl wurde gemunkelt, dass ihn mit seiner Sekretärin eine Amour Fou verbinde. Ich erinnere mich an einen Ausruf eines industriellen Förderers („Bimbes“) im Düsseldorfer Industrie Club: „Die Marketenderin muss da weg!“ Wer das damals gesagt hat, bleibt mein Geheimnis. Auch, wer die Chefredakteurin war, die über diese Enttarnung ihren Job verlor; die lebt noch und sei von hier aus herzlich gegrüßt!
Ich habe einen Vorschlag zu höherer Güte zu unterbreiten. Wenn es sich um ein Staatsgeheimnis handelt, eine öffentliche Angelegenheit von wirklichem Belang, dann gehört das Rumpelstilzchen enttarnt. Und sei es mit Hilfe des Teufels. Wenn es aber um eine Angelegenheit Amors geht oder eine kleine private Schwäche, so möge man das Geheimnis respektieren. Das Leben wird, wenn frei von Geheimem, schlicht banal.
Übrigens geht es in dem Märchen um die Sanierung maroder Staatsfinanzen durch hohle Kredite, sprich „fool’s gold“ oder die angebliche Fähigkeit, einer Müllers Tochter, aus Stroh Gold zu spinnen. Sondervermögen. Wer hier was zu enttarnen weiß, der rede.
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DIE DEMENTI-FALLE.
„Du kannst nicht als Engel durch die Hölle fliegen, ohne Dir die Flügel zu versengen“, pflegte Rudi, der Rächer zu sagen, der nichts weniger war als ein Engel. Er hatte als Mann für‘s Grobe in der Politik gedient und schrieb nun für den SPIEGEL, ein alter Fahrensmann, der wusste, wie man eine Kampagne aufsetzt. Die versenkten Flügel, das war Selbstmitleid.
Für die Opfer eines Rufmordes gilt ein ähnliches Gesetz, aber in weit unangenehmerem Maß. „Irgendetwas bleibt immer hängen.“ Jüngst erleben wir, wie eine bürgerliche Wissenschaftlerin der Jus, obwohl durchaus liberaler Gesinnung, von rechter Propaganda verhetzt wird, so dass sich konservative Abgeordnete nicht mehr in der Lage sehen, sie in ein Richteramt zu wählen, die linksradikale Schickse. Sie gibt die Ambition auf. Wieder haben es AfD und ihre Freunde in den Medien geschafft, die CDU vorzuführen; man spricht dort intern von gefickt.
Zur Routine solcher Entehrungen gehört es inzwischen, Akademiker Plagiatsvorwürfen auszusetzen; auch solche, aus später erschienenen Werken vorher abgeschrieben zu haben oder in der Literatur eines Fachkollegen, mit dem man verheiratet ist. Dazu sage ich nichts. Mein Notat gilt der Propagandatechnik der Umkehr der Beweispflicht. Dies ist die Sackgasse, in der sich die Beschuldigten verrennen.
In der Politik ist man für das Maß seiner Verkennung verantwortlich. Wer ein VERHETZUNGSPOTENTIAL aufweist, das ausufernde Meinungsbildung ermöglicht, wird seine Unschuld nicht mehr beweisen können, weil ihn die unvermeidlichen Tabubrüche auf dem Weg dahin jeden Morgen neu umbringen. Ich zitiere hier gern den jungen Peter Sloterdijk, der seinen Kampf um‘s Überleben dadurch gewann, dass am Ende alles auf das Konto der Popularität eingezahlt habe. Fröhlich klang dieses Resümee nicht.
In eine Sackgasse gelockt, bringt es nicht die Rettung, nun die Laufgeschwindigkeit zu erhöhen. Wie sagt bei Kafka noch die Katze zur Maus? „Du läufst in die falsche Richtung.“
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DAS LÄCHELN DER SPHINX.
Politikberatung ist zuweilen auch die Beratung von Politikern. Es kommt also die Person ins Spiel. Etwa, in der Frage, was soll der Mensch anziehen. Von Gerd Schröder, dem Autokanzler, lernte die Nation, wie der italienische Schneider Brioni so kleidet. Da kommt ein Hannoveraner Herrenausstatter namens Sör ins Spiel; aber das soll Bela erzählen, der war da näher dran. Zu Merkels Hosenanzügen gänzlich ungewisser Konfektionsgröße ist alles gesagt; zudem ist der Vorhang im Stück „Mutti“ noch nicht gänzlich gefallen. Das Stück ist aber erst zu Ende, wenn…
Eigentlich wäre hier noch ein Notat zu dem Janker (oberbayerische Trachtenjacke), den der Franke Söder neuerdings trägt, fällig, in dem er wirkt wie ein Tourist aus Oer-Erkenschwick beim Heimatabend in Aschau im Chiemgau. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte, die die fabelhafte Amelie Fried im Netz paraphrasiert.
Schwieriger wird es bei Frisuren und Make-Ups; auch dazu will ich als Junge nichts sagen, ist ein Mädchen-Thema. Das Mädchen, das vorübergehend feministische Außenpolitik gestaltete, hat hierzu hinreichend Haushaltsmittel erhalten. Das populistisch auszuschlachten, scheint mir zu billig. Es war ja nicht das Drei-Wetter-Taft, das mir Sorgen bereitete. Zudem ist der Deminuativ Mädchen (zu Magd) hier nicht abwertend gemeint.
Im ganzen Altertum stritt man darum, welchen Geschlechts der Sphinx sei. Die Ahnen der Ägypter wie die muslimischen Gelehrten benannten ihn maskulin, erst die Griechen setzen dem ein Ende (von nun an feminin). Der Sphinx? Die Sphinx? Wer jemals in Gizeh vor dem Monument stand, versteht den tieferen Sinn des Doppelwesens. Hier lächelt eine Frau von so großer Macht und Mystik, dass man sich ihren Körper nur als Löwengestalt vorstellen konnte. Schließlich wusste sie Fremde, die ihre Rätsel nicht lösen konnten, schlicht zu verschlingen.
Es kommt hinzu, dass es in der antiken Welt der Sphinx mit der Trennung der Geschlechter ähnlich durcheinander ging wie im neulinken Wokistan, mit den bekannten Folgen der Verblödung. Darum lächelte die Sphinx aber nicht. Das Geheimnis ihres Antlitzes liegt in der Grausamkeit, die sich hinter der Güte verbirgt. Respekt und Ehrfurcht!
Jetzt sagen wir das der politischen Aspirantin mal, die sich ihrer Werte gewiss ist, den Text kann und wo der Rock sitzt: „Wenn Sie jetzt noch, gnädige Frau, bitte lächeln könnten wie die Sphinx?“ Man sieht Politikerinnen, die schauen bös; man sieht schickere, weil im Wein die Wahrheit liegt, man sieht aber auch eine einzelne, die lächelt, wenn sie lächelt, wie die Sphinx. Kann jedermann erkennen. Ich sehe aber dahinter auch die reiche Symbolik der Löwengestalt. Davor warnt mein Vers.
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Finanzielle Arkan-Disziplin: die monetären Mysterien der katholischen Kirche
Doppelte Buchführung zwischen offiziellen Sparbudgets und riesigen Schattenhaushalten, unüberschaubare Geflechte aus Beteiligungsgesellschaften, Investments in allen Branchen – man wähnt sich im Reich halbseidener Finanzoptimierer und Steuersparfüchse.
Dann vernimmt man die Kunde von öffentlichen Geldern, die schamlos zweckentfremdet werden, gar in bar in privaten Schubladen auftauchen; man hört von Schwarzgeldkonten des Spitzenpersonals und Veruntreuungen im siebenstelligen Eurobereich und plötzlich meint man irgendwo im Hintergrund eine Geigenmelodie aus der Feder Nino Rotas zu vernehmen. Doch in beiden Fällen täuscht sich der geneigte Beobachter, es ist mitnichten die Rede vom Gebaren steuervermeidender Raubtierkapitalisten und auch wenn es sich bei den Beteiligten um honorige Herren mit ergrauten Schläfen handelt, die sich allein eigenen Gesetzen und einem mächtigen Übervater unterworfen sehen, so bleibt doch festzuhalten, dass die hier Beschriebenen weit häufiger in Soutane als im italienischen Nadelstreifen anzutreffen sind.
Die Rede ist von der katholischen Kirche in Deutschland und vom Finanzgebaren ihres Spitzenpersonals.
Was darüber in den letzten Wochen enthüllt wurde, lässt sich nur als äußerst unappetitlich beschreiben. Vertreter der von den Skandalen der letzten Monate noch immer gebeutelten Kirche haben, so deutet sich jetzt an, über Jahre hinweg ein riesiges System der Schattenwirtschaft und schamlosen Selbstbedienung etabliert. Da soll sich ein (inzwischen ehemaliger) Militärbischof aus den Kassen einer Kinderheimstiftung bedient haben, da verschwanden in einzelnen Bistümern Millionenbeträge spurlos, da unterhielten nach bisherigem Ermittlungsstand einzelne Geistliche bis zu 30 Schwarzgeldkonten. Und während man nach außen hin noch immer Sparsamkeit in Zeiten finanzieller Krisen predigt, gönnt sich ein hessischer Bischof eine neue Millionenvilla, selbstverständlich nicht aus Privatmitteln.
Die katholische Kirche ist in der Bundesrepublik Deutschland in einer äußerst privilegierten Position. Nicht nur, dass sie als wichtige gesellschaftliche Vertreterin in fast jedem öffentlichen Gremium Sitz und Stimme hat und sie bis heute vermittels der missio canonica den katholischen Religionsunterricht an öffentlichen Schulen normiert, nein, ihre eigentlichen Privilegien sind noch weit fundamentaler: Der moderne Säkularstaat betätigt sich bis heute als williger Finanzbeschaffer für die Nachfolger Petris.
Doch auch Bürger, die nicht Mitglied der Kirche sind, alimentieren indirekt ihr Wirken. Jedes Jahr fließen hohe Summen an staatlichen Subventionsleistungen in die Börsen der Bischöfe, vom Messwein beim Militärgottesdienst bis hin zur Renovierung des baufälligen Kirchendachs, für alles Mögliche und Unmögliche kommt der Staat auf.
Reiche Bistümer zahlen aufgrund jahrhundertealter Verträge die Gehälter ihres Spitzenpersonals nicht selber, was einst feudale Fürsten aus Angst vor dem Fegefeuer absegneten, gilt bis heute fort, ein stets die Verdammnis des modernen liberalen Staates beschwörender Kardinal Meisner lässt sich von eben diesem mit monatlich über 10.000 Euro alimentieren. Im gleichen Moment kürzt die katholische Kirche drastisch ihre Ausgaben – bei Sozialangeboten sowie in der Kinder- und Jugendhilfe.
Das ist nicht nur ungeschickt, es ist unanständig. Viele Menschen verstehen die Kirchensteuer inzwischen als eine Art regelmäßiger Spende für soziale Zwecke, sie geben Teile ihres Einkommens an eine Institution von der sie sich zwar geistlich entfremdet haben, deren gesellschaftlichen Nutzen sie aber immer noch voraussetzen. Wenn eben dieses Geld nun in dubiosen Finanztransaktionen und feudalem Pomp umgesetzt wird, dann ist dies schlicht zynisch.
Das Gebaren des katholischen Spitzenpersonals ist aber nicht nur Betrug an denen, die dafür aufkommen, es schadet auch denjenigen in der Kirche, die sich noch tatsächlich im Sinne guter Werke aufopfern. Nicht einmal dreißig Kilometer entfernt von dem Ort, an dem der neue Sitz des prunksüchtigen hessischen Bischofs entsteht, bemühen sich einfache Ordensbrüder in einem rheinland-pfälzischen Altenheim um einen würdigen Lebensabend für demente Menschen.
Hier herrscht kein Prunk, die Geistlichen wohnen in bescheidenen Zimmern ohne großartigen Komfort. In der Kasse der Einrichtung herrscht zumeist Ebbe, auch für kleine Ausflüge mit den Heimbewohnern müssen stets Sponsoren geworben werden. Genau auf diese Ordensbrüder fällt jetzt das Verhalten ihrer Vorgesetzten zurück, nach den jüngsten Skandalen steht stets der Verdacht im Raum, die Bescheidenheit könnte nur Fassade sein.
Im Angesicht des öffentlichen Auftretens der katholischen Kirche in den letzten Monaten lassen sich ehrliche Aufopferung und ein sauberer Umgang mit Spenden immer schwieriger glaubhaft vermitteln.
Quelle: starke-meinungen.de